Zeit Zentrum

Grenchner Uhrmacher räumt mit seiner originellen Idee einen Spezialpreis ab

Yves Mathis im Atelier der Uhrmacherschule im Zeit Zentrum.

Yves Mathis im Atelier der Uhrmacherschule im Zeit Zentrum.

Der 19-jährige Yves Mathis hat beim diesjährigen Prix Cartier einen Preis für die originellste Idee gewonnen. Auf dem Ziffernblatt seiner Uhr ist ein Buch montiert, dessen Seiten alle 20 Minuten umgeblättert werden.

Jedes Jahr schreibt Cartier einen Wettbewerb für Uhrmacherlehrlinge aus, jedes Jahr mit etwas anderen Wettbewerbsbedingungen. Und regelmässig sind auch Lehrlinge der Uhrmacherschule im Zeit Zentrum Grenchen vorne mit dabei. So auch dieses Jahr: Christian Lehmann erreichte den 4. Platz und Yves Mathis erhielt den Preis für die originellste Umsetzung der Vorgaben.

Diese Vorgaben variieren von Jahr zu Jahr. Weil Cartier den Wettbewerb schon zum 20. Mal ausschreibt, machte man das Jubiläum auch zur Vorgabe: Die Uhrmacherlehrlinge mussten eine Uhr mit einem Mechanismus herstellen, der alle 20 Minuten irgendeine Tätigkeit oder Bewegung vollführt.

«Viele meiner Mitbewerber hatten die Idee, eine Champagnerflasche zu thematisieren. Ich fand es etwas langweilig, dasselbe zu tun wie alle anderen», erklärt Yves Mathis. Deshalb entschloss er sich, auf das Uhrwerk - ein ETA-Werk Kaliber 6497, das meistverwendete Werk für Taschenuhren - ein kleines Buch zu montieren, dessen Seiten alle 20 Minuten umgeblättert werden.

So sieht das Ziffernblatt der originellen Uhr aus.

So sieht das Ziffernblatt der originellen Uhr aus.

Kein einfaches Unterfangen, denn das Gesamtwerk durfte nicht breiter als 60 Millimeter und nicht höher als 15 Millimeter sein. Zur Herstellung durften nur eine Drehbank, eine Bohrmaschine sowie Werkzeuge wie Feilen verwendet werden. Auch die Zeitvorgabe war knapp: 32 Stunden innerhalb von zwei Wochen standen zur Verfügung, für Idee, Konzept und Realisierung.

Knifflige Angelegenheit

«Mein Konzept hatte seine Tücken und ich hatte meine liebe Mühe damit», erzählt Mathis. Das Buch, bestehend aus Bucheinband und vier Seiten, jede aus flach gewalztem Federstahl und nur gerade fünf Hundertstelmillimeter dick, wurde auf das Werk montiert.

Darunter eine Auslösescheibe, die auf dem Teil, auf dem normalerweise der Minutenzeiger montiert wird, befestigt wurde. Alle 20 Minuten wird eine der Seiten umgeblättert, diejede einzeln aufgehängt ist. «Ich musste darauf achten, dass möglichst wenig Reibung beim Vorgang entsteht, damit das Werk noch einigermassen genau läuft.»

Zwei Tage vor dem Abgabetermin sei das ganze Konstrukt noch auseinandergefallen, erzählt der Lehrling. Aber schliesslich habe er die Uhr doch noch rechtzeitig fertigstellen, verpacken und abschicken können. «Und sie ist sogar heil angekommen», freut er sich. Denn dieses Glück sei einigen seiner Mitstreiter nicht vergönnt gewesen.

Für diese originelle Uhr wurde ein junger Grenchner mit einem Spezialpreis ausgezeichnet.

Die preisgekrönte Uhr in Aktion

Überzeugt hat nebst der aufwendigen und funktionierenden Konstruktion die Juroren aber etwas anderes, das Mathis erst in den letzten paar Stunden umsetzte - und das ursprünglich gar nicht geplant war: Er bemalte die Seiten des Buches und verwandelte das Alu-Zifferblatt in einen Sternenhimmel mit Mond.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1