Am 28. Juli stellte Roland Ledergerber bei einem Spaziergang fest, dass in Staad südwestlich des Tennisplatzes ein für das 1.-August-Feuer vorbereiteter Holzstapel Möbel und anderes Altholz enthielt. Da das Verbrennen von Altholz verboten ist, informierte er mehrere Amtsstellen – die Kantonspolizei, das Amt für Umwelt des Kantons und die Baudirektion Grenchen – per E-Mail. Kaminfeger Ledergerber ist für die Stadt Grenchen als Holzfeuerungskontrolleur tätig.

So weit, so gut. Doch vergangenen Freitag erhielt Stadtpräsident Boris Banga dann Post. Ledergerber reichte in einem eingeschriebenen Brief seinen Rücktritt ein, weil man auf sein Schreiben nicht reagiert hatte. Der Stapel sei am 1. August angezündet worden, und solche Schweinereien dürfe man weder ignorieren noch dulden, hiess es in dem Brief. Was mache es für einen Sinn, Kleinfeuerungen wie Cheminées und Cheminée-Öfen zu kontrollieren, wenn in der Öffentlichkeit nicht für Ordnung gesorgt werde. Und weil er in seiner Kontrollarbeit von den Amtsstellen nicht ernst genommen werde, könne er das Amt des Holzfeuerungskontrolleurs nicht weiter ausüben.

Information ging vergessen

Tatsächlich hatte man aber reagiert: Das Amt für Umwelt nahm laut Markus Chastonay, Leiter Abteilung Luft und Lärm beim AfU, nach Erhalt des E-Mails Kontakt mit der Kantonspolizei auf, nur vergass man, Ledergerber darüber zu informieren, dass man aktiv wurde.

Die Kapo schickte in der Folge eine mit einem Beamten der Stadtpolizei verstärkte Patrouille nach Staad, um sich die Sache genauer anzusehen. Die Beamten nahmen vor Ort Kontakt mit den Verantwortlichen für das 1.-August-Feuer auf. Tatsächlich waren in dem Stapel Holzteile zu sehen, die dort nichts zu suchen hatten.

Mit diesem Problem kämpfen Andreas Marti und die anderen Verantwortlichen jedes Jahr. Zusammen mit anderen Staadern bereitet der Landwirt alle Jahre das 1.-August-Feuer vor. «Wir sammeln abgebrochene Äste, und, statt sie zu häckseln und für unsere Schnitzelheizungen zu verwenden, schichten wir sie fürs 1.-August-Feuer auf, denn wir wollen den Staadern am Nationalfeiertag ein schönes Feuer bieten.» Dass Leute Altholz, nicht mehr gebrauchte Stühle, Teile von Gartenzäunen und Holzbretter auf bequeme Art und Weise entsorgen wollten, nervt Marti. «Unser Holzhaufen besteht nur aus Astwerk, dafür sorgen wir. Der Stapel wird immer am Tag zuvor umgeschichtet und kurz vor dem Anzünden nochmals kontrolliert.» Denn Tiere, wie zum Beispiel Igel, suchten Schutz im Holzhaufen und würden sonst Opfer der Flammen. Und beim Umschichten würden auch die Dinge und Holzteile, die nicht Astwerk seien, entfernt und später in die Kebag gebracht.

«Es gibt jedes Jahr Leute, die die Gelegenheit missbrauchen, altes Holz auf einfache Weise zu entsorgen. Sie fahren nachts durchs Fahrverbot und schmeissen ihr Zeugs auf den Stapel», sagt Marti. So auch dieses Jahr. «Wir haben das mit den Polizisten vor Ort besprochen und den Haufen wie immer von allem befreit, was nicht reingehört. Unser 1.-August-Feuer war sauber.» Auch die Asche werde jetzt gesammelt und der Kebag übergeben.

Bleibt bei der Kündigung

Ledergerber erfuhr nichts von alledem. Auf Anfrage meinte er, auch wenn tatsächlich auf seine E-Mails reagiert worden sei, habe man ihn dennoch weder kontaktiert noch informiert. «Und wenn die Informationspolitik einer Amtsstelle so ausschaut, will ich mit dieser Amtsstelle nichts mehr zu tun haben.» Ledergerber bleibt bei seiner Kündigung.

Bei der Stadt ist man ziemlich konsterniert über das Kündigungsschreiben. Stadtpräsident Boris Banga, der in den Ferien weilt, wurde gleichentags informiert und veranlasste sogleich einen Brief an Ledergerber, in dem sich die Stadt für die Kommunikationsfehler entschuldigt und Ledergerber darum bittet, seine Kündigung nochmals zu überdenken. «Es tut mir aufrichtig leid, dass diese Fehler passiert sind und ich möchte mich dafür entschuldigen», meinte Banga.