Sein Markenzeichen ist der hellblaue grosse Pullover. Darin spaziert der Rentner Werner Wohlfahrt täglich seine Runde. Je nach verfügbarer Zeit läuft der 80-jährige Grenchner von seinem Wohnort an der Lengnaustrasse eine längere oder kürzere Strecke. «Den Eichholzweg hinunter einlaufen, um durch den Eichholzwald hochzulaufen», sagt der Marschfreudige. Manchmal kürzt er seine Strecke etwas ab, profitiert von den Querstrassen, beobachtet die Natur, das Wachsen auf den Feldern und sagt, «jeder Tag ist etwas anderes und vor einigen Tagen war etwas Besonderes».

Wegen mangelnder Zeit nimmt er die kürzere Route. Da fällt ihm ein neuerdings mit Ästen versperrter Pfad im Eichholzwäldli auf. Er schiebt die Äste beiseite, geht einige Schritte weiter und sieht daneben wieder abgebrochene Äste. Am Boden entdeckt er ein 50-Rappen-Stück. Werner Wohlfahrt bückt sich – «50 Rappen hebe ich schon auf» – und sieht weitere Geldstücke liegen. Er sammelt eine Handvoll, da kommt ihm die Sache langsam komisch vor. Er geht nach Hause und telefoniert der Stadtpolizei Grenchen, beschreibt den Weg und den Platz des Fundes – «hinter dem Maisfeld im Wald».

Missverständnis mit der Polizei

Später ist es Zeit für Wohlfahrts Nachmittagsspaziergang. Erneut besucht er die Fundstelle und realisiert, dass die Polizei noch nicht vor Ort war. Er schaut sich etwas genauer um und entdeckt eine Schublade voller Geld. Jetzt ist es aber Zeit, die Polizei noch einmal anzurufen. Die Beamten wollen zuerst nichts von einer entsprechenden Meldung wissen – doch Wohlfahrt bleibt beharrlich.

Schliesslich kommt der Polizist vom Morgen wieder ans Telefon. Leider sei total vergessen gegangen, den Anruf weiterzuleiten. Nun geht es Schlag auf Schlag. Bei der Fundstelle findet die Polizei noch mehr Geld und weiter im Gebüsch versteckt gar einen Tresor.

Wie viele Münzen schliesslich noch rumlagen, weiss Werner Wohlfahrt nicht. Nur dass ein anderer Spaziergänger dann weitersuchte und auch Kleingeld fand. «Ich hoffe, dass mein Fund mitgeholfen hat, einen Fall aufzuklären», sagt Wohlfahrt heute und hofft, dass in Zukunft solche Anrufe an die Polizei nicht vergessen gehen.

Diebe sind noch auf freiem Fuss

Auf Anfrage bestätigt die Polizei die Geschichte von Werner Wohlfahrt. «Der Fund wurde der Polizei am 9. Juli gemeldet», so Thomas Kummer, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn. An der Fundstelle seien ein Tresor, loses Kleingeld, diverse Münzrollen, mehrere Schlüssel und ein Badge gefunden worden. «Das Münz war insgesamt etwa 4500 Franken wert», so Kummer.

Auf Nachfrage bestätigt der Polizeisprecher auch, dass der Tresor aufgebrochen war und die Diebe mit einem grossen Teil der Beute entwischen konnten. «Bargeld im Wert von mehreren zehntausend Franken», so Kummer. Das Münz- und die Münzrollen sowie die weiteren Gegenstände waren nur die Überbleibsel, die die Diebe nicht mitnehmen wollten.

«Aufgrund der polizeilichen Ermittlungen konnte der Tresor mit einem Einbruchdiebstahl Anfang Juli in ein Geschäft in Grenchen in Verbindung gebracht werden», so Trummer. Und die Diebe? «Diese sind immer noch auf freiem Fuss, die Ermittlungen laufen noch immer.» Ob Werner Wohlfahrt einen Finderlohn erhalten hat, entziehe sich der Kenntnis der Polizei, so Trummer.

Stellt sich noch die Frage, was denn genau los war, dass die Polizei gemäss Werner Wohlfahrt «vergessen hatte, den Anruf weiterzuleiten». Kummer sagt dazu, dass gemäss telefonischer Rückfrage bei der Stadtpolizei Grenchen, bei der Erstmeldung davon gesprochen wurde, dass der Finder «Kleingeld» auf dem Boden gefunden habe. «Erst beim zweiten Kontakt wurde die Stadtpolizei Grenchen über den Tresorfund informiert. Daraufhin ist diese sofort ausgerückt», so Kummer.