Vor Beginn der Vorstellung war ein regelmässiges Klicken zu hören. Die Hauptfigur, ein Geschöpf aus Styropor und Textilien, versuchte, sich eine Zigarette anzuzünden. Beseelt wurde die lebengrosse Puppe von Sebastian Kautz, der ihr und andern auftretenden Figuren die Stimme gab.

Wie Unrecht zu Rache führt

Michael Kohlhaas, der im 16. Jahrhundert gelebt haben soll, will mit seinen Pferden eine Landesgrenze überschreiten. Weil er keinen Passierschein hat, muss er zwei Pferde als Pfand beschlagnahmen lassen. Er findet heraus, dass das Verlangen eines Passierscheines reine Willkür war und wehrt sich gegen die Ungerechtigkeit. Gerichte lassen ihn abblitzen, weil sein Kontrahent eine wichtige Persönlichkeit ist. Enttäuscht, dass auf juristischem Weg keine Gerechtigkeit zu erstreiten ist und nach dem Verlust seiner Frau bei deren Bemühungen um eine gütliche Regelung, beginnt Kohlhaas einen blutigen Rachefeldzug um zu seinem Recht zu kommen.

Aufgelöste Grenzen

Beeindruckend, wie Sebastian Kautz seine Figuren leben lässt. Michael Kohlhaas und andere füllen die Bühne aus und die Grenzen zwischen Puppen und Sprecher sind kaum mehr auszumachen. Stark gestaltet der Puppenspieler den Abschied von Kohlhaas’s Gattin und die Szene, wo jener sich von Bart und Haaren trennt. Die symbolische Tat um die Vergangenheit loszulassen, ist einer der zahlreichen Höhepunkte der Aufführung. Gero John untermalt und ergänzt die Produktion musikalisch mit grossem Können. Mit seiner Loop-Technik, mit Cello und Keyboard, erzeugt er gekonnt Stimmungen und machte den Theaterabend zu einem Kunstwerk. Die Zuschauer konnten am Schluss der Aufführung die unterschiedlichen Masken der skurrilen und schauerlichen Darsteller betrachten und der Musiker gab Einblick in seine Kompositionen. Schade, haben sich an diesem Abend nicht mehr Zuschauer ins Parktheater begeben, um die eindrückliche Geschichte von Michale Kohlhaas mitzuerleben.