Im Frühjahr 2013 hatte das Unternehmen an der Lebernstrasse einen Neubau bezogen. Die alte Liegenschaft konnte an die benachbarte Firma Breitling verkauft werden, die nun über Landreserven für weiteres Wachstum verfügt.

Die alte Siegrist-Fabrik wurde in den letzten Wochen von einer auf Abbrüche spezialisierten Firma Stück für Stück rückgebaut. Die Fabrikliegenschaft ist in mehreren Etappen errichtet worden. Einige Gebäude standen bereits vor 1917 als die W. Siegrist AG das Gelände kaufte. Bereits 1912 begann Walter Siegrist Triebe und Räder für die Uhrenindustrie herzustellen. Mit seinem Schwager Arnold Flury gründete er 1916 die W. Siegrist & Cie.

Die ursprünglich allein auf die Uhrenindustrie ausgerichtete Fabrikation fand bald eine Ausweitung durch Exporte in verschiedene europäische Länder, USA und auch nach Südamerika. Ab 1930 wurde die Herstellung von Ritzeln, Rädern, Laufwerken und Mikrogetrieben für den Apparatebau sowie die Messuhrenfabrikation aufgenommen.

Kleinste Kamera der Welt

Die Produktion von Uhrenteilen wurde laufend reduziert und schliesslich aufgegeben. Ab den sechziger Jahren wurde die «Tessina»-Kamera hergestellt. Die zweiäugige Spiegelreflex-Kamera war laut der Firmenhomepage «die kleinste 35 mm-Kamera der Welt, die je produziert und verkauft wurde». Laut verschiedenen Quellen im Internet spielte eine Grenchner Tessina-Kamera sogar eine Rolle beim «Watergate»-Skandal, der in den 1970er-Jahren den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon sein Amt kostete.

Die Produktion der Tessina wurde 1990 eingestellt. 1995 wurde durch einen Anbau an die bestehende Fabrik die Produktionsfläche verdoppelt. 2005 kam es zu einem Management-Buy-In. Weil ein Wachstum (auch der Produktivität) im verwinkelten Gebäudekomplex nicht mehr möglich war, entschloss sich der neue Besitzer und Geschäftsführer Roland Kobel zu einem Neubau. Wichtige Abnehmer für Siegrist-Zahnräder sind die Medizinaltechnik, die Rüstungsindustrie, die Automobilbranche und Hersteller von mechanischen Messinstrumenten. Sie drehen aber auch in den Innerschweizer Maxon-Motoren, die ihrerseits in Mars-Sonden der Nasa eingebaut wurden.

Seit ein paar Tagen erinnert nichts mehr daran, dass an der Moosstrasse einst eine Fabrik stand, wo auch die kleinste SLR-Kamera der Welt hergestellt wurde. Die Firma Breitling will das Gelände bis auf weiteres als Parkplatz nützen.