Gegen Masseneinwanderung

Grenchner Stimmvolk sprach sich deutlich für die SVP-Initiative aus

Mit 61.4 Prozent sprach sich das Grenchner Stimmvolk deutlich für die Initiative «gegen Massenweinwanderung» aus.

Mit 61.4 Prozent sprach sich das Grenchner Stimmvolk deutlich für die Initiative «gegen Massenweinwanderung» aus.

Als einzige der Jurasüdfuss-Städte hat Grenchen am Wochenende die SVP-Initiative angenommen. Und dies überaus deutlich mit 61,4 Prozent Ja-Stimmen. Das Resultat überrascht in der Uhrenstadt (fast) niemanden wirklich.

Nein, die Champagnerkorken habe man nicht knallen lassen, erklärt SVP-Parteipräsident Richard Aschberger, aber zufrieden sei man schon. Das heisst, eigentlich erst, wenn der Bundesrat Anstalten mache, dass die Initiative auch wirklich umgesetzt wird.

«Wir möchten nicht, dass wir nachdoppeln müssen, wie bei der Ausschaffungs-Initiative». Das Ja zur SVP-Initiative sei eine Quittung dafür, dass der Bundesrat die Zügel habe schleifen lassen, beispielsweise durch die Nichtanrufung der Ventilklausel.

Dass Grenchen die Initiative so deutlich angenommen hat, überrascht Aschberger nicht. Auch bei der Minarett-Initiative sei Grenchens Ja-Anteil weit vorne gelegen. Der SVP-Präsident sieht dabei den hohen Ausländeranteil in Grenchen als massgebliche Triebfeder sowie die «Situation in gewissen Quartieren».

«Genug Zeit für Lösungen»

Dass die Grenchner Wirtschaft, die stark industriell geprägt ist, jetzt das Nachsehen hat, glaubt Aschberger nicht. «Ich habe mit Leuten aus der Industrie gesprochen, die auch Ja gestimmt haben.» Es sei jetzt am Bundesrat. Lösungen zu finden, welche die Wirtschaft nicht tangieren. Immerhin habe dieser jetzt drei Jahre Zeit dafür.

Und wie tönt es bei der Wirtschaft selber? - «Es wird für die Unternehmen bestimmt nicht einfacher», meint der Grenchner Unternehmer Walter Sahli, der auch Mitglied des städtischen Wirtschaftsrates ist.

Er befürchtet, dass jetzt noch zusätzliche administrative Lasten auf die Unternehmen zukommen. Und von denen habe man schon heute reichlich. Ausländische Geschäftspartner hätten ihn bereits per SMS kontaktiert und Fragen gestellt. Der Erklärungsbedarf sei offenbar hoch.

Die Suppe soll zuerst abkalten...

Und was antwortet er ihnen? - «Dass hoffentlich die Suppe nicht so heiss gegessen wird, wie sie gekocht wird und dass ich hoffe, dass wir praktikable Lösungen finden werden, mit denen beide Seiten leben können.»

Denn die offizielle Schweiz habe tatsächlich zu wenig unternommen, um offensichtliche Probleme mit Sozialmissbrauch oder Familiennachzug in den Griff zu bekommen. Dass Grenchen mit seinem grossen Ausländeranteil so deutlich ja gesagt habe, sei in diesem Licht nicht verwunderlich.

Eher zurückhaltend auch die Kommentare von weiteren Grenchner Wirtschaftskapitänen. Roland Kobel, Inhaber der Zahnradherstellerin Siegrist AG, geht davon aus, dass der Entscheid auf seinen Betrieb wenig Auswirkungen hat. Man finde bisher genug Personal im Inland und habe mit der Anstellung von Ausländern, in Kobels Fall waren es Deutsche, «bisher nicht so gute Erfahrungen gemacht.»

Überraschter Scheidegger

«Mal abwarten», meint auch Titoni-Chef Daniel M. Schluep. Er könne weder als Unternehmer noch als Staatsbürger bereits einschätzen, wie die Auswirkungen des Entscheids für den Wirtschaftsstandort seien. Die Unternehmer sind sich hingegen einig, dass das überaus deutliche Ja mit der Bevölkerungsstruktur in Grenchen zusammenhänge.

Am ehestens noch überrascht zeigt sich Stadtpräsident François Scheidegger. «Ich bin schon etwas konsterniert von diesem Resultat», lässt er sich aus den Skiferien vernehmen. «Ich hoffe, dass das nicht auf den Wirtschaftsstandort Grenchen zurückschlägt», sagt der Stapi auf Anfrage.

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