«Centro»

Grenchner Feierabendtalk «Ganz unger üs» ganz ohne Virus

Kurt Gilomen (links) und Dagobert Cahannes (rechts) empfingen im Centro Sonja Leuenberger und Roberto Zanetti

Kurt Gilomen (links) und Dagobert Cahannes (rechts) empfingen im Centro Sonja Leuenberger und Roberto Zanetti

Kurt Gilomen und Dagobert Cahannes empfingen Ständerat Roberto Zanetti und Sonja Leuenberger, Leiterin der Alterszentren zum letzten Feierabendtalk vor der Sommerpause.

Kompliment den Gastgebern: Das Virus, das momentan die halbe Welt lahmlegt (vergleiche diverse Artikel in dieser Zeitung) war für einmal nur ganz am Rand Thema im Feierabendtalk im «Centro». Zwar hatten einige Leute ihre Reservation storniert – aber die, die da waren, kamen in den Genuss eines unterhaltsamen Abends.

Beide Gastgeber hatten es mit alten Bekannten zu tun: Der eine, Kurt «Moos» Gilomen, wuchs im selben Quartier wie Sonja Leuenberger auf, kannte sie schon als «junges, hübsches Mädchen», wie er sagte. Später seien sie jeweils an der Fasnacht um die Häuser gezogen, meinte Gilomen. Der andere, Dagobert «Dago» Cahannes hatte als Regierungssprecher viel mit dem Politiker Zanetti zu tun, vor allem, als dieser Regierungsrat des Kantons Solothurn wurde.

Der «rote Röbu» erzählte im Feierabendtalk von seiner Politisierung schon als Jugendlicher. Als Sohn eines Stahlgiessers habe er beispielsweise die Kaderleute der Von Roll im Centro Gerlafingen provoziert und wurde später als jüngster je gewählter Politiker Mitglied im Gemeinderat Gerlafingen. Zanetti, den man getrost als Retter des Stahlwerks Gerlafingen bezeichnen darf, erzählte in seiner unnachahmlichen, rhetorisch brillanten und humoristischen Art, wie er durch seine guten Kontakte mit dem ehemaligen VR-Präsidenten der Swiss Steel und vormaligen Banker bei der Kreditanstalt und später Credit Suisse, Robert A. Jeker diesen dazu brachte, den Fall Von Roll Gerlafingen nochmals prüfen zu lassen. Er besuchte mit Jeker nicht etwa ein Nobelrestaurant, sondern das Centro Gerlafingen, wo die Stahlarbeiter ihr «Fürobebier» zu nehmen pflegten. Der direkte Kontakt mit den Menschen, deren Existenz davon abhing, dass die Stahl Gerlafingen weiter produzieren konnte, habe den ehemaligen Banker emotional berührt und das gute Ende möglich gemacht. Und Bier spielte stets eine wichtige Rolle ...

Zanettis politische Karriere begann mit 23, heute ist er 65. «Gmeindrot, Kantonsrot, Regierigsrot, Nationalrot und jetzt Ständerot, aber immer rot». Er plauderte auch ein wenig aus dem Nähkästchen, über die Unterschiede zwischen National- und Ständerat: «Im Nationalrat werden Probleme bewirtschaftet, im Ständerat gelöst.» Und er machte auch klar, dass ihm das Politisieren noch so gut gefällt, dass er nicht ans Aufhören denkt. «Bis ich so alt bin wie die zwei Herren, die sich um die amerikanische Präsidentschaft zanggen, dauert es noch drei Legislaturen», so viel wolle er sich aber kaum noch zumuten.

Eine Frau macht, wofür es früher zwei Männer brauchte

Kurt Gilomen zeigte sich sichtlich beeindruckt, als ihm Sonja Leuenberger erzählte, weshalb sie eine ganze Weile nicht mehr in Grenchen anzutreffen war. Die Grenchnerin machte eine ganze Reihe von Aus- und Weiterbildungen im Bereich Psychiatrie und Gerontologie. Sie arbeitete in diversen psychiatrischen Einrichtungen, «immer mit Schlüssel», wie sie schmunzelnd anmerkte. Dort habe sie viel über und von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen gelernt und begonnen, sich für ältere Menschen zu interessieren.

Als die Heimleiterstelle im Altersheim Weinberg frei wurde, ergriff sie die Chance – sie schloss ganz beiläufig auch noch einen Master in Management ab. Wenig später entschloss sich der Stiftungsrat, auch das zweite Haus, das Kastels, unter eine gemeinsame Führung zu stellen. Ihr Hauptjob sei gewesen, die verschiedenen Kulturen zusammenzuführen, das habe mehrere Jahre gedauert. Jetzt führt sie zusammen mit ihrem Team die beiden Häuser unter dem Dach Alterszentren Grenchen.

Ans Aufhören denkt Sonja Leuenberger-Brugger nicht. Sie sei mit viel Herzblut bei ihrer Arbeit, ihrem Team und ihren Bewohnerinnen und Bewohner. Und es gefalle ihr immer noch gut. Klar: Es gebe auch noch andere Ziele im Leben, allerdings wollte sie diese nicht verraten.

Der nächste Feierabend-Talk «Ganz unger üs» findet nach der Sommerpause im Oktober statt.

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