Mit über 16 000 fahrlässig verursachten und Fehlalarmen schlagen sich die Schweizer Feuerwehren Jahr für Jahr herum. Zehntausende von Steuerfranken gehen in Rauch auf, wobei die Retter selber gar nichts dafür können. Rund die Hälfte aller durch Brandmelder ausgelösten Alarme sind «unecht».

Auch in der Stadt Grenchen, wo die Feuerwehr 2012 insgesamt 153 Einsätze hatte. 56 Mal musste sie wegen Brand- und Rauchmeldern ausrücken, ohne dass eine Intervention eigentlich nötig war. Auffallend: Ein Drittel dieser Einsätze betraf immer dieselbe Adresse, dasselbe Lokal, sogar denselben Rauchmelder.

18 Mal rückte die Feuerwehr abends ins City-Hochhaus aus, weil in der Wasserpfeifen- und Schischabar im Erdgeschoss der Alarm losging. Der Witz daran: Die meisten Alarme hätten verhindert werden können. Ausgerechnet im Raucherraum war ein Rauchmelder angebracht – und der ging natürlich immer dann los, wenn jemand eine Wasserpfeife anzündete und sich gemütlich in den Feierabend qualmte. Gemütlich für ihn, nicht aber für die Feuerwehr.

Privat zur Kasse gebeten

Feuerwehrkadi Bruno Bider erinnert sich gut. Zwar sei man mit der Gesamtzahl aller falschen Alarme im schweizweiten Durchschnitt. Nervig sei so etwas aber schon. Über ein Jahr blieb der Rauchmelder im Raucherraum des Raucherlokals, wo er Probleme machte, seit er mit dem kantonalen Raucherverbot 2010 plötzlich in einem winzigen Fumoir platziert war. Erst im November letzten Jahres wurde das Corpus Delicti ersetzt. Bider: «Es dauerte extrem lange. Weil sich Eigentümer und Mieter nicht einig waren, wer einen neuen Feuermelder, der auf Wärme statt Rauch reagiert, zahlen soll.» Erst als der Vermieter zehn Mal eine Rechnung erhielt, kam der alte Rauchmelder weg.

Einige tausend Franken müssen die Alarmauslöser als Strafgebühr zahlen; ein Vielfaches des Preises für einen neuen Wärmemelder. Nur die ersten und nicht fahrlässig verursachten Einsätze übernimmt die öffentliche Hand. Wer nicht spurt – so wie die Leute im «City» – wird privat zur Kasse gebeten.

Schweizweit immerhin konnte die Fehlalarmrate in den letzten Jahren immer wieder gesenkt werden, weil die neuesten Feuermelder zuverlässiger sind und die Leute einsichtiger werden. Vor 10 Jahren lag die Rate noch rund einen Drittel höher, wie die Statistiken der Feuerwehren belegen. Fast 700 unechte Alarme gibt es im Kanton Solothurn jedes Jahr.

Auch schon Schwergewichte gerettet

Auch andere skurrile Einsätze hatte die Grenchner Feuerwehr 2012: So rückte man jährlich sicher fünf oder sechs Mal aus, um übergewichtige Personen, die es allein nicht mehr zum Haus hinaus schaffen, zu bergen. Entweder mit mehrfacher Männerkraft, oder – wenn das Treppenhaus und der Lift schon zu eng sind – sogar mit der Drehleiter. So geschehen im Kastelsquartier vor knapp einem Jahr, als ein übergewichtiger Mann über das Feuerwehrfahrzeug durch das Fenster geborgen werden musste. Was wie eine Szene aus dem Hollywoodstreifen «Gilbert Grape» klingt, ist für die Feuerwehr pure Realität. «Solche Einsätze gibt es sogar immer häufiger», sagt Kommandant Bruno Bider.

Meistens geht es um einen medizinischen Notfall, bei dem die Ambulanz allein auch nicht mehr weiterkommt. «Schwergewichte» von 160 oder 200 Kilo haben die Grenchner Flammenkämpfer auch schon gerettet. «Da erschrickt der erfahrene Feuerwehrmann aber schon lange nicht mehr», sagt Bider. Auch das gehöre sozusagen zum Alltag. Aber selbst solche – für viele sicher skurril wirkenden – Einsätze nimmt die Feuerwehr ernst.

Wie eben auch Falschalarme bei Brandmeldern. Zwanzig mal vergeben ausrücken ist eben immer noch hundertmal weniger schlimm als ein einziges Mal nicht ausrücken, wenn der Alarm echt gewesen wäre.