Grenchen
Grenchner Wohntage: Grossregion gegen die Zweitrangigkeit

Die Hauptstadtregion beansprucht ihren gleichwertigen Platz neben den drei Metropolitanräumen Zürich, Basel und Bassin Lémanique. Im Rahmen der Grenchner Wohntage wurden deren Vorzüge betont: ihre Zweisprachigkeit und ihre Nähe zur nationalen Politik

Rainer W. Walter
Drucken
Teilen
In grösseren Räumen denken und handeln, Georg Tobler, Geschäftsführer des Vereins Hauptstadtregion Schweiz

In grösseren Räumen denken und handeln, Georg Tobler, Geschäftsführer des Vereins Hauptstadtregion Schweiz

AZ

Unter der Leitung von Thomas Steinbeck vom Architekturforum Solothurn, Mitorganisator der jährlichen Grenchner Wohntage, stellten der Solothurner Stadtpräsident und Nationalrat Kurt Fluri als Co-Präsident der Hauptstadtregion Schweiz und Georg Tobler, Geschäftsführer des Vereins, ihre Organisation vor und unterstrichen sehr klar deren Bedeutung.

Die Welt «schrumpft»

Georg Tobler stellt fest, dass in einer «geschrumpften» Welt der Konkurrenzkampf zwischen direkten Nachbarn mehr und mehr zu einem Konkurrenzkampf grossräumig agierender Kräfte wird. Er glaubt, dass selbst die Landesgrenzen an Bedeutung verloren hätten und jeder Mensch täglich mehrere «Grenzüberschreitungen» begeht, indem er Dorf- und Kantonsgrenzen überschreitet.

In der späteren Diskussion wurde allerdings recht klar ausgeführt, dass die Konsequenz derartiger Grenzüberschreitungen, die Fusion kleinerer Einheiten zu grösseren Verwaltungszentren, heute noch kaum denkbar, geschweige denn umsetzbar ist.

Kurt Fluri meinte dazu, dass das Denken in den Räumen der Agglomerationen trotz eines entsprechenden Verfassungsartikels noch nicht stark ausgebildet sei und oft an einer «historisch bedingten Symbolik» scheitert.

Es geht auch um Bern und Co.

Als die drei Grossregionen Zürich, Basel und Bassin Lémanique geschaffen wurden und zu arbeiten begannen, blieb die starke und politisch bedeutsame Mittelregion Bern gleichsam auf zweitrangiger Höhe.

Aus diesem Grunde erinnerte sich diese Region an ihre Bedeutung, und man entschloss sich, auf der Ebene eines Vereines die Hauptstadtregion Schweiz zu gründen. Dieser gehören 5 Kantone (darunter Solothurn), 17 Gemeinden und 3 regionale Organisationen an. Ziel ist es, dass sich die vierte Kraft, die Hauptstadtregion Schweiz, im Konzert der andern Regionen Gehör verschaffen kann.

Kurt Fluri, zusammen mit dem Berner Regierungsrat Andreas Rickenbacher Co-Präsident der Organisation, skizzierte die ersten Ziele des Vereins, der am 1.Januar dieses Jahres seine Arbeit aufgenommen hatte.

Oberstes Ziel sei es, die «volkswirtschaftliche Bedeutung» des Polit-Zentrums zu stärken. Gewicht legt man auf den Ausbau und die Förderung des öffentlichen Verkehrs. Zusammenarbeit im Spitalwesen ist angesagt und nicht zuletzt die Förderung einer Zweisprachigkeit.

Nähe zum politischen Zentrum

Im Bereich der Verwaltung wird eine Zusammenarbeit der Verwaltungseinheiten angestrebt. Hier denkt man unter anderem an den Bereich der Landwirtschaft. Als Hauptstadtregion Schweiz will sich dieser Grossraum im Verteilkampf um immer knappere öffentliche Mittel stärker positionieren, lautet das erklärte Ziel.

Ferner soll die Organisation ihre Nähe zur Politik als bedeutendes wirtschaftliches Kapital nutzen. Schliesslich wird betont, dass die Stärken in den Bereichen Präzisions- und Uhrenindustrie sowie Medizinaltechnik «vermehrt in Wert zu setzen» seien.

Beide Vertreter des Vereins waren sich einig, dass ihre Organisation einen dynamischen Start erlebt habe. Zudem verfüge die Organisation, welche von den Erfahrungen der seinerzeitigen Espace Mittelland profitieren könne, über eine ganze Reihe von gut abgestützten Arbeitsprojekten.

Unter anderem will die Hauptstadtregion Schweiz ihre Brückenfunktion zwischen den verschiedenen Grossraum-Regionen wahrnehmen.

Informationen unter www.hauptstadtregion.ch

Aktuelle Nachrichten