Grenchner Flughafen
Grenchner Rettungsdienst im Grosseinsatz auf dem Bettleberg

Der Rettungs- und Ambulanzdienst Grenchenhatte am Freitag sechs verletzte Menschen bei der Luftrettung der Armee zu übernehmen. Keine leichte Übung, aber doch nur eine Übung.

Patrick Furrer
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Besprechung vor dem Einsatz
13 Bilder
Der anfliegende Heli wird an den richtigen Ort zum Landen gelotst.
Der Helikopter samt Ladung naht.
Ein Figurant mit einem «Armbruch» wird im Netz mit der Rettungswinde heruntergelassen.
Heli-Pilot
Heli-Armeeübung beim Grenchner Flughafen
Die verletzte Person wird in einer Isoltationsfolie eingewickelt.
Das Bein ist geschient
Die «Patientin»
Die Einsatz-Crew

Besprechung vor dem Einsatz

Hanspeter Bärtschi

«Unter erschwerten Bedingungen jemanden zu retten, ist besonders anspruchsvoll», weiss Reinhard Grichting, Leiter Ambulanz- und Rettungsdienst Grenchen.

Sechs junge Leute feiern am Donnerstagabend auf dem Bettlachberg eine Privatparty. Es wird gequatscht, rumgeblödelt und es fliesst auch Alkohol. Die Feier wird abrupt beendet, als dichter Nebel den Berg einzuhüllen beginnt. Die jungen Leute wollen wieder zurück, nach unten ins Dorf. Doch ihr Weg endet schon lange vorher. Drei bleiben unterhalb der Wandflue stecken, die anderen drei landen in einem Bachbett. Alle sind verletzt – es geht nicht mehr weiter.

Eine aufregende Übungsanlage, die es am Freitag zu meistern gab. Es war der Ernstfall, den Armee und Rettungsdienst gemeinsam trainierten. Mit drei Hubschraubern kam die Luftrettung der Armee (LRA) geflogen, was viele Schaulustige zur Wiese neben dem Depot des Ambulanz- und Rettungsdienstes Grenchen lockte. Zwei der Maschinen, zwei EC Eurocopter, kamen zum Einsatz, bemannt mit zwei kompletten Besatzungen, wie Kommandant Major Oliver Okle erklärte: zwei Piloten, zwei Notärzte sowie zwei Rettungsflugassistenten. «Auch für uns ist das eine spezielle Übung», sagte Okle. Schliesslich müssen einige der Verletzten mit der Rettungswinde geborgen werden. Auch sind Landungen im Berggelände nur bedingt möglich.

Donnernd machen sich die beiden Hubschrauber auf Richtung Bettleberg, nachdem die Einsatzkräfte unter Leitung des Rettungsdienstchefs Reinhard Grichtig alles vorbesprochen haben. Dort angekommen, checken sie erst die Lage, bevor sie die Verletzten zu bergen beginnen. Als die Helikopter herannahen, wirbelt es die Blätter und selbst kleine Steine neben den Opfern auf, die herumwirbelnden Teilchen schmerzen, wenn sie treffen. Dennoch schaffen es die beiden Notärzte, die Verletzten aufzuladen.

«Unter erschwerten Bedingungen jemanden zu retten, ist besonders anspruchsvoll», weiss Reinhard Grichting, Leiter Ambulanz- und Rettungsdienst Grenchen, der am Freitag die sechs Figuranten stellte. Über 20 Armee- und Rettungsdienstangehörige waren im Einsatz. Es gehe ihm darum, dass seine Figuranten, von denen die meisten noch Auszubildende sind, einmal erleben, wie es «auf der anderen Seite» ist. Das natürlich nur zusätzlich zum restlichen Lernnutzen; etwa, wie man den Patienten richtig übernimmt, oder wie man sich mit den Piloten per Funk verständigt. Gerade letzteres stellte sich dann bei der abschliessenden Übungsbesprechung als Knackpunkt heraus. Erst im Verlauf der Übung konnte die Kommunikation wegen den störenden Polycom-Geräten und der fehlenden vorausgehenden Funkkontrolle sichergestellt werden.

Erfolg, trotz Abstrichen

Nach zwei Stunden landet dann der letzte Patient mit dem Heli in Grenchen. Alle sechs «Partysünder» wären im Ernstfall heil geborgen worden. Die Übung war ein Erfolg, trotz Abstrichen beim Funk. Und sie war ein besonderes Erlebnis für die auszubildenden Rettungssanitäter. Sie hätten sich wohl gefühlt bei der Betreuung durch den Notarzt, der Flug sei aufregend gewesen, erklärten sie. Sie haben gelernt, was es heisst, einmal auf der anderen Seite zu sein. Übungsleiter Grichting und Luftrettungskommandant Okle sind zufrieden. Zufrieden mit einer abenteuerlichen, ohrenbetäubenden und Petrolgeruch verbreitenden Grossübung, die es in Grenchen so schnell nicht wieder geben dürfte.