Grenchen

Grenchner Stimmbürger zeigten dem Kunstrasen im Brühl die rote Karte

Grenchens Fussballvereine müssen weiterhin auf Naturrasen trainieren und mit Engpässen leben – der Kunstrasen wurde abgelehnt.  HP. Bärtschi

Grenchens Fussballvereine müssen weiterhin auf Naturrasen trainieren und mit Engpässen leben – der Kunstrasen wurde abgelehnt. HP. Bärtschi

Der Sonntag geht als Trauertag in die Geschichtsbücher der Grenchner Fussballklubs ein. Der Gesamtkredit über 2,98 Mio. Franken für einen Kunstrasen wurde von den Stimmberechtigten der Stadt mit 2591 Nein- gegen 1633 Ja-Stimmen abgelehnt.

Enttäuscht zeigten sich Vereinsfunktionäre gestern in einer ersten Reaktion. «Das Resultat ist eine Schande für Grenchen», sagt etwa Christian Schlup, Ehrenpräsident FC Wacker. Schlup glaubt, dass im Vorfeld durch Fehlinformationen gezielt Angstmacherei betrieben worden ist. So sei immer wieder von 3 Mio. Franken Kredit die Rede gewesen, obwohl es effektiv «nur» um 1,63 Mio. liquide Mittel ging (wir berichteten). Die Enttäuschung sei bei allen Vereinen sehr gross. Es gebe sogar Sponsoren und Klubfunktionäre, die sich überlegen, ihr Engagement einzustellen.

Matthias Meier-Moreno, Initiant des Komitees «ProKunstrasen» und FCG-Medienchef, fühlt sich vor den Kopf gestossen. «Das klare Nein habe ich nicht erwartet.» Auch er glaubt, dass irreführende Kostenangaben die Leute verunsichert haben. Ausserdem fehlte ihm die Unterstützung vonseiten der Politik. Vorausschauend komme nun das Problem hinzu, dass ein weiterer Trainingsplatz wegfallen wird, wenn das geplante Velodrom realisiert wird. «Ich hoffe, dass der Entscheid gegen den Kunstrasen nicht bedeutet, dass die gesamte Sportstättenplanung der Stadt ins Stocken gerät. Es müssen Lösungen her, und Lösungen sind nun mal nicht gratis.» Man respektiere den Volksentscheid. Klar sei aber, dass die Politik weiter gefordert ist.

Nicht gegen den Fussball an sich

BDP-Präsident Christoph Feremutsch und FDP-Ersatzgemeinderat Eric von Schulthess hatten im Vorfeld vor den Kosten gewarnt. In einer ersten Reaktion zeigen sie sich erfreut, machen aber klar, dass sie sich nie gegen den Fussball an sich gestellt haben. «Die Anliegen der Fussballer sind verständlich», sagt von Schulthess. Doch müsse ein Kunstrasen eher durch private Initiative denn durch Steuergelder finanziert werden.

Stadtpräsident Boris Banga zeigte sich in einer Medienmitteilung enttäuscht über das Volks-Nein, «besonders, nachdem das Projekt im Gemeinderat und in der Gemeindeversammlung ohne Gegenstimmen gutgeheissen worden war». Er interpretiere es als Sorge über das angespannte Budget. Schliesslich stehen in der Gemeinde noch weitere Projekte an. Ob die Stadt mit dem Verzicht auf den Kunstrasen wirklich Geld spart, sei für ihn zweifelhaft.

Die Stimmbeteiligung lag bei 44,3 Prozent. Beinahe zwei Drittel der 4224 Urnengänger haben dem Allwetterrasen die rote Karte gezeigt. Die rund 700 Fussballspieler der Grenchner Klubs müssen auch künftig mit Trainingsengpässen leben.

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