Bestandesaufnahme
Grenchner Schule ohne Schulleiter: Der Schul-Exot sucht jetzt neue Wege

Die Grenchner Schule hat einen exotischen Status im Kanton - so ohne Schulleiter. Für viele fehlt deshalb ein «Mister Schule Grenchen». Wie geht es weiter mit der Organisation der Grenchner Schulen?

Andreas Toggweiler
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Das Bezirksschulhaus.

Das Bezirksschulhaus.

AZ

Von der Grenchner FDP wurde damit Wahlkampf gemacht und als (einziges) politisches Traktandum hat sie es bereits in ihr Jahresprogramm geschrieben: Am 18. September will die Partei über die Reorganisation der Grenchner Schulverwaltung informieren.

Damit dies möglich würde, müssten allerdings bald eine ganze Reihe von Entscheiden fallen. Die Diskussion hat gerade erst begonnen. Und auch der Kanton wird noch ein Wörtlein mitreden.

Dass die Schulorganisation der Partei ein grosses Anliegen ist, ist bekannt. Auf eine freisinnige Petition («Eine Schule – ein Chef») hin wird zurzeit die Grenchner Schulorganisation vom Luterbacher (Schul-)Organisationsberater Max Wittwer durchleuchtet.

Er dürfte dabei tatsächlich auf allerlei Exotisches stossen: Die Organisation der Schulleitung ist einzigartig im Kanton für eine Stadt dieser Grösse. Es gibt keinen Schuldirektor (mehr), sondern die Schule wird von einem Gremium von fünf Schulleitern geführt, dem Roger Kurt als «Primus inter Pares» ohne Weisungsbefugnis vorsteht.

«Schönwetterorganisation»

Dies sei eine Schönwetterorganisation und im Krisenfall drohten Probleme, bringen vornehmlich bürgerliche Politiker ihre Meinung auf den Punkt. «Einen Mister Schule Grenchen» suche man, eine Identifikationsfigur und einen Ansprechpartner für alle Fälle.

Dies nur, um gleichzeitig auch zu betonen, im Moment laufe eigentlich alles bestens, das Grenchner Geschäftsleitungsmodell habe «eigentlich auch recht viele Vorteile» und habe sich in vielen Punkten bewährt.

Nun, Experte Max Wittwer, der in Grenchen 2009 bereits die Reorganisation der Sekundarschule begleitet hat und zeitweise gar ad interim Schulleiter im Eichholz war, begibt sich in den kommenden Wochen auf Tournee bei den Fraktionen, um Modelle für eine künftige Schulleitungsorganisation vorzustellen.

Vier Modelle zur Diskussion

Dem Vernehmen nach sind es vier Modelle, die zur Vernehmlassung stehen, wobei es aber nur um zwei Systeme geht: eine Geschäftsleitung wie bis anhin, allerdings mit erweiterter Kompetenz (sprich Weisungsbefugnis) des Vorsitzenden oder ein Schuldirektorenmodell. Wobei in Letzterem der Schuldirektor auch weiterhin Ressortverantwortung übernähme. Denn man will offenbar keine zusätzliche Chefbeamtenstelle schaffen, was vernünftig scheint. Beide Modelle sind sodann mit einer Fachkommission Schule denkbar als auch ohne.

Denn auch die Zukunft der Fachkommission steht zurzeit zur Disposition. Die SVP verlangt nicht weniger als eine ersatzlose Streichung der Kommission. In einer ersten kurzen Diskussion im Gemeinderat schienen aber auch die anderen Parteien nicht übermässig Widerstand gegen das SVP-Anliegen zu leisten.

Das liegt unter anderem daran, dass die Kommission in einem Rollenkonflikt steht, indem sie zurzeit sowohl das Schulleitergremium als auch den Gemeinderat zu beraten hat. Die künftige Rolle der Fachkommission muss neu definiert werden, sollte man für ihre Beibehaltung optieren. Für eine Solothurner Schulorganisation wäre sie nicht zwingend.

Zu klären ist ferner der Status der Schulverwaltung. Soll sie weiterhin Teil der Schulleitung sein oder zur Stabsstelle degradiert werden? Dies würde allerdings eine Ressortreform nach sich ziehen, ist die Schulverwaltung doch auch mit mehreren operativen Aufgaben betraut wie der Frühförderung, den Tagesstrukturen oder dem Schulheim Prägelz.

Kanton evaluiert die Schulen

Zu guter Letzt hat auch noch der Kanton ein Wort mitzureden. Denn jedes Grenchner Schulhaus ist heute ein Schulkreis, was künftig nicht mehr möglich sein wird. Kantonal organisiert und zurzeit voll im Gange ist sodann eine Evaluation der Schulen Grenchen durch die Pädagogische Hochschule. Solche Evaluationen sind (heute noch) periodisch für alle Schulen des Kantons vorgesehen und beinhalten eine Überprüfung der Schulstrukturen auf ihre Zweckmässigkeit, eine Umfrage zum Schulklima (Schüler), Einschätzungen der Eltern und wahlweise zahlreiche weitere Kriterien. Die Resultate der Schulevaluation Grenchen werden dem Vernehmen nach etwa Mitte Jahr vorliegen.

Nicht anzunehmen deshalb, dass die Grenchner Politik vor dem Vorliegen dieser Evaluationsresultate eine Schulleitungsreform übers Knie brechen will. Ob also am FDP-Anlass vom 18. September «Umsetzung Schuldirektion in Grenchen» bereits die von den Initianten gewünschten Resultate kommuniziert werden können, scheint eher fraglich.

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