Tierhaltung

Grenchner pfercht unzählige Tiere ohne Wasser und Licht in seiner Garage ein

Ein Tierhalter aus Grenchen wird wegen massiven Verstosses gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. Der Händler hielt in seiner Garage mehrere Tiere, ohne für genügend Wasser und Licht zu sorgen.

Der St.Galler Tierhändler Alois Lauper* sollte letzten Freitag zwei Ziegen nach Grenchen liefern. Vor Ort kam es ihm «etwas komisch vor», wie er sagte, denn statt eines Hofs oder eines Stalls findet er an der Solothurnstrasse nur ein Wohnhaus, umgeben von einer Mauer und einem kleinen Garten. Keine Spur vom Auftraggeber, der bei ihm die Ziegen bestellt hatte. Den erreicht er zwar telefonisch, aber er scheint im Ausland zu weilen und schickt stattdessen seine Frau vorbei.

Tote Lämmer und Hühner im «Stall»

Während Lauper auf diese wartet, schaut er sich etwas um und die Hausbesitzerin öffnet ihm die Türe zu einer Garage, von der im Innern eine Treppe in einen Anbau des Wohnhauses führt. «So etwas habe ich noch nie gesehen», beschreibt er den Anblick, «ich war völlig schockiert. Die Treppe führte in einen Raum ohne Fenster, wahrscheinlich früher einmal eine Garage. Darin Schafe mit Lämmern, eine Ziege mit einem Zicklein, Hühner, Gänse und Wachteln. Unter der Treppe hörte ich sogar ein Schwein quieken. In Kästen waren Kaninchen ohne Licht eingesperrt. Der ganze Raum stand vor Schmutz und war stockdunkel. Die Tiere hatten kein Wasser. Ein Hahn war in einen Kaninchenkäfig gesperrt, so niedrig, dass das Tier nicht stehen konnte. Das Schlimmste aber waren die toten Lämmer und Hühner, die zwischen den anderen Tieren lagen.»

Grenchner pfercht Tiere ohne Wasser und Licht in seine Garage ein

Grenchner pfercht Tiere ohne Wasser und Licht in seine Garage ein

Lauper beschloss, seine beiden Geissen gleich wieder mitzunehmen. «Ich habe schon viel gesehen, schöne Ställe und weniger schöne. Aber das war einfach nur haarsträubend. Und an so einem Ort lasse ich meine Tiere ganz sicher nicht zurück.» Dabei habe ihm der Grenchner am Telefon eigentlich einen guten Eindruck gemacht. «Er hatte mir gesagt, dass er nicht mehr als sechs Geissen halten könne, ich dachte mir: aha, der achtet darauf, dass es seinen Tieren gut geht. Inzwischen weiss ich, dass er wegen einer Verfügung nicht mehr als sechs Ziegen halten darf.» Lauper stellte auch die Hausbesitzerin zur Rede, bevor er wegfuhr. Sie müsse doch wissen, was in ihrer Liegenschaft vor sich gehe, sei doch auch gewissermassen haftbar. Aber die ältere Dame habe mit der Sache nichts zu tun haben wollen.

Einsatz von Polizei und Feuerwehr

Nach einer schlaflosen Nacht alarmierte Lauper dann den Tierschutzverein Grenchen und die Stadtpolizei. Zusammen mit der ebenfalls aufgebotenen Feuerwehr - damit die Tiere zu etwas Wasser kamen - und Barbara Banga, der Präsidentin des Tierschutzver- eins Grenchen, die den Fall dokumentierte, waren zwei Mitarbeiter der Stadtpolizei Grenchen kurze Zeit später vor Ort und alarmierten auch den Veterinärdienst des Kantons. Laut Auskunft von Hugo Kohler, dem stellvertretenden Kommandanten der Polizei Stadt Grenchen wurden Tier-Sachverständige aufgeboten, so auch Iwan Schmid vom Tierheim Aarebrüggli und Fachleute einer Tierklinik. «Wir haben die Massnahme eingeleitet und alles sauber organisiert», so Kohler. Denn unter Umständen richte man noch mehr Schaden an, wenn man überstürzt handle. Im Verlauf vom Montag wurden alle Tiere auf Anordnung des Veterinärdienstes an neue Orte gebracht. Laut Anna Hafner vom Veterinärdienst geht es den Tieren den Umständen entsprechend gut.

Barbara Banga will Anzeige erstatten. Auch Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan meinte auf Anfrage, der Tierhalter habe sich wohl nicht an die bereits im letzten Herbst verfügten Auflagen gehalten. Der Mann müsse ganz sicher mit einem Strafverfahren rechnen. Genaueres wollte man aber bei keiner der offiziellen Stellen verlauten lassen. Grund: Es handle sich um ein laufendes Verfahren und die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

*Name von der Redaktion geändert.

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