«Etwas gelbes Blut fliesst schon in meinen Adern», sagt Melchior Moser mit einem Schmunzeln. Er hat das hellgelbe Diensthemd an. Auf seinem Schreibtisch in der Solothurner Hauptpost liegt ein Ordner - gelb. An seiner Hosentasche hängt ein Personalausweis. «Moser Melchior, Poststellen und Verkauf» steht darauf, daneben das Gültigkeitsdatum des Ausweises: «22.10.2012.» Das Datum muss wohl auf allen Ausweisen stehen, denn für Melchior Moser hat es ab heute keine Gültigkeit mehr.

Eigenes Lehrpostamt in Grenchen

Als Melchior Moser vor 42 Jahren begann, gab es noch den Monopolbrief, die Lehrstellen, die die Post anbot, waren fast nur bei der Post gültig. «Man hatte Monopolberufe gelernt.» Erst später wurde Mosers Ausbildung als KV anerkannt.

Eigentlich war Melchior Moser in der Landwirtschaft tätig. Nach einem Unfall meldete sich der Luzerner 1969 für die Lehre als «uniformierter Beamter». Für die Lehre musste er nach Basel. «Die Zentralschweiz war ein Reservoir für die Post», sagt Moser. «Sie konnte aber nicht alle in der Zentralschweiz ausbilden. Einige mussten nach Basel oder Zürich.»

Zwanzig Lehrlinge in zwei Wohnheimen

Nach der Lehre ging Moser nach Lausanne, um französisch zu lernen. «Wenn man bei der Post Karriere machen wollte, war das Französisch damals sehr wichtig.» Nach der Zeit in Lausanne begann Moser eine zweite Lehre bei der Post. Er bildete sich zum Betriebssekretär weiter. Während des ersten Lehrjahres in Reinach BL lernte er seine Frau kennen, die aus dem Bucheggberg stammt. Sie haben geheiratet, bekamen zwei Töchter und wohnten nun in Grenchen. Denn 1974 musste Moser wegen der Ausbildung nach Grenchen - in der Uhrenstadt gab es damals noch das Lehrpostamt, auf dem die Betriebssekretäre ausgebildet wurden. In zwei Wohnheimen wohnten die zwanzig Lehrlinge.

Nach seiner Lehre blieb Moser auf dem Lehrpostamt, war als Instruktor tätig und hatte auch die Aufsicht in den Wohnheimen. «Da musste man ab und zu eingreifen, es gab spezielle Erlebnisse», sagt er diskret.

Highlight war die «Titanic»

1987 wechselte Moser zum Postscheckamt in Solothurn. Die Zahlungsbelege kamen ans Checkamt, mit der mechanischen Addiermaschine wurde zusammengezählt, später kam der Computer und 1996 wurde das Checkamt aufgehoben. Trotzdem: Für Melchior Moser kam das «Highlight» erst danach: Es war die Eröffnung des Postneubaus im Grenchner Stadtzentrum, das Moser hautnah miterlebte. Denn von 1996 bis 2007 war er Grenchner Poststellenleiter.

Heute ist Moser wieder in Solothurn. Seit 2007 ist er als «Leiter Betrieb» für die Organisation und Personalplanung der zwölf Poststellen in Solothurn und Umgebung zuständig. «Man macht nicht einfach 42 Jahre das Gleiche», sagt er. Als Grosskonzern bot die Post Abwechslung und Aufstiegsmöglichkeiten.

Zeit für den Enkel

«Früher war jeder Federstrich im Buch vorgegeben», erzählt Moser. «Das Vorschriftendenken gibt es heute nicht mehr.» Loyalität und Pflichtgefühl sind bei Melchior Moser trotzdem noch gut zu spüren. «Habe ich wirklich alle Arbeiten erledigt», habe er sich in den letzten Tagen oft gefragt. Diese Zeit sei ein wenig hektisch gewesen, die Gefühle vor dem Abschied deswegen gemischt.

Doch Melchior Moser freut sich auf die kommende Zeit. Er will etwas mehr reisen, die Velotouren weiterführen, von denen er jedes Jahr zwei Mehrtäger macht, und Schneeschuh laufen. Vermehrt wird er sich um die Wohnbaugenossenschaft des Bundespersonals kümmern, bei der er seit 30 Jahren Kassier ist. Und nicht zu vergessen: Er wird sich weiter um Enkelin, Haus und Garten kümmern. «Es wird sich einspielen müssen, bis die Tage strukturiert sind.»