Grenchen
Was sich die «Coro-Narren» alles zur Fasnacht einfallen lassen

In einer Woche wäre Fasnacht. Wäre. Grenchens Närrinnen und Narren gehen konform und doch kreativ mit der schwierigen Situation um.

André Weyermann
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Erinnerung an den 23. Februar 2020.

Erinnerung an den 23. Februar 2020.

Oliver Menge

Das kulturelle Leben steht praktisch still. Dem kann sich auch die wohl grösste Volkskultur, die Fasnacht, nicht entziehen. Eigentlich hätten die Narren seit drei Wochen die Macht in den Händen. Der «Coro-Narr» unter dem Stadtdach versinnbildlicht eindrücklich die Situation: Gefesselt und hinter Gittern muss er akzeptieren, was die epidemiologische Situation diktiert.

Die Entscheidungsträger der Grenchner Fasnacht um Obernarr Patrick Meier waren sich schon früh ihrer Verantwortung bewusst, handelten dementsprechend und sagten alle publikumswirksamen Veranstaltungen der Vereinigten Fasnachtszünfte (VFZ) ab. Die Närrinnen und Narren sind jedoch von jeher kreativ, haben sich die eine oder andere coronakonforme Aktion einfallen lassen, die in den nächsten Wochen etwas Farbe und Freude in die Stadt zaubern wird.

Die Schaufenster

Der erste Happen wurde mit dem oben beschriebenen Hilari-Denkmal bereits verabreicht. Der nächste wird schon bald nachgeschoben. Verschiedene Schaufenster von Grenchner Geschäften werden karnevalesk dekoriert. Die Zusammenarbeit zwischen den Zünften und dem Gewerbe ist traditionell bereichernd, schliesslich amtet bekanntlich Ehrenobernarr Heinz Westreicher auch als Gewerbeverbands-Präsident. So machen sich die «Lunesen» daran, die Bijouterie Maegli am Marktplatz sowie den Coiffeursalon Amadeo an der Marktstrasse fasnachtsgerecht zu gestalten, die «Wiiber» nehmen sich gleich unterhalb die Brockenstube vor.

Die Hilari-Narren ihrerseits zeigen ihr dekoratives Können bei der Dropa Drogerie Arnold. Die «Böögezunft» gibt der Raiffeisenbank einen karnevalesk-spritzigen Anstrich, die Faschingszunft nicht weit davon Roger Lötschers Bier-Kleinod «Granicum». Die Stadtratten, sonst eher für träfwitzige Sprüche in der Gosche verantwortlich, kleiden die Stadtapotheke in ein närrisches Gewand. Dem Vernehmen nach sollen auch die Friedhof Gärtnerei sowie Daniel Gütigers Wohnhaus unterhalb des Südbahnhofes Ziele von fasnächtlich-sympathischen «Anschlägen» werden. Bereits haben auch weitere Schaufenster aus Eigeninitiative fasnächtliche "Couleur" angenommen.

Die «Gosche»

Kein Aufatmen gibt es überdies für Grenchnerinnen und Grenchner, die meinen, dieses Jahr mit ihren kleineren Untaten und Missgeschicken davonzukommen. Die Gosche hat nämlich ihre Bleistifte gespitzt und wird diese und noch viel mehr just am Schmutzigen Donnerstag (11.Februar) publizieren. Aber auch Personen, die nicht mit einer Erwähnung in der Fasnachtszeitung beschenkt werden, können mit einem Präsent am «Schmudo» rechnen.

Die kulinarischen Freuden in Form von Schenkeli, kredenzt durch diverse Grenchner Back-Künstler, welche jeweils am Kinderumzug die Gaumen der Kleinen und Kleinsten erfreuen, werden diesmal durch maskenbewehrte Fasnächtlerinnen und Fasnächtler-natürlich in Kleinstgruppen- an den Bahnhöfen und Busterminals den Pendelnden angeboten.

Die Chesslete

Bleiben wir beim Schmutzigen Donnerstag, der ja jeweils mit der Chesslete so richtig das karnevaleske Treiben einläutet. Auch hier hat man eine Lösung gefunden. Oberchesslerin Sheena Ettlin und ihre Mitstreitenden werden in den nächsten Tagen in den sozialen Medien dazu aufrufen, am Morgen früh Instrumente und wohltuende Krachutensilien auf den Balkonen ertönen zu lassen.

Schliesslich hat sich auch Obergugger Mischu Baier etwas einfallen lassen. Am Fasnachts-Samstag (14. Februar) wird ein künstlerisches Mobile einen Hauch von Karneval unter dem Stadtdach wehen lassen, unterlegt am Abend mit kakophonischer Musik ab Band.

Die Solidaritäts-Plakette

Ein feines Händchen haben die Närrinnen und Narren ja schon früh mit dem philosophischen Motto «se la wi» bewiesen. Ebenso weitsichtig hat sich die Massnahme erwiesen, die wunderschöne Plakette von Hanspeter «Schumi» Schumacher mit keiner Jahreszahl zu versehen. Und ja, auf eine Plakette müssen fasnachtsaffine Personen aus Grenchen und Umgebung auch dieses Jahr nicht verzichten.

Es wurde nämlich eine «Solidaritätsplakette» erstellt, die für 25.40 Franken bei den Zunftmitgliedern zu erstehen ist (Liste hier) Mit diesem Beitrag wird mitgeholfen, in «normalen Zeiten» wieder tolle närrische Tage zu organisieren.

Oliver Menge

Denn wie steht es doch beim «Coro-Narr» unmissverständlich geschrieben: "Die Zyt wird sicher wieder cho, wo d’Narre do chöi zämestoh".

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