Von der UBS, dem Arbeitsort des Obernarren, bis zur «Metzgerhalle» ist es nur ein kurzes Fussmärschchen. Das Treffen findet hier statt, weil die Metzgerhalle schon immer eine Fasnachtshochburg war. «Hier findet man Fasnächtler der ersten Stunde. Auch die Beiz ist immer sauglatt dekoriert, meist als eine der ersten», so Obernarr Diego Kummer.

Im Fenster hängt eine Laterne. «Die ist schon 1977 an der Basler Fasnacht mitgelaufen und weist nun 24 Stunden, Tag und Nacht, den Fasnächtlern in Grenchen den Weg», erzählt der Wirt mit gewichtigem Ton. An der Wand sind Stapi Scheidegger und Obernarr Diego der Erste als Fred Feuerstein und dessen Kumpel Barney Geröllheimer abgebildet, ein Mammut aus Getränkedosen schmückt die Wand. Kummer fühlt sich wohl hier, man kennt und schätzt ihn.

Neue Plakette – ein Abenteuer

Noch dauert es kurze Zeit, bis der Obernarr auf dem Zytplatz die Fasnacht proklamiert. Die hat für ihn nicht erst mit dem Hilari am 13. Januar begonnen: «Insbesondere die Plakettenproduktion war dieses Jahr ein echtes Abenteuer – nicht wegen des ‹zahmen› Löwen, der abgebildet ist, sondern weil wir nach 15, 16 Jahren den Produzenten wechseln mussten.» Statt im Jura wurde die Plakette am Jurasüdfuss hergestellt. Alles sei etwas anders abgelaufen, als man es sich bisher gewohnt war. Die Plakette, auch heuer aus Kunststoff, zeigt wie gesagt einen Löwen, passend zum Motto «e wüudi Sach». Gestaltet wurde sie von Nina Swager van Dok, «der allerjüngsten Plakettenkünsterin, die wir je hatten», so Kummer.

Der neue Produzent der Plakette – Kummer verrät nur dessen Vornamen Philippe – habe tolle Arbeit geleistet, nur dürfe seine Frau nicht wissen, wie viel er tatsächlich für die Fasnacht gearbeitet habe. Das sei auch der Grund, weshalb er den Namen geheim halten müsse, so der Obernarr mit einem herzhaften Lachen. Jede Plakette habe einige Stationen durchlaufen, bei der Vebo, in einem Atelier für Lasergravur, bei Claudio Giulianelli für Farbe und Endmontage usw. «Wir haben schon viele Komplimente für die Plakette erhalten. Insbesondere Damen sind der Meinung, die silberne Plakette hebe sich von dunkeln Kleidern ganz besonders gut ab und sei ein echtes Schmuckstück.»

Anlässlich des Kinderumzugs und des Umzugs werden die Plaketten von Verkäufern an die Frau und den Mann gebracht. Für Kummer ist es Ehrensache, dass jeder eine Plakette trägt, der sich den Umzug anschaut. «Wir können die Stadt nicht so abriegeln, wie das in Solothurn oder Biel möglich ist. Die Kosten für den Sicherheitsdienst wären zu hoch. Aber dennoch bin ich der Meinung, dass jeder eine Plakette kaufen sollte, denn nur dadurch ist die Fasnacht überhaupt möglich.» Beispielsweise seien am Kinderumzug dieses Jahr bereits über 1000 Teilnehmer angemeldet. Und jede Klasse erhält für jedes mitlaufende Kind einen Fünfliber aus dem Erlös des Plakettenverkaufs, als Zustupf an die aufwendigen Vorbereitungen. Rund 4500 Plaketten wurden produziert. Die silberne kostet 8 Franken, die goldene 30 Franken und die Gönnerplakette 50 Franken.

Noch nicht abgesetzt

Diego Kummer ist nun im vierten Jahr als Grenchner Obernarr. «In Solothurn würden sie mich jetzt schon absetzen», meint er schmunzelnd. Das sei zum Glück in Grenchen nicht der Fall. Er freue sich sehr auf die Fasnacht, die mit dem Plausch bereits einen fulminanten Auftakt genommen habe. «Zum ersten Mal in meiner Amtszeit gaben sich sogar Regierungsräte die Ehre im Park.» Speziell der Auftritt der losen Guggenformation «No Copyrights», die anlässlich ihres 10-Jahr-Jubiläums zum ersten Mal am Plausch aufgetreten seien, sei grandios gewesen.

Auch sonst sind einige Dinge neu: «Der Kinderumzug wird eine neue Route rund um den Marktplatz bekommen. Er wird zum ‹Cortège›, d.h. alle Gruppen stellen sich schon entlang der Route auf und fertig ist dann, wenn jede Gruppe wieder am Ausgangspunkt angelangt ist.» Nach dem Motto: Die Letzten werden die Ersten sein. Auch starte der Kinderumzug bereits um 13.35 Uhr – eine Stunde früher als gewohnt. Die Konfettischlacht im Anschluss lasse man dieses Jahr weg, so Kummer.

Die Guggen-Night findet wie gewohnt am Samstag statt, allerdings neu auf dem Zytplatz in der neuen Guggenarena, die bereits für den Nachtumzug und die Proklamation am Donnerstag eingerichtet werde. Spezielle Vorfreude hege er auf die 10. Jubiläums-Goschenacht im Parktheater.

«Bei den Wagenbauern konnte ich einen kleinen Vorgeschmack auf den Umzug erhalten, da kommen einige ganz schöne und wilde Wagen auf uns zu.» An der Guggen-Night werden nebst den Grenchner Guggen Schuelschwänzer, Cocoloris, die ihr 30-Jahr-Jubiläum feiern, Froschzunft und Hilari Brothers auch auswärtige Gastguggen auftreten, die man hier noch nie gesehen habe. «Aus Langenthal kommen zwei Formationen mit je weit über 50 Musikern, aus Herisau besucht uns eine Formation, die auch am Umzug mitlaufen wird. Die Schnabuwetzer aus Selzach, die Bettlacher Krachwanzen und die Bäucher Schwarzmeerfrösche sind an der Grenchner Guggen-Night auch mit von der Partie.

Jetzt gehts erst zur Chesslete

Aber jetzt stehe als Erstes die Chesslete auf dem Programm. Dieses Jahr werde er einmal mehr seinen Jüngsten mitnehmen, der just 26 Monate alt sei. Er rechne nach der Vorchesslete vom Montag in den Schulen mit vielen Kindern, die lärmend durch die Strassen ziehen.

«Mir liegen die Kinder und die Jugend sowieso am Herzen. Und eigentlich wäre die Idee da, etwas Dauerhaftes mit Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 12 Jahren auf die Beine zu stellen, nach dem Vorbild der Schuelschwänzer.» Was genau und wie genau, das wisse er noch nicht konkret und im Detail, aber bis er diese Idee umgesetzt habe, so lange werde er als Ober nicht zurücktreten, sagt Kummer.