Verkehrssicherheit
Grenchner Polizei nimmt Fussgängerstreifen ins Visier

Wie steht es um die Verkehrssicherheit in der Stadt Grenchen? Die Stadtpolizei Grenchen überprüft alle städtischen Fussgängerstreifen, ob diese allenfalls saniert oder gar aufgehoben werden sollen.

Patrick Furrer
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Schlechte Übersicht an der Ecke Mattenstrasse - Solothurnstrasse
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Falsch abgestellte Autos behindern an der oberen Kirchstrasse die Sicht
Abends schlecht beleuchteter Fussgängerstreifen Flughafenstrasse Schwimmbad
Problemzone Schlachtshausstrasse - Obere Bucheggstrasse
Grenchner Stadtpolizei überprüft Fussgängerstreifen

Schlechte Übersicht an der Ecke Mattenstrasse - Solothurnstrasse

Patrick Furrer

Zwar werden in der Stadt selten Unfälle auf Fussgängerstreifen verzeichnet. Doch der Verkehr und die Autofahrer sind unberechenbar, wie tragische Beispiele aus der ganzen Schweiz beweisen. Derartige Unglücke haben auch Grenchen schon getroffen: An der Bettlachstrasse etwa wurde vor einigen Jahren ein Kind auf einem Fussgängerstreifen angefahren, weil dieser zu nah an einer unübersichtlichen Hausecke platziert war. Der Streifen wurde daraufhin aufgehoben.

Fussgängerstreifen sind eben nicht immer sicher. Auch nicht im autoreichen Grenchen mit über 100 geschätzten Fussgängerstreifen. Die Stadtpolizei hat deswegen im November eine Fachgruppe gegründet, welche sämtliche Überquerungen überprüft. Sie setzt sich aus dem Leiter Verkehrssicherheit, Michael Herzog, Verkehrsinstruktor Marco König und Tiefbauprojektleiter Sven Nobs von der Baudirektion zusammen.

Mensch ist Risikofaktor Nummer 1

Bis im Januar soll der Massnahmenkatalog feststehen, der laufend erweitert wird. Fussgängerstreifen, welche den Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügen, sollen aufgehoben oder saniert werden – auch, wenn das allein noch keine 100-prozentige Sicherheit garantiert, wie Verkehrschef Michael Herzog bemerkt. «Gefährlich ist nicht nur der Fussgängerstreifen. Oftmals kommen schlechte Wetterverhältnisse hinzu, welche die Sicht stark beeinträchtigen, wie etwa die Dunkelheit und Nässe der letzten Tage. Vielen Fussgängern und vor allem Fahrzeuglenkern fehlt es heute ausserdem an Aufmerksamkeit. Sei es, weil sie aufs Navigationsgerät schielen, weil sie am Steuer mit dem Handy telefonieren, oder, weil sie während der Fahrt essen und trinken.»

Risikofaktor Nummer 1 bleibt der Autofahrer, sagt auch Stadtpolizeichef Robert Gerber. Probleme gibt es häufig an schlecht frequentierten Fussgängerstreifen. «Es verhält sich dort wie in einer schwach frequentierten Langsamverkehrszone», erklärt Kommandant Gerber, «wenn die Autofahrer sich gewohnt sind, dass keine Fussgänger kommen, werden sie unaufmerksam und zum Risiko.» Unabdingbar sei, dass Fussgänger und Autofahrer auf den Verkehr achten.

Keine Streifen in Tempo-30-Zone

Wichtig ist das auch in den zunehmenden Tempo-30-Zonen der Stadt. Dort werden bestehende Fussgängerstreifen aufgehoben, weil sie unnötig sind, wie zum Beispiel an der Kreuzung Kastelsstrasse/Adolf-Furrer-Strasse. Das Auto hat zwar Vortritt, der Gesetzgeber verlangt allerdings gegenseitige Vorsicht.

Bei der Überprüfung der Fussgängerstreifen haben für die Polizei Strassen in der Nähe von Schulen Priorität. Dokumentiert wird sowohl mit Video wie auch mit Fotografien. Einige «Brennpunkte» stehen bereits fest: Wegen schlechter Überschaubarkeit wird der Streifen an der Kreuzung Dählenstrasse/Schützengasse gestrichen, und beim Fussgängerstreifen Bahnhofstrasse/Kunsthaus wird ein neues, reflektierendes Signal angebracht. «Auch an der Einmündung Obere Bucheggstrasse in die Schlachthausstrasse muss etwas passieren», erklärt Michael Herzog. Zu gewissen Zeiten herrsche beim «Günes-Supermarkt» (Bild) so viel Verkehr, dass es aufgrund der Parkplatzsituation und dem Fussgängerstreifen zu Problemen kommt. Ursprünglich stand auf der Mittelinsel ein Fussgängerschild; da dieses immer wieder umgefahren wurde, hat es die Polizei versetzen müssen.

Schweizweit einmaliger Versuch

Zu den Massnahmen: Wo die Fussgängerstreifen nicht gleich aufgehoben werden, will die Stadtpolizei unter anderem verschiedene, neuartige Reflektoren installieren. Ausserdem starte man einen in der Schweiz einmaligen Pilotversuch, sagt Michael Herzog. Dabei werden Unterflurmarkierungen angebracht, welche beim Annähern eines Fahrzeuges aufleuchten und über eine Steuereinheit regelbar sind. «Ausserdem werden wir die SWG miteinbeziehen, um die Beleuchtung der Überquerungen zu optimieren.» Schliesslich sollen im Frühjahr sämtliche Fussgängerstreifen, die verblasst sind, neu markiert werden.

Fussgängerstreifen sind für die Stadtpolizei Grenchen übrigens bereits seit einigen Jahren ein heisses Thema. 2009 wurden unterhalb der Eusebiuskirche an der Kirchstrasse Reflektoren installiert. Mit diesen hat die Polizei gute Erfahrungen gemacht. Kleinere Massnahmen wird die Polizei noch in den nächsten Wochen, grössere und teurere allerdings erst in einigen Monaten umsetzen..

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