Quartierprävention
Grenchner Polizei verlegt den Posten nach draussen

In drei Stadtvierteln von Grenchen führte die Polizei Sprechstunden durch. Beim Halden-Schulhaus, an der Oberen Flurstrasse sowie an der Witmattstrasse konnten sich Anwohnerinnen und Anwohner informieren.

Andreas Kaufmann
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Die Polizei hat einen Tisch mit Informationsbroschüren aufgebaut.
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Dort können sich Anwohner informieren.
Polizei-Sprechstunde in Grenchner Quartier

Die Polizei hat einen Tisch mit Informationsbroschüren aufgebaut.

Andreas Kaufmann

Einbrecher oder Enkeltrick-Betrüger, Tempo-30-Raser oder Parksünder, Eierwerfer oder Briefkasten-Vandalen. Alles Probleme, die Quartierbewohner beschäftigen können. Doch häufiger wird die Faust im Sack gemacht, als dass man mit dem Anliegen, mit Fragen oder aufgestautem Unmut beim Polizeiposten vorbeischaut. Deshalb wurde 2009 aus der Reihen der Stadtpolizei Grenchen heraus erstmals die Idee einer präventiven Quartier-«Sprechstunde» umgesetzt.

Seitdem sind die Ordnungshüter alljährlich mit einem Infostand in ausgewählten Wohnvierteln präsent, um sich dieser Probleme anzunehmen. Diese Woche konnte man sie an drei Orten der Stadt antreffen: beim Halden-Schulhaus, an der Oberen Flurstrasse sowie an der Witmattstrasse. Sicherheit steht bei der Aktion im Zentrum: Das «objektive oder subjektive Sicherheitsempfinden der Anwohnerinnen und Anwohner soll gestärkt werden», schrieb die Stadtpolizei in ihrer Ankündigung.

Verkehr beschäftigt am meisten

Damaliger Initiant der Idee war Stadtpolizist Kilian Messerli, auch für Prävention und lokale Sicherheit zuständig: «Statt darauf zu warten, dass die Bewohner zu uns auf den Posten kommen, haben wir das Ganze für einmal umgedreht. Wir besuchen die Quartiere.» Es gehe gerade um Anliegen, die man sonst nicht kundtue. So ist der Zuspruch für ein solches niederschwelliges Angebot vorhanden: «Am Stand an der Oberen Flurstrasse hatten wir während anderthalb Stunden rund 15 Leute.» So standen auch heuer die Ordnungshüter bereit für Fragen im Bereich der Einbruchsprävention (was gerade bei den im Herbst beginnenden Dämmerungseinbrüchen aktuell ist), der Sicherheit im Alter oder der Verkehrsfragen. Infomaterial zu den Themen vervollständigte das Angebot.

Gerade in Sachen Verkehr macht sich ein 78-jähriger Rentner Luft, der an der Witmattstrasse wohnt: «Es ist Tempo 30 und einige rasen mit bis zu 80 Sachen hier durch - vor allem am Freitag und Samstag.» Dabei sorgt er sich nicht zuletzt auch um die Kinder im Quartier. Eine andere Anwohnerin versteht nicht, warum ein Fussgängerstreifen aufgehoben wurde und lässt sich von den Polizisten erklären, wie der Vortritt in einer Tempo-30-Zone grundsätzlich geregelt ist. Themenwechsel zu den Eierwerfern, die letztes Jahr während Halloween zugeschlagen haben. Oder dann «kam mir einmal ein Stewi abhanden», fügt die Frau hinzu.

Alle Anliegen werden jeweils ernst genommen: «Wir notieren uns die Kontaktdaten der Anwohner, die ein Anliegen vorbringen», erklärt Messerli. «So können wir uns später bei ihnen melden, um ihnen mitzuteilen, dass etwas gegangen ist.» Dies gilt beispielsweise bei Strassen, in denen nur Zubringerdienste gestattet sind, die aber dennoch als Abkürzung zweckentfremdet werden. Dort werden dann mehr Verkehrskontrollen durchgeführt.

Sich gegen Einbrüche schützen

Zusammen mit Messerli am Stand ist auch Heinz Schwägli, Sicherheitsbeauftragter bei der Kantonspolizei. Er führt - unabhängig von der Grenchner Standaktion - kantonsweit kostenlose Einbruchsberatungen durch und schaut bei interessiert-besorgten Hausbesitzern für eine individuell angepasste Beratung zu Hause vorbei. Dabei macht er aufmerksam auf Sicherheitsmängel, auf Schwachstellen an Türen oder Fenstern, die einem Einbrecher den Einstieg ins Haus erleichtern. «Was können wir verbessern, und wie?», diese Frage stehe im Vordergrund, so Schwägli. Anlässlich des Präventionsstandes mache er auf das Angebot, das im ganzen Kanton gültig ist, aufmerksam.
Durch die Standaktion werden Kräfte gebündelt, um Langfingern und Temposündern das Leben etwas schwerer zu machen, und den Quartierbewohnern - subjektiv und objektiv - etwas leichter.