Gut drei Monate sind seit der Erweiterung der Samstagsöffnungszeiten vergangen. Die Grossverteiler äussern sich positiv, soweit es ihre offiziellen Verlautbarungen angeht. Spontan ist durchaus auch anderes zu hören – eine Situation, die das lokale Gewerbe in seiner Haltung bestärken dürfte, am Samstag die Öffnungszeiten so zu belassen, wie sie seit vielen Jahren gelten.

Differenziert klingt es bei der Migros Aare. «Das Verhalten und die Bedürfnisse unserer Kundschaft haben sich gewandelt. Unser Bestreben ist es, unseren Kundinnen und Kunden ein auf ihr Leben angepasstes und für sie optimales Angebot zu bieten, dazu gehören auch die angepassten Öffnungszeiten. Und dies betrifft vor allem auch den Samstag», erklärt Mediensprecherin Andrea Bauer auf Anfrage. Bei der Kundschaft seien die neuen Öffnungszeiten sehr gut aufgenommen worden.

«Ein Kundenbedürfnis»

Explizit von einem «Kundenbedürfnis», am Samstag länger einkaufen zu können, spricht Désirée Schmid, Mediensprecherin Coop-Verkaufsregion Bern. Personalseitig, betont sie: «Die Arbeitsbedingungen respektive die Wochenarbeitszeiten bleiben die gleichen.»

Ähnlich, sogar mit euphorischem Unterton, argumentiert Corina Milz, Leiterin Unternehmenskommunikation von Lidl: «Wir sind mit der Umsatzentwicklung in der Filiale Grenchen sehr zufrieden. Dies zeigt auch, dass es unserer Kundschaft ein Bedürfnis ist, am Samstag auch später einkaufen zu können.»

Otto’s hat sich mit der Ausweitung der Samstagsöffnungszeiten für einen Kompromiss entschieden. «Mit der Verlängerung der Ladenöffnungszeit auf 17 Uhr sind wir einem Kundenbedürfnis gefolgt», argumentiert Direktionsassistentin Angela Schnyder. Zum Umsatz nimmt Otto’s folgendermassen Stellung: «Auch wenn eine eigentliche Beurteilung noch etwas verfrüht ist, so gehen wir von einer positiven Umsatzentwicklung aus.»

Aldi widersteht dem Druck

Als einziger Grossverteiler in der Stadt hat Aldi nicht mitgezogen. Nicht, dass das einer allgemeinen Geschäftsphilosophie im Kanton Solothurn entspricht. So wurden die Samstagsöffnungszeiten in Biberist zum Beispiel angepasst. Aldi-Sprecher Philippe Vetterli ist überzeugt, dass das Festhalten am alten Ladenschluss in Grenchen derzeit genügt: «Diese Öffnungszeiten entsprechen den aktuellen Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden in Grenchen.» Eine Veränderung zu einem späteren Zeitpunkt behält er sich vor.

Der Kunde ist wirklich König – jedenfalls vorerst

Die Frage, die abgesehen von Otto’s keiner der kontaktierten Grossverteiler beantworten will, ist jene nach dem Umsatz(zuwachs). Spontan und im Schutz der Anonymität sagt einer der Firmensprecher: «Die Ausweitung der Samstagsöffnungszeiten bringt ja nicht mehr Umsatz. Hingegen gilt es für uns, das Wohl der Mitarbeitenden im Auge zu behalten, und das ist gratis nicht zu haben.»

Einfach gesagt: Die Grossverteiler kommen einem Wunsch nach Freiheit respektive weniger Disziplin der Kundschaft entgegen und schmälern damit ihr Ergebnis – vorausgesetzt, sie finden keine Möglichkeit, die nicht unbeträchtlichen zusätzlichen Personalkosten an besagte Kundschaft zu überwälzen.

Eine Frage der Kosten

Angesichts dieser Ausgangslage liegt es auf der Hand, warum das lokale Gewerbe das samstägliche Rösslispiel nicht mitmacht. Personalkosten für ein oder zwei Stunden mehr pro Woche fallen bei kleinen Firmen ins Gewicht. Ihre Margen sind knapp bemessen und wegen der Konkurrenz durch die Grossverteiler ständig unter Druck. Dazu kommt, dass die ansässige Kundschaft seit Jahrzehnten daran gewöhnt ist, dass am Samstag um 16 Uhr Ladenschluss ist und sich entsprechend eingerichtet hat.

Die Nachfrage beim Grenchner Gewerbeverbandspräsidenten Heinz Westreicher bestätigt, dass die Umfrage beim lokalen Gewerbe kurz vor Inkrafttreten der Gesetzesänderung auch nach drei Monaten unter neuem Regime gültig ist. Dem GVG-Präsidenten ist kein Gewerbebetrieb bekannt, der den Wunsch hegt, am Wochenende die Öffnungszeit zu verlängern.