Pistenanpassung

Grenchner Flughafen muss den Boden überprüfen lassen

Mit der knapp neun Meter hohen Maschine (links) werden am Flughafen Sondierbohrungen ausgeführt. fup

Mit der knapp neun Meter hohen Maschine (links) werden am Flughafen Sondierbohrungen ausgeführt. fup

Die Machbarkeitsstudie zur Pistenanpassung beim Flughafen Grenchen verzögert sich. Sondierbohrungen sollen Aufschluss über die Beschaffenheit des Bodens bringen.

Die Machbarkeitsstudie zur Pistenanpassung des Regionaflughafens Grenchen (RFP) verzögert sich um mindestens zwei Monate und wird daher erst im Herbst 2013 abgeschlossen werden können. Dies bestätigte Flughafendirektor Ernest Oggier auf Anfrage. Grund für die Verzögerung sind zusätzliche Abklärungen zur Bodenbeschaffenheit im betroffenen Gebiet.

Seit Mittwoch werden im Auftrag des RFP Sondierbohrungen gemacht, die nach Auskunft des Flughafendirektors in spätestens drei Wochen wieder abgeschlossen sein sollen. In einer ersten Phase wird östlich des Starfighter-Kreisels, in einer zweiten dann östlich der Archstrasse gebohrt. Eine 8,5 Meter hohe Bohrmaschine untersucht die Bodenbeschaffenheit bis in eine Tiefe von 30 Metern.

Sand- und Grundwasserproblematik

«Die Bohrarbeiten führen wir auf eigene Kosten auf Wunsch des Kantons aus», sagt Ernest Oggier. Durch die Auswertung wolle man schliesslich die Kosten im Falle des Baus einer Strassenuntertunnelung berechnen. Denn die derzeit favorisierte Variante bei einer Pistenverlängerung nach Westen ist, die Archstrasse künftig unter der Piste durchzuführen. Die Kosten würden sich der RFP, die Industrie, Stadt und Kanton voraussichtlich teilen (wir berichteten).

Die Untersuchungen überraschen angesichts der Geschichte des Landes rund um den Flughafen aber nicht. Der Boden in der Grenchner Witi ist von Sandablagerungen und Grundwasser so stark durchzogen, dass es bereits beim Bau des Witi-Tunnels zu Problemen und Verzögerungen gekommen war. Beinahe der ganze Grund um den Regionalflughafen wird mit einem Drainagensystem entwässert, das seit Ende der 80er-Jahre saniert wurde.

Dass der Boden mit (teils nicht versickerndem) Grundwasser und Sand zersetzt sein könnte, ist problematisch. «Das würde zusätzliche Sicherungsmassnahmen an der Baustelle bedeuten, was den Bau eines Tunnels stark verteuern würde», erklärt Oggier. Zudem könnte der Sand das Einrammen von Spundwänden erschweren, weshalb er hofft, dass die geologischen Untersuchungen nun vor allem Lehm- und nicht Sandschichten zutage bringen. Sollten die Ergebnisse besonders schlecht ausfallen, könnte dies die Idee einer Untertunnelung nämlich gefährden. Dabei sei diese Strassenunterführung aus sicherheitstechnischen Überlegungen die beste Variante, beteuert Oggier.

Aussergewöhnliche Techniken

Auch die SWG hatte zuletzt beim Bau einer neuen Erdgasleitung im Gebiet Staad Verzögerungen wegen des Bodens in der Witi zu beklagen. Die völlige Durchnässung der Witi hatte bereits 1918 zur Gründung der Bodenverbesserungsgenossenschaft Grenchen geführt, der Eigentümerin der neu erstellten Drainagesysteme. Besonders im Vorfeld des Neubaus des Witi-Tunnels war die Genossenschaft im Zusammenhang mit der damals nicht unheiklen Güterzusammenlegung wieder aktiv geworden, bevor die A5 2002 eröffnet wurde.

Der damalige Projektleiter Hans Ruedi Affolter bestätigt, dass der Grund in der Witi problematisch sein kann. Bei Bohrungen muss auf die Drainagen geachtet werden. Seine Feststellung untermauerte Affolter gestern mit einem Auszug aus einer Veröffentlichung der Kantone Solothurn und Bern aus dem Jahr 2004. Zum Bau des Wititunnels steht darin: «Zur erforderlichen Grundwasserabsenkung in der Baugrube setzte man aussergewöhnliche Techniken ein. Mit Hilfe von 235 Filterbrunnen wurden die Sohlen der Baugruben trocken gehalten. Um die Bodenabsenkung im weiteren Bereich der Witi abzuschwächen, mussten zusätzlich 87 Rückversickerungsbrunnen installiert werden.»

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