Der weltgrösste Uhrenkonzern Swatch hält seine Generalversammlung morgen Mittwoch erstmals in Grenchen ab. Mit dem Velodrome steht eine Lokalität zur Verfügung, die genug Platz hat, um bis zu 4000 Aktionäre zu beherbergen.

Dass die Swatch Group überhaupt nach Grenchen kommt, ist zu einem dem Umstand geschuldet, dass der Konzern der grösste Arbeitgeber der Stadt ist. Anderseits ist die in Grenchen domizilierte ETA SA ein tragendes Element des Unternehmens, indem hier viele Uhrwerke für die Swatch-Marken gebaut werden.

Auch wurde 1982 hier die trendige Kunststoffuhr Swatch erfunden, welche in der Schweizer Uhrenindustrie für Aufbruchstimmung sorgte und die dem Konzern später sogar den Namen gab.

Infrastruktur muss stimmen

Doch erst seit der Eröffnung des Velodromes 2013 bietet die Uhrenstadt auch eine Lokalität, die eine Mammut-Veranstaltung wie die Generalversammlung (GV) überhaupt beherbergen kann. 2657 Personen haben nämlich letztes Jahr im Kongresshaus Biel an der GV teilgenommen. Dieses hatte allerdings zu wenig Platz und ein Teil der Aktionäre wurden in einem Zelt untergebracht.

Dass Swatch nun nach Grenchen kommt, sieht Unternehmenssprecherin Béatrice Howald weniger pathetisch. «Wir gehen einfach dorthin, wo die Infrastruktur stimmt und es genügend Platz hat», so Howald. So war die GV auch schon in Basel oder Bern. «Für uns ist entscheidend, dass alle Aktionäre zufrieden sind.»

Damit das auch morgen so ist, muss die Zusammenarbeit mit dem Velodrome optimal klappen. Michèle Tanner, stellvertretende Geschäftsführerin des Velodrome Suisse, ist guter Dinge.

Obwohl das mit Abstand der grösste Anlass ist, der bisher im Velodrome stattffindet. «Wir haben uns gut vorbereitet, denn es bedeutet für uns das Gesellenstück. Wenn wir erfolgreich sind, hoffen wir, dass auch künftige Generalversammlungen des Konzerns hier abgehalten werden können.»

4100 angemeldet

Am Dienstag werden in der Halle 2000 Stühle aufgereiht, zusammen mit dem westlichen Tribünenteil des Velodromes kommt man damit auf 2900 Sitzplätze. Zwar seien 4100 Aktionäre angemeldet, das langjährige Mittel zeige, dass aber nur knapp drei Viertel auch kommen. Und manche lassen sich nur sehen, um ihre gratis Swatch abzuholen und machen dann rechtsum kehrt.

In einem Vorzelt erfolgt an 16 Stationen die Registrierung, welche das Aktienrecht erfordert. Nach der GV, die um 10 Uhr beginnt und für die etwadrei Stunden veranschlagt sind, sind die Aktionäre zu einem Apero Riche ins Zelt nebenan eingeladen. Hier kommt der Grenchner Caterer Fotra zum Zug, der sich für 3100 Mahlzeiten gerüstet hat.

Alle fremde Werbung muss weg

Mit der Vorbereitung der Halle wurde am Samstag begonnen. Unter anderem verlangte Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek, dass sämtliche sichtbare Werbung abgedeckt wird - sogar die hauseigene von Tissot. Gesagt getan. Auch wenn das stundenlange Arbeit bedeutet. Denn der Aufwand wird von der Swatch Group bezahlt.

Die Bühne wird im Ostteil aufgebaut, dahinter ein 52 Meter langer Vorhang mit drei TV-Schirmen. Weitere Leinwände in der Hallenmitte versorgen die Tribüne mit Bildern, eine Unmenge von Konferenztechnik wird zurzeit installiert. Jede Swatch-Group Marke präsentiert sich zudem mit einer eigenen Vitrine.

Auch die Swatch Group selber ist mit etwa 100 Personen in Grenchen im Einsatz. Etwa um das Check in der Aktionäre rasch erledigen zu können; auch das Abstimmungsbüro muss zu einem rationellen Ablauf der Versammlung beitragen. ETA-Lehrlinge helfen im Verkehrsdienst und in den Büros mit. Es werden laufend Extrabusse von beiden Bahnhöfen zum Velodrome organisiert.

1,9 Milliarden Gewinn

Die GV selber bietet keine Besonderheiten, wenn man davon absieht, dass es auch diesmal wieder viel Geld zu verteilen gibt: 1 912 072 644 Franken und 67 Rappen beträgt der Bilanzgewinn. Das Gros davon, nämlich 1,47 Millarden soll in die Reserven fliessen. Sodann wird dieses Jahr erstmals der Verwaltungsrat einzeln gewählt, so wie es seit der Annahme der Minder-Initiative Pflicht ist.