«Treffpunkt Bundesplatz»
Grenchner Schulklasse schnuppert Berner Polit-Luft

Die Schüler der Klasse 2b aus dem Haldenschulhaus nehmen als einzige Solothurner an SF-Projekt «Treffpunkt Bundesplatz» teil. Die Klasse bereitete sich intensiv darauf vor, den Zürcher Politiker Ruedi Aeschbacher zu interviewen.

Oliver Menge
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Profi Sonja Hasler demonstrierte im Fernsehstudio, wie es geht. SF/zvg

Profi Sonja Hasler demonstrierte im Fernsehstudio, wie es geht. SF/zvg

Solothurner Zeitung

Morgen Nachmittag werden die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2b des Haldenschulhauses für 15 Minuten zu TV-Stars. Die Klasse ist eine von zehn, die für das Grossprojekt «Treffpunkt Bundesplatz» der SRG SSR ausgewählt wurde. Lehrer Franz Henzi ist dementsprechend stolz und hat viel Zeit und Energie investiert, um seine Klasse auf das Medienereignis vorzubereiten. «Schliesslich sind wir die einzige Klasse aus dem Kanton Solothurn, die teilnehmen darf».

Jede Klasse bekam einen bestimmten Politiker oder eine Politikerin zugeteilt, die Klasse 2b hat es mit dem Zürcher EVP-Politiker Ruedi Aeschbacher zu tun, der von 1999 bis letztes Jahr im Nationalrat sass, noch immer Geschäftsleitungsmitglied der Partei und Mitglied des Zentralvorstandes ist. Kein politisches «Greenhorn», sondern ein «alter Haudegen» aus Bundesbern, der jetzt nicht mehr am Wahlkampf teilnimmt, aber immer noch die Position seiner Partei vertritt. Trotzdem will gut vorbereitet sein, wenn der Kanton Solothurn und insbesondere die Jugendlichen Grenchens und das Haldenschulhaus exzellent dastehen sollen.

Vorbereitung im Fernsehstudio

An einem Vorbereitungstag Ende August machten die Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal Bekanntschaft mit Studiotechnik, Scheinwerfer, Kameras und Fotoshooting. Im «Leutschenbach» wurde die Klasse von Moderatorin Sonja Hasler in die Kunst der Interview-Technik eingeführt. Sie hat als Moderatorin und Redaktorin der Rundschau grosse Erfahrung und beweist in der Arena als Moderatorin immer wieder aufs Neue, wie man mit Politikern umgeht.

«Wir haben gelernt, dass unsere Meinung bei einem Interview nicht so wichtig ist und dass wir Fragen stellen müssen, auf die nicht nur mit ‹ja› oder ‹nein› geantwortet werden kann», erzählt ein Schüler. «Zwischendurch sollen auch lockere Fragen gestellt werden, sonst wird es langweilig», ergänzt eine Schülerin. Profi Sonja Hasler verschonte die Klasse nicht, sie provozierte, stellte Rückfragen, machte ihnen die Aufgabe nicht leicht.

«Man kommt sich vor, als sei man berühmt», schildert eine Schülerin ihren Eindruck, die Kinder werden in kleinen Gruppen gefilmt, fotografiert, überall sind Kameras, Scheinwerfer und Bildschirme. «Die Lampenreihen an der Decke haben keine Nummern, sondern Namen», erzählt ein Schüler, der seine Begeisterung für die Technik nicht verbirgt. Er und auch andere Schülerinnen und Schüler könnten sich vorstellen, später einmal fürs Fernsehen zu arbeiten.

Fragen und Themen recherchieren

Der anstrengendere Teil folgte in den darauffolgenden Wochen: Es galt, zuerst den Politiker Ruedi Aeschbacher auszuleuchten, seinen Hintergrund zu recherchieren, um aufgrund der Ergebnisse intelligente und schlaue Fragen zu formulieren, die man ihm in dem 15-minütigen Live-Interview stellen würde. Das geschah zum Teil im Unterricht, aber auch zu Hause. Die Klasse legte fest, zu welchen Themen sie dem Politiker Fragen stellen will – Themenbereiche, die sie für sich selber auch als wichtig erachten, wie Berufswahl, Integration und Religion – und formulierte die Fragen. Mit Hilfe von Videoaufnahmen wurden Schülerinnen und Schüler auf die Live-Situation vorbereitet und konnten sich gegenseitig analysieren und kritisieren.

Besser sein als die anderen

Zwei andere Klassen hatten ihren Live-Auftritt schon hinter sich gebracht, und die 2b konnte sich deren Interviews anschauen. «Die erste Klasse war gut vorbereitet. Die Interviewer suchten den Blickkontakt, waren aufmerksam und haben das gut gemacht», war die einhellige Meinung. Die zweite Klasse aus dem Kanton Bern versagte in den Augen der kritischen 2b auf der ganzen Länge: «Sie haben die Fragen abgelesen, haben unnötige und unwichtige Fragen gestellt und waren schlecht organisiert. Ausserdem haben sie undeutlich gesprochen», lautete das vernichtende Urteil.

Der Live-Auftritt wird geprobt

Wenige Tage vor dem Live-Auftritt auf dem Bundesplatz geht es in die Endrunde bei den Vorbereitungen. Klasse und Lehrer sind sich einig: Man will als Grenchner einen guten Eindruck machen. Aus diesem Grund wird geübt: 18 Fragen sind zugeteilt, die Sitzreihenfolge bestimmt. In zwei Reihen sitzen Schülerinnen und Schüler ihrem «Opfer» gegenüber, Lehrer Henzi mimt den Politiker. Er stellt Rückfragen und «Fallen», um den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, wo sie eine Frage falsch gestellt oder vergessen haben, den Politiker darauf hinzuweisen, dass er nur mit einem Satz antworten soll. Körperhaltung und Blickkontakt werden beurteilt und korrigiert. Selbst das Weiterreichen des Micros wird geübt. Alles wird auf Video aufgezeichnet, das Timing mit Stoppuhr gemessen.

Denn schliesslich soll morgen nichts schief gehen. Am Vormittag wird die Klasse eine Führung durchs Bundeshaus erleben, bevor sie am Nachmittag um Punkt 13.30 Uhr für 15 Minuten auf Sendung geht. Für die Beteiligten, auch für die Eltern zu Hause, wird das TV-Projekt mit grosser Wahrscheinlichkeit ein unvergessliches Erlebnis.