Abfallentsorgung

Grenchner fühlt sich betrogen: Die geplanten Änderungen betreffen nicht nur Altglas, sondern auch Altmetall

Gepresstes Altmetall (Archivbild)

Gepresstes Altmetall (Archivbild)

In einem anonymen Brief kritisiert ein Grenchner Wutbürger die Informationspolitik der Stadt zum Thema Abfall. Er glaubte den Infos einer Werbesendung.

«Ich bin sprachlos, wütend und enttäuscht», so ereifert sich der anonyme Verfasser eines Schreibens, das sowohl die Mitglieder des Gemeinderats wie auch der Stadtverwaltung in ihren Briefkästen vor Weihnachten vorfanden. Grund seiner Entrüstung: In einem «Informationsblatt» – der Verfasser glaubte offenbar, es komme von der Stadtverwaltung (vgl Box) – wird auf das neue Entsorgungszentrum verwiesen, das von der Firma Schlunegger östlich des Werkhofs erstellt wird.

Der Entsorgungshof, der nächstes Jahr fertiggestellt werden soll, wird die Multisammelstelle ersetzen. Weiter schreibt die Publikation zum Punkt Altglas- und Metallsammlung, dass auf dem Stadtgebiet mehrere unterirdische Glas- und Metallsammelstellen gebaut werden und man die Sammlungen von Haus zu Haus für Altglas und Altmetall einstellen werde, sobald diese Sammelstellen in Betrieb genommen würden.

Am Tag nach der Versammlung

Pikantes Detail: Die Informationen erreichte den Verfasser des anonymen Briefs am Morgen nach der Gemeindeversammlung, an welcher der Souverän eine Motion von Gemeinderat Peter Brotschi zur Beibehaltung der Glassammlung mit 83 Stimmen bei 58 Gegenstimmen überwiesen hatte. Allerdings ging es in seinem Vorstoss eben nur um die Sammlung von Altglas.

Genau das ist offenbar auch der Punkt, der den anonymen Autor in Rage bringt: «Völlig perplex muss ich der Abfall-Info entnehmen, dass es mit dem Abschaffen der Glassammlung auch um das Verschwinden der Metallsammlung ging. Dies haben Sie alle uns GrenchnerInnen gänzlich verschwiegen! In Ihren Erläuterungen haben Sie immer nur vom Glassammeln gesprochen (und die Nachteile an den Haaren herbeigezogen).» Er (oder sie) könne nicht nachvollziehen, wie sich Stadtpräsident und Stadtbauamt auf die Präsentationen hätten vorbereiten können im Bewusstsein, alle damit hinters Licht zu führen. «Und wir Dummen haben es erst im Nachhinein bemerkt. Ja, wir konnten es gar nicht vorher merken, denn erst in der Abfallinfo stand, dass die Glas- UND die Metallsammlung abgeschafft werden soll.»

Die kommerzielle «Agenda.ch».

Die kommerzielle «Agenda.ch».

«Stadt informiert schlecht»

Die Bevölkerung auf diese Weise über einen Abbau zu informieren, wenn man dies überhaupt als Info bezeichnen könne, sei äusserst fies, armselig und billig, so der anonyme Wutbürger. Der Verfasser der Zeilen bezeichnet das Ganze als Beispiel dafür, wie schlecht man in dieser Stadt informiert werde. Man müsse stets wie ein Sperber darauf achten, keine Informationen zu verpassen, weil diese quasi versteckt würden.

Diese Zeitung hatte mehrmals über die Umstellung des Sammelsystems berichtet. Ein Werkhof-Mitarbeiter hatte beispielsweise bereits im Januar den geplanten Systemwechsel detailliert erläutert, zu dem auch eine Sammelmulde für Metall gehört.»

Doch in der Tat hatte die Stadt selber offiziell nie darüber informiert, was sie genau plant. Die Diskussion wurde anlässlich einer Petition von Gemeinderat Peter Brotschi geführt, der sich für die Beibehaltung der Glassammlung stark machte. Am 15. März hatte der Gemeinderat dann den Systemwechsel offiziell beschlossen.

Offizieller Entsorgungsplan der Stadt Grenchen.

Offizieller Entsorgungsplan der Stadt Grenchen.

Brotschi: «nicht bewusst»

Dass auch die Metallsammlung eingespart werden sollte, sei ihm tatsächlich nicht bewusst gewesen, sagt Brotschi auf Anfrage. Unklar sei deshalb wohl auch, wie man jetzt weiterfahren wolle. Drazenka Dragila-Salis, Grenchens Stadtbaumeisterin, präzisiert auf Anfrage: Die Gemeindeversammlung habe erst einmal die Motion betreffend Glassammlung als erheblich erklärt. Das bedeute, die Sammelrunden durch den Werkhof gehen weiter wie bisher. Der Gemeinderat werde sich mit dem Geschäft befassen müssen und irgendwann im Sommer 2018 werde die Gemeindeversammlung nochmals über das Geschäft befinden können.

Vorerst weiter wie gehabt

Dragila wehrt sich auch gegen den Vorwurf, man habe da etwas unter den Teppich kehren wollen. «Die Metallsammlung gehört zur Glassammlung, wie es auch bei den Glassammelstellen spezielle Behälter gibt für Konservendosen, Weissblech etc.» Man werde auch künftig wie bisher weiterfahren mit der Sammlung.
Das kann man übrigens auch dem - diesmal offiziellen - Entsorgungsplan der Stadt entnehmen, der Ende Jahr in alle Haushaltungen verteilt wurde. Die erste Metallsammlung ist am kommenden 25. Januar, sechs weitere werden folgen.
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