Die Vertreter der anderen Schweizer Uhrmacherschulen machen allmählich lange Gesichter. Schon wieder haben zwei junge Uhrmacher, die ihre Lehre im ZeitZentrum Grenchen absolvieren, bei einem renommierten Uhrmacherwettbewerb abgesahnt.

Jedes Jahr führt die Genfer Nobeluhrenmarke Patek Philippe einen Wettbewerb für Lehrlinge der Schweizer Uhrmacherschulen durch. Jede der sechs Schulen in der Schweiz schickt ihre drei besten Schüler in die Ateliers nach Genf, um sich im Handwerk der haute Horlogerie zu messen.

Auffällig ist, dass die Absolventen der einzigen Deutschschweizer Uhrmacherschule, des ZeitZentrums Grenchen, fast Jahr für Jahr bei den besten dabei sind. Letztes Jahr belegten die Grenchner den Rang eins und drei, heuer gabs gleich einen Doppelsieg: Stefan Weyeneth aus Lüterkofen konnte die begehrte Trophäe erringen, gefolgt von Jonas Guidon aus Buchs (SG).

Gute Schüler, gute Lehrer

Das macht natürlich auch Zeit Zentrum-Rektor Wegmüller stolz. Der Palmares stellt das ZeitZentrum in der Branche in ein positives Licht. Dass die Grenchner so gut abschliessen, führe er auch auf das Arbeitsethos zurück, erklärt er unprätentiös. «Die Deutschschweizer arbeiten halt noch einen Zacken gewissenhafter und genauer als die Welschen», lacht Wegmüller. Und das schlage sich dann auch in den Wettbewerbsresultaten nieder. Dass als Grundlage für eine solche Leistung auch gute Berufsschullehrer eine Rolle spielen, diese Feststellung überlässt Wegmüller anderen.

Beim Patek-Wettbewerb geht es darum, die Reglage (Ganggenauigkeits-Einstellung) einer Armbanduhr aus dem Hause der Nobelmarke vorzunehmen. «Dabei geht es nicht nur darum, die Uhr genau einzustellen, sie kontrollieren auch, wie genau und sauber jemand arbeitet», erklärt Stefan Weyeneth, der glückliche Gewinner. Hier erreichte der Bucheggberger in den Bereichen Sauberkeit und Arbeitsqualität glatt die Höchstnote sechs. Kontrolliert wird auch das Ölen der Lager, das Spiel der Unruh und die Zentrierung der Spirale.

Strenge Notengebung

Die Kriterien Ganggenauigkeit und Arbeits-Ästhetik werden je mit 50 Prozent bewertet. Weyeneth erreichte über alle sieben Kriterien gesehen die Durchschnittsnote 5,02. Die Note von 4,68 hat Jonas Guidon von den 18 teilnehmenden Lehrlingen für den Rang zwei gereicht.

«Die Patek-Philipp-Leute legen sehr strenge Massstäbe an», erklärt Wegmüller zur Notengebung. Die Ausrichtung des Wettbewerbs diene dem Hersteller nicht zuletzt dazu, Kontakte zu den besten Berufsleuten aufzubauen. «Wer einen solchen Wettbewerb gewinnt, wird sicher in seiner Berufskarriere unter attraktiven Jobs auswählen können.»

Im zweiten Lehrjahr

Dazu brauchen die Uhrenfirmen, die sich um Cracks reissen, noch etwas Geduld. Die Grenchner Wettbewerbsteilnehmer sind erst im zweiten Lehrjahr.

Zurzeit arbeiten im BBZ übrigens die 14 Lehrlinge des Abschlussjahrganges intensiv an ihrem «Gesellenstück« . Sie haben die Aufgabe, während ihrer Lehrzeit ein ETA-Uhrwerk umzubauen und künstlerisch zu gestalten.