Corona
Grenchner Hausarzt darf impfen: «Letzte Woche wurden wir von Anfragen fast überrannt»

Daniela Deck
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Marcel Tièche's Praxis gehört zu einer Pilotgruppe.

Marcel Tièche's Praxis gehört zu einer Pilotgruppe.

zvg/bar

Der Grenchner Arzt Marcel Tièche hat in der ersten Woche der Kampagne in den Altersheimen mehrfach Impfteams begleitet. Sich selbst impfen zu lassen, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, wie er betont. Das Alter (er ist im Pensionsalter) spiele für die Entscheidung keine Rolle. Entsprechend wünscht er sich, dass sich beim Personal der Alterszentren noch viel mehr Personen impfen lassen als bisher. Seit Beginn der Kampagne bilanziert das kantonale Gesundheitsamt beim Personal der Altersheime eine Impfrate von rund 30 Prozent. Bei den Bewohnern sind es etwa 75 Prozent.

«Wir hatten noch nie einen Impfstoff, der so sauber produziert wurde, ohne Verunreinigungen, und einen derart hohen Wirkungsgrad zeigt, wie das Mittel, das wir jetzt einsetzen. Genial daran: Wir spritzen nur den Bauplan für ein winziges Teilstück des Virus. Das genügt dem Körper, um sich zu schützen», sagt Tièche über die mRNA-Impfung. «Die herkömmlichen Impfungen nehmen sich dagegen aus wie ein Trottinett im Vergleich zu einem Rolls Royce.» Der Allgemeinpraktiker spricht im Zusammenhang mit der Corona-Impfung von einer «Sternstunde» seiner Arztkarriere.

Mit der Vorbereitung und Durchführung der Kampagne in den Altersheimen sei er sehr zufrieden, sagt Tièche. Bisher habe alles geklappt, unerwünschte Nachwirkungen seien bisher keine gemeldet worden. «Ich setze mich dafür ein, dass die Hausarztpraxen ihre Risikopatienten auch gleich mitimpfen dürfen, wenn das Impfteam im Altersheim Station macht.» Er argumentiert: «Erstens ist die Infrastruktur vor Ort. Zweitens weiss niemand so genau Bescheid über die Gesundheitsrisiken der Patienten wie die Hausärzte. Drittens entlastet diese dezentrale Organisation die Hotline respektive das Impfzentrum und beschleunigt das Impfen.»

Sechs Arztpraxen beteiligen sich bereits am Pilotprojekt des Kantons zur Impfung der lokalen Risikopatienten. Die Standorte: Olten, Oensingen, Grenchen, Langendorf, Messen und Breitenbach. Eine davon ist die Gruppenpraxis Grenchen. Dort habe letzten Samstag ein Impftag stattgefunden, sagt Marcel Tièche. Dafür habe man am Sonntag davor die Patienten, die in Frage kommen, aus der Kartei gesucht und telefonisch kontaktiert. Auch der kommende Samstag sei schon ausgebucht.

Arztpraxen im Pilotversuch sind unter Druck

Zu diesem Pilotprojekt der Hausärzte sagt David Kummer vom kantonalen Fachstab Pandemie im Gesundheitsamt: «Es ist uns ein grosses Anliegen, die Grundversorger von Beginn an in die Impfkampagne einzubeziehen.» Dabei könnten die Pilotarztpraxen selbst entscheiden, ob sie nur die eigenen Risikopatienten impfen oder auch solche, die nicht in ihrer Kartei registriert sind. Bis der Wunsch von Tièche nach flächendeckenden Impfungen in den Hausarztpraxen erfüllt werden kann, dürfte noch einige Zeit vergehen. Da der Impfstoff vorerst knapp ist, ist nach Aussage von Kummer aktuell keine Ausweitung des Pilotprojekts auf weitere Arztpraxen geplant. Daran könnte die gestrige Zulassung des Moderna-Impfstoffes möglicherweise etwas ändern.

Das erhöht den Druck auf die sechs ausgewählten Arztpraxen. Tièche sagt: «Letzte Woche wurden wir von Impfanfragen fast überrannt.» Um den normalen Betrieb aufrechtzuerhalten, will Tièche vorerst keine auswärtigen Patienten impfen. Lieber organisiert er zusammen mit einer anderen Hausarztpraxis einen Impftag für deren Risikopatienten.