Fasnacht
Grenchner ist amtsältester Fasnächtler in Olten

Hans Brosi, amtsältester Obernaar im «fernen» Olten , lebt seit fast 50 Jahren in Grenchen. Der 90-Jährige erzählt aus seinen Erinnerungen an die Fasnacht vor 58 Jahren.

Urs Huber
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Von der Dreitannen- in die Uhrenstadt: Hans «Dogg» Brosi lebt seit 1962 mit seiner Gemahlin Lisbeth in Grenchen. hub

Von der Dreitannen- in die Uhrenstadt: Hans «Dogg» Brosi lebt seit 1962 mit seiner Gemahlin Lisbeth in Grenchen. hub

Solothurner Zeitung

«Ja», sagt er am Telefon, «Sie können schon vorbeikommen in Grenchen. Aber ich sage Ihnen schon jetzt: Viel weiss ich nicht mehr von meiner Zeit als Obernaar in Olten.» Der dies sagt ist Hans «Dogg» Brosi, Obernaar aus dem Jahr 1953 und damit der amtsälteste in der Dreitannenstadt Olten, wenns für Obernaaren diesen Titel überhaupt gibt. Ein paar Erinnerungen aber sind dem mittlerweile über 90-jährigen Hans Brosi schon geblieben, wie sich später herausstellt.

Eine Plakette in Gold etwa prangt unter vielen andern Abzeichen und Stickern an einer Steckwand im Arbeitszimmer. «Die hab ich geschenkt bekommen, damals», sagt er. Eine in Gold, die hätte seinerzeit wohl 40 Franken oder noch mehr gekostet, schiebt er hinterher. Dann zückt er ein Papier aus einer Kartonmappe. Darauf hat sich der Mann mit Jahrgang 1920 ein paar Notizen gemacht.

«Wieso ich Obernaar wurde? Keine Ahnung», sagt er. Und wie er zur Tannzapfezunft gekommen sei, wisse er auch nicht mehr. Aber: Es hätte fürs Obernaarenamt sicher erhabene Häupter gegeben dort, vermutet er. Immerhin: Beim so genannten «Luederclub» habe er seinerzeit mitgemacht, die Fasnachtssporen abverdient. Luederklub? Brosi lächelt. «Das können Sie natürlich nicht wissen», meint er. Aber in früheren Jahren sei er im städtischen Ruderklub gewesen und eine Handvoll Mitglieder daraus hätten als «Luederklub» jeweils an der Fasnacht teilgenommen. «Schnitzelbänke haben wir auf jeden Fall gesungen», meint Brosi, der Olten als Stadt seiner Jugend bezeichnet. «Ich geniesse es, dort einmal Obernaar gewesen zu sein», sagt er und: Die Ernennung zum Obernaar sei eine Überraschung gewesen.

Narrenkleid in Blau und Weiss

Ein einziges Bild seiner Obernaarenzeit weiss Brosi noch in seiner kleinen Fasnachtsschatzkammer, die sich den Platz allerdings teilen muss mit allerlei anderen Attributen vergangener Tage. Dies Bild zeigt ihn – in einer Schwarz-Weiss-Aufnahme – in einer Art Till-Eulenspiegel-Montur. Wer sie schneiderte, woher sie kam, weiss der amtsälteste Obernaar der Stadt Olten nicht. «Die Farben waren Blau und Weiss», erinnert er sich. Und das Kleid sei ihm einfach gegeben worden, wohl ebenso von der Tannzapfezunft wie der Text der Proklamation, die er vom Ildefons-Turm aus hielt. Brosi nennt ihn heute schlicht und einfach «alter Turm». «Ein paar Tage zuvor war sie mir in die Hände gedrückt worden.»

Dass er sich schliesslich weigerte, die Proklamation via Mikrofon zu verlesen, weil er der eigenen Stimme mehr vertraute, ist ihm ebenfalls geblieben. «Eine gute Stimme haben, war das eine, auftreten musste man auch können», so Brosi. Stimme und Auftreten – Attribute, die einem Schauspieler zugeordnet werden können. Brosi war dies; in Olten als Mitglied der Dramatischen Gesellschaft, in Grenchen später als jenes der Theatergruppe Galerie Pieterlen. Und nicht zu vergessen die Pfadizeit. Brosi war dort prägendes Mitglied mit Leidenschaft; davon zeugt der braunfarbene Pfadihut an der Wand im Arbeitszimmer noch heute.

«Dogg I» in der Kutsche voran

So hat Hans Brosi also die Fasnacht vor 58 Jahren in seiner Erinnerung erlebt. «Neben der Proklamation war der Umzug das wichtigste Element», sagt er. So viel er wisse, habe er in einer Kutsche fahrend den Fasnachtsumzug angeführt. «Andere Aufgaben hatte der Obernaar seinerzeit nicht zu erfüllen», lächelt er und meint: «Das waren noch Zeiten.» Wie er eigentlich zum Namen «Dogg I» gekommen sei? «Also das weiss ich jetzt noch ganz genau», lacht Brosi. Ein Lehrer an der Bezirksschule in Olten nämlich hatte was gegen die Pfadi, und weil Brosi eines Tages nicht mit dem obligaten Pfadigurt zum Unterricht erschien, lästerte der Lehrer und zog dabei eine Schnute, die ihm bei der Schülerschaft den Übernamen Bulldog einbrachte. Und fortan hiess Brosi – in Anlehnung an Bulldog – einfach «Dogg».

Bis vor wenigen Jahren gehörte «Dogg I» noch der Gesellschaft ehemaliger Obernaaren an und hat an deren Generalversammlung regelmässig teilgenommen. Aber mittlerweile ist ihm das Reisen zu beschwerlich geworden. Für einen guten und treuen Pfadfinder gilt seine Äusserung aus der Proklamation von 1953 im Grundsatz aber noch immer: «D Larve jetzt uf dNaaregrinde; Sie und er und ihri Chinder; E jedes stürzi sich i dSchlacht; vo mir – em Obernaar – bewacht.»

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