«Da weiss man, dass man etwas Sinnvolles macht», sagt ein Mädchen, das gerade einen grossen Ast zu einem Haufen schleppt. Zusammen mit ihren Mitschülerinnen und -schülern ist sie dabei, hinter dem Chappeli die Äste und Haselruten zusammenzutragen, die von den Mitarbeitern des Forstamts mit Motorsägen geschnitten werden.

«Auf diesem Geländeabschnitt, den die Bürgergemeinde als Geschenk erhielt, wurde 2006/2007 der Chappelibach – weiter unten heisst er dann Dählenbach – renaturiert», erklärt Revierförster Patrik Mosimann.

Ursprünglich habe man den Bach südlich entlang des Wegs legen wollen, der hinter dem Restaurant Chappeli ostwärts führt, aber das war aus einem eher speziellen Grund nicht möglich, erklärt Mosimann: «Wo wir uns hier befinden, war ursprünglich ein tiefes Tal, das der Stadt Grenchen als Abfalldeponie diente. Die Deponie wurde zwar mit einer Lehmschicht einigermassen abgedichtet, aber den Bach konnten wir dann doch nicht über die Deponie fliessen lassen.» Also wurde das Bachbett an den Waldrand neben die Deponie gelegt und auch der Waldrand zurückverlegt. So schuf man eine Freifläche zwischen Bach und Spazierweg, mit Grillplatz, Tischen und Bänken.

Aber der Wald breitete sich wieder aus: Insbesondere die Haselsträucher wuchern regelrecht und die Freifläche war voller Sträucher und Büsche. «Die Haseln verdrängen den Schwarzdorn, Weissdorn und Pfaffenhütchen, die zum Artenreichtum am Waldrand gehören. Also schneiden wir sie raus.» Auch der Bach wird von den Kindern von Ästen, Laub und Zweigen befreit. «Der Bach kann richtig viel Wasser führen, wenn es regnet. Die Äste verstopfen dann den Rechen weiter unten und das kann zu Überschwemmungen führen.» Und nicht zuletzt werden die Feuerstelle und der Grillplatz wieder hergerichtet, die alte Asche weggeschaufelt und die Steine drumherum wieder fein säuberlich aufgeschichtet. Denn ein gemeinsames Bräteln nachgetaner Arbeit ist angesagt.

Problem Eschentriebsterben

Der Höhepunkt des Tages ist für den Mittag geplant, allerdings ein trauriger: Eine grosse Esche soll gefällt werden. «Wir haben ein riesiges Problem: das Eschentriebsterben. Nur etwa ein Prozent der Eschen, die in unseren Wäldern wachsen, werden überleben», so Mosimann. Gegen die Krankheit, verursacht von einem aus Ostasien eingeschleppten Pilz, gibt es kein Mittel. Der hochinfektiöse Krankheitserreger breitet sich seit dem Jahr 2000 in ganz Europa aus, hat 2008 bei Basel die Schweiz erreicht und sich bis 2014 bis ins Tessin ausgebreitet. Die Esche, nach der Buche der zweithäufigste Laubbaum in der Schweiz und seit Jahrtausenden ein vielseitig genutzter Holzlieferant für Werkzeuge und Sportgeräte, wird also grösstenteils aussterben. «Das ist ein Thema, das ich mit der Schulklasse behandle. Ich zeige ihnen direkt vor Ort die kranken Bäume, die bald absterben werden. Wir versuchen, anstelle der Eschen nun Bergahorn, Birken, Buchen und Eichen zu fördern.»

Weiteres Thema sind Zecken. Die Kinder wurden von ihrem Lehrer schon im Vorfeld gut instruiert – der Geruch von «AntiBrumm» liegt in der Luft und die Kinder haben enge Hosenkleider gewählt, um einem Befall durch die Zecken vorzubeugen. «Hier im Gras am Waldrand sind die Zecken besonders häufig. Am besten trägt man da sogar Gamaschen, damit die Zecken nicht die Beine hochkrabbeln können», erklärt der Revierförster.

«Jedes der angesprochenen und vor Ort erlebten Themen wird in der Schule nochmals durchgenommen», sagt der Lehrer, Markus Altermatt. Er ist froh, mit seiner Klasse an dem Projekt «Försterwelt» der Stiftung «Silviva» teilnehmen zu dürfen. «Wenn die Kinder selber mitarbeiten, bleibt der Stoff viel mehr hängen und sie entwickeln ein Bewusstsein für die akuten und relevanten Probleme.» Die Schulklasse wird nun jedes Quartal je einen Tag mit dem Förster im Wald verbringen, zupacken und gleichzeitig etwas lernen dabei – und dies bis zum Ende der Schulzeit.