Gemeinderatswahlen

Grenchner Parteien nehmen Stellung – sie stehen zur Sportstadt

Wer wird ab dem 21. Mai im Gemeinderat sitzen? Sieben Listen kämpfen um die Plätze.

Wer wird ab dem 21. Mai im Gemeinderat sitzen? Sieben Listen kämpfen um die Plätze.

Am 21. Mai wird der Grenchen Gemeinderat neu gewählt. Vertreter jeder Partei, bzw. aller sieben Listen nehmen Stellung zur Finanzlage der Stadt, zur Zukunft des Turnvereins und zur Anregung des Detailhandels in der Innenstadt.

..

Die Finanzen der Stadt sind in Schieflage: Was sind Ihre Rezepte dagegen?

SP: Die SP hat an einer der letzten Gemeinderatssitzungen den Antrag gestellt, dass die gesamte Stadtverwaltung untersucht wird. Das ist eine vorgeschlagene Massnahme - wie beim Projekt Effibau - wo mit dem Optimieren von internen Abläufen und von den personellen Ressourcen jährliche Kosteneinsparungen überprüft werden.

FDP: Der Gemeinderat hat das erste Sparmassnahmenpaket verabschiedet und erfolgreich umgesetzt. Erste Zeichen sind bereits in der Rechnung 2016 spürbar. Jetzt gilt es das zweite Paket mit sofortiger Wirkung in Auftrag zu geben und umzusetzen. Es darf nicht sein, das strukturelle Defizit mit einer Steuererhöhung zu eliminieren. Ziel muss es sein zusätzlich neues Steuersubstrat durch Neuansiedlungen von Firmen und natürlichen Personen zu generieren.

Grünliberale: Die meisten Ausgaben sind gebunden, deshalb braucht die Stadt mehr Einnahmen, d. h. kräftige Steuerzahler. Standortmarketing und Wirtschaftsförderung sind da stark gefragt. Die kürzlich präsentierte Plattform www.jurasonnenseite.ch ist verheissungsvoll. Aber das alleine reicht nicht. Alte Zöpfe in der Stadtverwaltung müssen eliminiert und Prozesse den neuesten Entwicklungen angepasst werden. Und zwar rasch! Um zu bestehen, muss die Stadt besser sein als die anderen, z.B. mit einer Tagesschule.

SVP: Sparen. Nur mit Sparen und hinterfragen von jeder (!) finanziellen Aufwendung kann man ein strukturelles Defizit anpacken, alles andere ist nur eine Symptombekämpfung. Deshalb sind wir von der SVP auch strikte gegen Steuererhöhungen, denn diese lösen kein Problem nachhaltig und fördern auch nicht die Standortattraktivität. Die gesamten städtischen Abteilungen müssen (sofern noch nicht durchgeführt wie in der Baudirektion) auf Optimierungspotenzial hin überprüft werden.

CVP: Ein weiterhin konsequenter Umgang mit unseren Stadtfinanzen ist unumgänglich. Die angestossenen Sparprogramme müssen weitergeführt, umgesetzt und auch durchgezogen werden. Ein Aufweichen und hinausstreichen einzelner Sparpunkte ist nicht zielführend. Trotz allem Sparwillen, dürfen wir aber nicht vergessen in neue Projekte zu investieren. Dabei muss unbedingt darauf geachtet werden, bereitliegende Subventionen vom Bund und Kanton z.B. Agglomerationsprogramm via Gesuch einzufordern.

BDP: Um die Finanzen wieder ins Lot zu bringen, braucht es eine saubere Analyse aller Ausgaben und Einnahmen. Dies mit dem Ziel, Einsparungen und neue Verhandlungen von Verträgen zu tätigen, mit Nachbargemeinden und weiteren Institutionen. Nach dem Motto: Auch Kleinvieh macht Mist. Als wichtigen Punkt erachten wir auch, das Image von Grenchen gegen Aussen zu stärken, um steuerstarke Firmen und natürliche Personen nach Grenchen zu holen.

Jungfreisinnige: Sicherlich keine Steuererhöhung. Eine Möglichkeit, Geld einzusparen, wäre die Effizienz von Abläufen zu steigern. Eine weitere Möglichkeit, Geld einzunehmen wären Bussen für Nichtwähler. Die sehr tiefe Beteiligung der Bevölkerung bei den letzten Wahlen und Abstimmungen ist dafür ausschlaggebend. Aus diesem Grund schlagen wir vor Personen, die nicht wählen und abstimmen mit 100 Franken zu büssen. Dadurch könnte man in einem Jahr gut und gerne 600’000 Franken einnehmen.

..

Der Turnverein erwartet voraussichtlich einen Millionenbeitrag von der öffentlichen Hand für ein neues Stadion: Ist das aus Ihrer Sicht nötig?

SP: Die SP begrüsst das Projekt neues Leichtathletikstadion. Mit diesem Stadion wird das Sportplatzangebot in der Stadt Grenchen um eine weitere Attraktion reicher. Wie gross der Beitrag der Stadt sein wird, ist noch offen. Bei einer finanziellen Beteiligung der Stadt, muss das Stadion für den Schulsport und auch für andere Vereine zur Verfügung stehen.

FDP: Es besteht tatsächlich Handlungsbedarf. Das Leichtathletikstadion ist ein bedeutender Bestandteil in der Sportstättenzone und das mit überregionaler Bedeutung. Ein Unterstützungsbeitrag seitens der Stadt Grenchen kann erst nach Vorliegen eines detaillierten Gesuches bestimmt werden. Insgesamt stehen wir dem Projekt wohlwollend gegenüber.

Grünliberale: Der TVG steht mit 352 Mitgliedern, 10 Abteilungen und einer über 150-jährigen Vereinsgeschichte dem FCG in nichts nach. In diesen wurde in der Vergangenheit sehr viel Geld investiert. Sport bedeutet Bewegung und Integration, bedeutet ein sinnvolles Hobby, statt «rumzuhängen». Nationale Anlässe werden möglich sein. Dem GR liegen noch keine Zahlen vor. Aber im Grundsatz unterstützt die glp einen Beitrag an den Turnverein, wohlwissend, dass die Mitglieder auch Freiwilligenarbeit leisten.

SVP: Der Turnverein blickt auf eine über 150 jährige Geschichte zurück und gehört zu Grenchen. Die SVP hatte und hat immer ein offenes Ohr für (Sport)vereine mit Jugendförderung, daher sind wir gegenüber einem Beitrag der Stadt an ein neues Stadion grundsätzlich positiv gestimmt. Jedoch müssen wir erst Vorlagen dazu haben, wo auch klar ersichtlich ist, wie und wie viel der Verein selber dazu beitragen kann und will. Eine Bruchlandung wie beim Kunstrasenprojekt der Fussballer darf nicht passieren!

CVP: Im Sinne der Sport- und Jugendförderung unterstützen wir den Bau. Die einmalige Anlage mit diversen Sportarten ist ein Gewinn und Standortvorteil zugleich und komplementiert die bereits gut ausgebaute Sportstättenzone. Die Finanzierungsfrage ist dabei sehr zentral, Subventionen vom Kanton und Sportfonds liegen bereit. Daher steht für uns eine Beteiligung durch die Stadt nicht zur Diskussion. Diese hat in den letzten Jahren immer wieder in den Aufbau und den Unterhalt der Sportstättenzone investiert.

BDP: Dass die Renovation des Stadions überfällig ist, ist für uns unbestritten. Das jetzige Stadion bietet nicht die Qualität der übrigen Grenchner Sportstätten.
Eine finanzielle Unterstützung der Stadt Grenchen halten wir für überaus sinnvoll und angebracht. Die Anlage muss aber sehr gut genutzt werden, damit möglichst viele Einwohner von Grenchen auch davon profitieren können. Es ist zudem besser, wenn die Jugend das Sportangebot nutzen kann, anstatt «rumzuhängen».

Jungfreisinnige: Die Attraktivität einer Stadt ist etwas vom Wichtigsten, was es gibt. Es lockt sowohl neue Bürger, wie auch Firmen in die Stadt, welche Grenchen wiederbeleben. In diesem Fall ist es das Ziel Sportler nach Grenchen locken zu können, und natürlich auch einen angemessenen Trainingsort für unsere bestehenden Sportler zur Verfügung stellen zu können. Mit einer entsprechenden Infrastruktur könnten zusätzlich auch nationale und vielleicht sogar internationale Wettkämpfe in Grenchen durchgeführt werden.

..

Der Detailhandel in der Innenstadt hat Mühe (leere Schaufenster). Soll die Stadt eingreifen? Wenn ja, wie?

SP: Die Stadt sollte nicht direkt eingreifen, sie kann aber gute Rahmenbedingen anbieten. Zum Beispiel mit einem guten Marketingkonzept, wo nebst den Vorzügen der Technologie- und Wohnstadt im Grünen auch auf das vielseitige Gewerbe hingewiesen wird. Das Konzept wäre auch ein gutes Instrument für den Wirtschaftsrat der Stadt Grenchen zur Suche nach Ansiedlungen im Bereich des Detailhandels. Weitere gute Detailhandelsgeschäfte gehören in das Stadtzentrum von Grenchen.

FDP: Das Grenchner Gewerbe liegt uns sehr am Herzen und darf uns nicht egal sein! Wir bemühen uns, die Rahmenbedingungen zu verbessern – und die Neuansiedlung zu unterstützen. Wir sehen uns primär in der Rolle als Vermittler. Die GRK hat die Stadtverwaltung bereits beauftragt eine Arbeitsgruppe zu bilden mit der Idee, die Bedürfnisse der Grenchner Bevölkerung sowie der Gewerbetreibenden zu eruieren und ein mögliches Szenario zur Belebung und Attraktivierung der Innenstadt zu bewirken.

Grünliberale: Die Gesellschaft hat sich verändert. Die Menschen kaufen lieber in grossen Shoppingzentren ein, im nahen Ausland oder online. Gemäss einer Studie bietet nur jeder dritte Detailhändler einen Online-Shop an. Da könnte die Stadt unterstützend mitwirken und entsprechende Kurse für die Detailhändler anbieten. Sozialhilfebezüger sollen z. T. Gutscheine vom Gewerbeverband erhalten statt Bargeld, damit ein Teil dieser Steuergelder in Grenchen bleibt.

SVP: Wir versuchen seit Jahren, dem Gewerbe in der Innenstadt zu helfen mit Opposition gegen Aufhebung von Parkplätzen und auch gegen die massive Erhöhung der Parkgebühren. Leider ohne Erfolg, auch zusätzliche und vom Gewerbeverband unterstützte Kurzzeitparkplätze blieben chancenlos. Grundsätzlich soll die Stadt nicht eingreifen, sie soll einfach aufhören den Gewerblern das Leben unnötig zu erschweren und auch einmal auf den Gewerbeverband hören, wenn man die SVP schon immer ignoriert.

CVP: Leider macht auch bei uns der negative Trend des «Lädelisterbens» keinen Halt. Dies hat mit der Digitalisierung, Mobilität, Auswärtseinkäufen, hohen Ladenmietzinsen und der Lage zwischen zwei Städten zu tun. Um dem entgegenzuwirken, braucht es innovative Ideen, ein Querdenken und eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung. Wie wäre es mit einem Shop in Shop Modell oder der ersten Outlet-Innenstadt der Schweiz? Kreativität, Mut und eine Vorwärtsstrategie sind jetzt gefragt.

BDP: Wir sind der Meinung, dass die Stadt nicht grossartig eingreifen soll und kann. Sie soll den Geschäften jedoch mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Das Mitwirken der Stadt bei Anlässen und Verbessern der Parksituation für Kurzzeit-Parker sind anzustreben. Die Stadt soll aber durch bauliche Massnahmen das Stadtzentrum aufwerten und für Besucher attraktiver gestalten. Es ist primär eine Steigerung der Kaufkraft anzustreben, indem die Stadt die Rahmenbedingungen für die Geschäfte verbessert.

Jungfreisinnige: Leere Schaufenster sind nicht nur ein Problem in Grenchen. Während früher die kleinen Lebensmittelläden durch die Grosshändler verdrängt wurden, wird nun der Einzelhandel durch das Internet bedroht, welches die gleichen Produkte günstiger anbieten kann. Zudem bieten viele Internetportale eine Lieferung noch am selben Tag. An diesem Wandel kann die Stadt nicht sehr viel ändern. Was die Stadt tun kann, ist die Erreichbarkeit der Innenstadt zum Beispiel durch mehr Parkplätze zu verbessern.

Meistgesehen

Artboard 1