«Die Jugendlichen haben sich in dieser Zeit nicht gross verändert. Was sich rasant verändert hat, ist die Gesellschaft», sagt Jürg Bumbacher.

Ein Aspekt dieser Veränderung erleichtert ihm nun den Abschied: das Smartphone. «Das moderne Handy und die damit verbundene Allgegenwart sozialer Plattformen setzt mir viel mehr zu als die Rebellen früherer Jahre. Seitdem die Jugendlichen im Griff dieser Sucht sind, muss man richtiggehend darum ringen, um mit ihnen eine Beziehung aufzubauen», hat Jürg Bumbacher festgestellt. «Die verbalen Kämpfe, das Austragen von Konflikten, das für die Bildung der Persönlichkeit so wichtig ist, findet kaum mehr statt.» Bekämpft werde das Problem im Lehrlingsfoyer mit zwei bildschirmfreien Abenden pro Woche.

Vom Bachtelenareal an die Däderizstrasse

Während Marianne Bumbacher hauswirtschaftliche Betriebsleiterin im Bachtelen war, hat Jürg ursprünglich Architektur studiert, eine Leidenschaft, die er mit dem Umbau von Häusern im Bekanntenkreis heute noch als Hobby pflegt. Zum Sonderpädagogischen Zentrum Bachtelen und damit zu seiner Berufung im Leben kam er durch ein handwerkliches Praktikum 1976. Zwar kehrte er danach an die ETH zurück, um das Studium abzuschliessen. Doch als Architekt habe er nur ein halbes Jahr gearbeitet, bevor er zum Bachtelen zurückkehrte und berufsbegleitend die Ausbildung zum Sozialpädagogen absolvierte.

Der Bedarf für eine begleitete Anschlusslösung nach der Schulzeit für manche Bachtelenabgänger sei schon damals klar gewesen. «Seit wir 1981 geheiratet haben, hatten wir die Vision für das Lehrlingsfoyer», erinnert sich Jürg Bumbacher. Im Frühling 1986 wurde die Vision Wirklichkeit – die ersten fünf Schulabgänger bezogen im Haus Girard eine Wohnung.

Seit 1994 ist das «Ermitage» an der Däderizstrasse beheimatet und bietet sieben Lehrlingen eine Heimat auf Zeit. Betreut werden sie 360 Tage im Jahr rund um die Uhr von einem Team mit 330 Stellenprozenten sowie einem Praktikanten. Während Jürg Bumbacher als Leiter stets eine Vollzeitstelle innehatte, reduzierte seine Frau ihr Pensum zugunsten der Familie. Zuletzt engagierte sie sich mit 30 Prozent im «Ermitage».

Seit Jahren steht das Foyer auch Lehrlingen offen, die weder aus dem Bachtelen noch aus dem Kanton Solothurn kommen. Und, wie Jürg Bumbacher betont: «Für alle gilt derselbe Tarif.» Finanziell werde das Werk von der IV und den betroffenen Sozialämtern getragen.

Lager mit der ganzen Familie

Nicht alles vom ursprünglichen Traum liess sich verwirklichen. So habe es sich gezeigt, dass das «Ermitage» nicht im Privathaus von Bumbachers realisiert werden konnte. Nach einigen Wochenenden dort war klar: Die Belastung für ihre drei Kinder wäre zu gross gewesen.

Hingegen seien die Kinder im zweiwöchigen Sommerlager des Foyers dabei gewesen, vom Babyalter bis teilweise als Erwachsene. «Vor jedem Lager haben wir die Lehrlinge und die Kinder gefragt, ob sie einverstanden sind. Sie waren begeistert, und wir haben immer wieder festgestellt, dass selbst die grössten Rüpel wunderbar mit Kindern umgehen», sagt der abtretende Foyerleiter. Diese Lager, meist in Frankreich, Italien und in letzter Zeit in Schweden, gehören zu den schönsten Erlebnissen von Bumbachers.

Konfliktreicher Alltag – harmonische Ehemaligentreffen

Im «Ermitage» gibt es immer wieder Zeiten grosser Belastung. Drogen- und Alkoholtests gehören zum Alltag. So kontrolliert das Lehrlingsfoyer, dass die Regeln, die beim Eintritt unterschrieben wurden, eingehalten werden. Bei den Drogen gelte Nulltoleranz, beim Alkohol die «Verkehrslimite» von 0,5 Promille. Verstösse würden mit Bussen und Ausgangssperren geahndet, einzeln oder in Kombination, erklärt Jürg Bumbacher. Es konnte vorkommen, dass er in Zimmern Waffen konfiszieren musste oder mit Morddrohungen eingedeckt wurde. Doch Angst habe er kaum je gehabt, versichert er. Es galt, Lehrmeister zu beraten, Eltern zu ermutigen, Behörden und Polizei Zusammenhänge zu erklären – und vor allem die Jugendlichen bei der Stange zu halten.

Gelegentlich ist alle Anstrengung vergeblich, ein Jugendlicher bricht die Lehre ab oder wird für die Hausgemeinschaft untragbar, aber das sei zum Glück selten. «90 Prozent von denen, die ihre Lehre abschliessen, finden den Rank und integrieren sich vollständig in die Gesellschaft», freut sich Jürg Bumbacher an den Erfolgen. Alle drei Jahre organisiere das «Ermitage» ein Ehemaligentreffen, an dem auch einstige Mitarbeiter teilnehmen. «Das ist immer wie eine grosse, glückliche Familie.» Eine Familie, zu der Jürg und Marianne Bumbacher weiterhin gehören werden.