Grenchen

Grenchner «Impression 2012» kommt stiller daher

Blick in den Ausstellungsraum der fünften «Impression» – die Ausstellung für Druckgrafik des Kunsthauses Grenchen.

Blick in den Ausstellungsraum der fünften «Impression» – die Ausstellung für Druckgrafik des Kunsthauses Grenchen.

Das Grenchner Kunsthaus schliesst mit einer Werkschau seinen Ausstellungszyklus zeitgenössischer, nationaler Druckgrafik. Dieses Jahr präsentieren Westschweizer Künstler gemeinsam mit Kulturschaffenden aus der Region ihr Schaffen.

Die Druckgrafik lebt, lebt weiter als eine feste Grösse, der Tradition ebenso verpflichtet wie einer künstlerischen Individualität und einem hohen Qualitätsanspruch. Auch dieses Jahr führt im Grenchner Kunsthaus die fünfte Werkschau durch die Vielfalt der aktuellen druckgrafischen Techniken und Inhalte. Die Werkschau wurde juriert von Urs Dickerhof, Künstler und ehemaliger Direktor der Schule für Gestaltung Bern und Biel, Ariane Epars, Künstlerin und Dozentin an der Schule für Gestaltung Wallis, sowie Christian Rümelin, Leiter der Graphischen Sammlung Musée d’art et d’histoire Genf; kompakt kuratiert wurde sie durch die Kunsthaus-Leiterin Eva Inversini.

Dieses Jahr sind es Künstlerinnen und Künstler aus der Westschweiz, die zusammen mit Kunstschaffenden aus Solothurn und dem Mittelland die «Impression 2012» bestreiten. Im Gegensatz zur vierten Ausstellung konzentriert sich die aktuelle Werkschau mit 48 Arbeiten nur auf die Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Ausgewählt wurden aus 73 eingegangenen Bewerbungen 16 Kunstschaffende aus dem Mittelland und 7 aus der Gastregion – im Alter zwischen erstaunlich jung gebliebenen 84 und erprobten 30 Jahren.

Die diesjährige Austellung gibt sich leiser, in sich geschlossener, zurückhaltender in der Tonalität wie auch in den Drucktechniken homogener. Sie zeugt dennoch von einer innovativen und differenzierten Auseinandersetzung mit dem Medium Druckgrafik. Die ausgeprägte, zum Teil auch formale Farbigkeit, die experimentellen Überraschungen oder aufwendigen Materialfinessen der vierten Impression treten zugunsten traditioneller Techniken zurück. Diese jedoch überraschen mit stimmigem und einfallsreichem Bildgeschehen und individuellen formalen Absichten. Manchmal scheint die meist tradierte druckgrafische Technik Mittel zum Zweck einer intensiven Bildspannung, konzeptueller Ideen oder philosophischer Gedanken zu sein – minimale Inhalte erzeugen eine maximale Wirkung. Dann wieder animieren die Inhalte die klassischen Techniken, äussern sich zeichenhaft-gestisch, abstrahiert oder vexierbildartig. Auch wird die Wahrnehmung getäuscht, erscheinen einige Inhalte malerisch oder zeichnerisch. Bitumen sorgt als Bilduntergrund für mystische Momente, die Serigrafie intimer WC-Fotos auf Handtuchpapier eher für Irritation.

Die neueren Medien, spezielle Bildträger oder auch eigenwillige Bildformulierungen, gliedern sich da nahtlos ein. Sie beleben die wohltemperierte Übersicht. Seien es formale Spiele mit künstlerischen Zitaten und Methoden hinter Glas, Druckausschusspapier als wohlkomponierte Geometrien, Druckschablonen als Idee zur süffisanten Bildserie oder die traditionelle Aquatinta im raffinierten Zusammenwirken mit dem Inkjetprint, fotografische Vorlagen, die im künstlerischen Prozess eine sinnliche Metamorphose erfahren.

Den ganzen ersten Stock belegt dieses Jahr die Schule für Gestaltung Wallis ECAV aus Sierre mit aktuellen Arbeiten von gegenwärtigen und ehemaligen Studierenden sowie Werken aus «Multiples-Editions». Seit 2000 bietet die ECAV mit dem Atelier «Multiples-Editions» nationalen und internationalen Kunstschaffenden einen Raum für Forschung und für die Realisierung künstlerischer Projekte im Bereich der zeitgenössischen Druckgrafik. Diese Übersicht zeigt ein kreatives Kontrastprogramm mit Schwergewicht Serigrafie auf hohem Niveau: bunt, einfallsreich, mannigfaltig von bewährt bis ins malerische oder filmische Moment.

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