Uhrmacher-Wettbewerb
Grenchner Lernende brillieren mit genauestens regulierten Uhren

Gleich acht Lernende des ZeitZentrums Grenchen haben am Wettbewerb der Chronometerkontrolle COSC ein Zertifikat für die Genauigkeit ihrer Uhr erhalten.

Andreas Toggweiler
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Die erfolgreichen Uhrmacherlehrlinge mit Atelierchef Simon Studer (2. von links)

Die erfolgreichen Uhrmacherlehrlinge mit Atelierchef Simon Studer (2. von links)

Florian Geller

Strahlende Gesichter im vierten Lehrjahr der Uhrmacherklasse im ZeitZentrum in Grenchen: 8 von 13 Schülerinnen und Schülern ist es gelungen, das heiss begehrte COSC-Zertifikat beim jährlich stattfindenden, von der Société Suisse de Chronométrie, kurz SSC, organisierten Wettbewerb zu ergattern.

«Dabei war es erst gar nicht selbstverständlich, dass die Klasse überhaupt teilnehmen konnte, denn gestartet wurde Anfang März – zwei Wochen, bevor die Schule für zwei Monate komplett schliessen musste», schreibt Uhrmacher-Schülerin Nina Fink seitens ihrer Klasse.

«Die Enttäuschung, als am 13. März der Lockdown verkündet wurde, war beinahe physisch spürbar, nicht zuletzt, weil dies in diesem Jahr bereits der dritte Wettbewerb gewesen wäre, den die Klasse nicht hätte bestreiten dürfen», heisst es weiter.

Nach dem Lockdown kam die hektische Zeit

Umso grösser die Freude und die Motivation, als nach der langen Zeit Zuhause die Nachricht kam: Der Wettbewerb findet trotz allem statt, die Uhrwerke dürfen eingeschickt werden, die Arbeit lohnt sich. Für die Réglage stellte die Übungsleitung der COSC allen Teilnehmerinnen eine mechanische Uhr mit Handaufzug vom Typ Tissot «Chemin des Tourelles» zur Verfügung.

«Was danach folgte, waren sechs hektische Wochen, in welchen unter der Leitung von Lehrmeister Simon Studer an den Uhrwerken reguliert, gemessen und korrigiert wurde.» In dieser Zeit war die Uhrmacherklasse nur in Teilklassen und an einzelnen Tagen im Atelier, die Coronaregelungen und die damit verbundenen Massnahmen liessen es nicht zu, dass mehr als fünf Personen gleichzeitig arbeiten konnten.

Ende Juni war es dann so weit und 13 Uhrwerke machten sich auf den Weg nach Biel, wo sie unter den strengen Bedingungen von der COSC (vgl. Kasten) geprüft werden sollten.

Zwei Frauen und sechs Männer haben es geschafft

«Zurück blieb eine Klasse, die nun ihre gesamte uhrmacherische Geduld aufwenden musste, während sie auf die Resultate wartete», beschreibt Nina Fink das bange Warten auf die Resultate aus Biel.
Zwei Frauen und sechs Männer haben es geschafft und ihre Werke sind nun zertifizierte Chronometer. «Der Preis für diese Leistung, das zertifizierte Werk mit komplettem Gehäuse, Zifferblatt, Zeiger und Armband gesponsert von Tissot sowie das dazugehörige Zertifikat der COSC, wurde mit glänzenden Augen in Empfang genommen», berichtet die Uhrmacherklasse.

Nur sie dürfen sich Chronometer nennen

Die COSC (Contrôle officiel suisse des chronomètres) Auszeichnung ist der Ritterschlag für eine mechanische Armbanduhr. Das Zertifikat wird nach einer 15-tägigen Messung verliehen, während der die Ganggenauigkeit einer Uhr in verschiedenen Lagen und Temperaturen gemessen wird. Es gibt insgesamt sieben Kriterien. Bekanntestes Kriterium ist die mittlere tägliche Gangabweichung, welche 6 Sekunden plus oder 4 Sekunden minus nicht überschreiten darf.
Die Kunst der Réglage besteht darin, das Uhrwerk so einzustellen, dass die Werte trotz unterschiedlicher Lage des Werks gegenüber der Erdanziehung erreicht werden. «Selbst wenn eine Uhr täglich 6 Sekunden vorginge, würde dies immer noch bedeuten, dass sie bemerkenswert regelmässig geht. Auf das metrische System übertragen, würde die Abweichung nach einem Jahr bei 1000 m gerade einmal 7 cm betragen», schreibt die COSC auf ihrer Website.
Die Offizielle Schweizer Kontrollstelle für Chronometer mit Sitz in La Chaux-de-Fonds ist ein gemeinnütziger Verein, der 1973 von den Uhrmacherkantonen (Bern, Genf, Neuenburg, Solothurn, Waadt) und dem Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH gegründet wurde. Jährlich werden in Labors in Biel, Le Locle und St. Imier rund 2 Millionen Uhren kontrolliert.
Letztes Jahr waren 97 Prozent der getesteten Uhren mechanischer Bauart. Zur Bewältigung des täglichen Pensums von 10–15000 Werken arbeitet die COSC mit Computern. Eine Spezialkamera erfasst pro Stunde bis zu 3600 Werke. Die Werte werden dann mit der cäsiumgesteuerten Radiozeit aus Braunschweig verglichen. (at.)

Simon Studer, Atelierchef des 3. Lehrjahres, erläutert die Leistung der Uhrmacherinnen und Uhrmacher mit Zahlen zu diesem hochkompetitiven Wettbewerb. 143 Teilnehmer hatten sich für den Wettbewerb angemeldet, davon 13 vom ZeitZentrum Grenchen. Zugelassen zum COSC-Test wurden danach 108 Uhren, darunter acht aus Grenchen. «Nur 55 Uhren haben den strengen COSC-Test bestanden, darunter alle acht zugelassenen des ZeitZentrums», berichtet Studer. Dass trotz der erschwerten Bedingungen der Wettbewerb durchgeführt wurde, begrüsst Studer. «Ich denke, das hat die Schülerinnen und Schüler zusätzlich beflügelt.» Denn es war der einzige Lehrlingswettbewerb, der im Coronajahr überhaupt durchgeführt wurde. Auch Rektor Daniel Wegmüller zeigt sich erfreut über den Erfolg der Schülerinnen und Schüler. «Diese Zahlen machen mich stolz», meint er.

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