Schulbeginn
Grenchner Lehrer: «Es braucht dringend wieder mehr Männer»

Am Montag gehts los mit dem neuen Schuljahr. Wir besuchten die beiden langjährigen Lehrkräfte Stephan Saner und Daniel Stephani bei den Vorbereitungen im Schulhaus.

Andreas Toggweiler
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Die Schulbücher liegen bereit. Stephan Saner (links) und Daniel Stephani in Saners Schulzimmer im Schulhaus Zentrum.at.

Die Schulbücher liegen bereit. Stephan Saner (links) und Daniel Stephani in Saners Schulzimmer im Schulhaus Zentrum.at.

Mit welchem Gefühl die beiden ins neue Schuljahr gehen und was sie sich vom neuen Erziehungsdirektor wünschen.

«Ich freue mich auf das neue Schuljahr», sagt Stephan Saner (53), der im Schulhaus Zentrum am Montag seine Klasse, die er bereits im 3. Schuljahr unterrichtet hat, wieder in Empfang nehmen kann. «Und ich hoffe, dass ich im nächsten Sommer sagen kann, ich habe die Ziele mit meiner Klasse erreicht.» Seine 17 Schüler kennen den Schulalltag bereits, und so wird der Schulbeginn 2013 im Gegensatz zu den Abc-Schützen für sie nicht mehr so spektakulär. Auch in Grenchen ist man allerdings dazu übergegangen, den Schulbeginn als Event mit einem Gemeinschaftserlebnis für das Schulhaus zu gestalten. Im Schulhaus Zentrum erfolgt diese zentrale Eröffnung des Schuljahres um 9.15 Uhr in der Aula. «Die Schülerinnen und Schüler werden für ihre neuen Gschpänli Spalier stehen und die Lehrkräfte stellen sich vor», erklärt Saner. Danach geht es aber bei ihm gleich los mit Mathematik.

Wichtige Weichenstellung

«Im Haldenschulhaus machen wir eine Zusammenkunft aller Klassen inklusive Kindergarten auf der Freitreppe», erklärt Daniel Stephani, (ebenfalls 53), der im oberen Stadtteil unterrichtet. «Im sechsten Schuljahr, das für meine Schüler beginnt, steht für sie eine entscheidende Weichenstellung an.» Denn bis Ende Februar ist für die meisten entschieden, wie ihre Bildungslaufbahn weitergeht und wer es in die neue Sek P schafft.

Auch Stephani hat die 20 Schüler schon in der 5. Klasse unterrichtet. Wenn das neue Schulmaterial verteilt ist, kann der Unterricht gleich beginnen. Denn man kennt sich bereits. In Jahren, wo die Lehrer eine neue Klasse übernehmen, finden jeweils Übergabegespräche mit der abgebenden Lehrkraft statt sowie ein Besuch der Klasse beim neuen Lehrer. «Ich verfasse jeweils auch ein Begrüssungsschreiben», erklärt Saner.

Mehr Stress für Schüler

Die Schule ist nicht mehr so homogen wie früher, sind sich die beiden erfahrenen Lehrer einig – Saner beginnt sein 25. Schuljahr in Grenchen, Stephani gar sein 33. «Die Belastung hat nicht nur für die Lehrer, sondern vor allem für die Schüler zugenommen», erklärt Saner und erwähnt die drei zusätzlichen Stunden Französisch und den Medienunterricht. «Schüler sein ist heute ein Beruf.» Dies könne bedeuten, dass die Kindheit mitunter zu kurz komme.

Stephani erwähnt den zusätzlichen Leistungsdruck gerade im 6. Schuljahr, dem nicht alle gleich gut gewachsen seien. «Ich war lange Gegner dieser Haltung, aber ich komme zunehmend zur Überzeugung, dass sich Eltern in dieser Phase als Hilfslehrer engagieren müssen.»

Eltern als Hilfslehrer

Nicht alle Eltern können das oder haben die Zeit dafür. Und so ist der Weg von Kindern aus den sogenannt «bildungsfernen Schichten» oft vorgezeichnet. «Es sind leider auch immer wieder dieselben, welche die Hausaufgaben nicht machen.» Als Lehrer sei man da relativ machtlos. «Ich kann nicht jeden Morgen mit denselben Schülern dasselbe Problem diskutieren», erklärt Stephani.

Wie gelingt es, als Lehrer unparteiisch zu bleiben, was ja alle erwarten? «Regeln im Klassenzimmer einführen und sich auch konsequent daran halten», meint Stephani. Und Saner ergänzt: «Wir alle machen gelegentlich Fehler. Es sollte aber gelingen, einen Strich zu ziehen und unter dem Motto neuer Tag, neues Glück neu zu beginnen. Darauf haben alle ein Anrecht.»

Anklis ehemaliger Lehrer

Bei Stephan Saner ist übrigens Erziehungsdirektor Remo Ankli in Beinwil zur Schule gegangen. Auch Ankli hat heute sozusagen seinen ersten Schultag – reloaded. Was erwarten die beiden von ihm? «Eine Denkpause bei den Schulreformen», sagen sie einhellig. Und Stephani ergänzt: «Die integrative Förderung hat sich meiner Meinung nach zumindest in den Städten nicht bewährt. Die Schulen sollten das Modell selbst wählen können.» Auch die Zertifizierung könne man sich buchstäblich sparen: sie koste viel und bringe der Schule direkt nichts.

Einen letzten Problempunkt sprechen die beiden Lehrer nicht selber an. Man glaubt es kaum, aber mit 53 Jahren gehören sie zu den jüngsten männlichen Lehrkräften der Stadt. Nach einer anstehenden Pensionierungswelle werden fast nur noch Frauen im Job tätig sein. «Es ist tatsächlich für mich gewöhnungsbedürftig, wenn ich bald der einzige Mann im Lehrerzimmer bin», sagt Stephani. Woran das liegt, können die beiden nicht sagen. Am Lohn nicht; in Grenchen am ehesten noch am Image der Stadt, das unberechtigterweise schlecht sei. «Wir haben gut funktionierende Schulen, die auch gut organisiert sind», sagen beide unisono.

Wo sind die Männer?

«Männliche Teenager brauchen männliche Führung, besonders wenn sie aus einem Kulturkreis kommen, wo das Wort einer Frau wenig gilt», stellt Saner weiter fest. Entsprechende Erfahrungen mussten Frauen am Mittagstisch und im Hort schon machen. «Sie werden es zunehmend schwer haben, wenn es keine Männer mehr gibt im Beruf. Und Buben auch, spätestens, wenn sie eine Lehrstelle antreten, wo meistens wieder Männer das Sagen haben.»