Das beginnt schon, wenn man die beiden Buchdeckel aufklappt und die Flugbilder der Siedlung einst und heute studiert. Es lohnt sich, da zu verweilen, denn mit einem kurzen Blick ist es nicht getan; Grenchen ist abgesehen von der Industriezone im Süden nach innen gewachsen und nicht nach aussen. Eine Erkenntnis, die sich auf die Arbeit des Autorenteams und der Expertenkommission übertragen lässt.

Seit dem Projektstart vor fünfeinhalb Jahren haben sie sich das Migros (Uhrmacherlupe) ins Auge geklemmt, tief geschürft im Quellenbestand des Stadtarchivs und dennoch das Ganze nie aus den Augen verloren: Industrie, Kultur, Konsum, Gesundheitswesen und Politik halten sich die Waage. So bietet die Stadtgeschichte für jedes Interesse etwas.

Lesenswerte Anekdoten

Auch Anekdoten haben ihren Platz. Wer wissen möchte, warum sich das Stadtpräsidium an Irène Fringeli die Zähne ausgebissen hat, dem sei das Kapitel «Jugendkultur und gesellschaftliche Umbrüche» in der Chronik empfohlen. Warum die Entlassung eines auswärtigen Pfarrers die Kirchenlandschaft in Grenchen umgekrempelt hat, ist im Kapitel «Religionsverhältnisse» beschrieben. Und wer einfach nur nachschauen möchte, ob sein oder ihr Name Eingang in die moderne Geschichtsschreibung gefunden hat, erhält im Namenregister hinten innerhalb weniger Sekunden die Antwort.

Statistische Erhebungen sind knappgehalten und am Schluss des Buches zusammengefasst. Dazu erhält der Anhang einige nützliche Listen, so etwa der Ammänner, National- und Ständeräte sowie der städtischen Preisträger. Das Layout ist mit der Zweiteilung der hochformatigen A4-Seiten – oben Illustration, unten Text – konventionell und etwas bieder gehalten.

Weiter ist es im Sinn des Publikums, dass die Stadtgeschichte in einer leserfreundlichen Schrift gesetzt ist, entgegen dem Trend, der Schriften bevorzugt, bei denen das Auge ständig von der Lesezeile wegrutscht. Nur für etwas ist die Stadtgeschichte nicht geeignet. Als Nachttischlektüre. Mit ihren 330 Seiten zwischen dicken Kartondeckeln ist sie viel zu schwer als Bettmümpfeli.