Grenchen/Schüpfenheim
Grenchner Eusebiuskirche hat eine Doppelgängerin

Die Dorfkirche im luzernischen Schüpfheim sieht der Grenchner Eusebiuskirche zum Verwechseln ähnlich. Es wird vermutet, dass beide Kirchen vom gleichen Bauherrn entworfen wurden.

Peter Brotschi
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Eusebiuskirche im Zentrum Grenchens.

Eusebiuskirche im Zentrum Grenchens.

Peter Brotschi

2012 feierte die Römisch-katholische Kirchgemeinde von Grenchen das 200-jährige Bestehen ihrer Pfarrkirche. Zwischen 1807 und 1812 wurde sie erbaut, anlässlich des Jubiläums ging eine Sonderausstellung im Kultur-Historischen Museum Grenchen auf die Baugeschichte der Kirche ein.

Wenig bekannt ist, dass die Grenchner Kirche einen fast gleich alten Schwesterbau hat, der ihr sehr ähnlich sieht. Im luzernischen Schüpfheim steht diese Kirche unübersehbar mitten im Dorf. Sie wurde von Baumeister Niklaus Purtschert (1750 –1815) geschaffen.

Der Baubeginn liegt im Jahre 1805, also nur zwei Jahre vor dem Baustart der Grenchner Kirche. 1829 wurde das Entlebucher Dorf von einer Brandkatastrophe heimgesucht. Die noch fast neue Kirche überlebte diesen Dorfbrand.

Der Grenchner Sakralbau wurde am 4. Oktober 1812 durch den Bischof von Lausanne eingeweiht. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist auch Niklaus Purtschert der Verfasser des Baurisses. Ältere Grenchnerinnen und Grenchner erinnern sich noch an die letzte grosse Aussenrenovation von 1961 bis 1968, als der Turmhelm sein heutiges Aussehen erhielt und auf der Ostseite die Taufkapelle angebaut wurde.

Der Altar, der Tabernakel und das Farbfenster wurden von Künstler Peter Travaglini aus Büren an der Aare geschaffen. 1973 bis 1975 erfolgte die Innenrenovation, die ja erst kürzlich wieder aufgefrischt wurde.

Dreigliedrige Hauptfassade

Bei beiden Kirchen fällt auf, dass die Hauptfassade dreiteilig gegliedert ist und sich über den drei Portalen Nischen für Statuen befinden. Ebenso steht bei beiden Kirchen der Turm am gleichen Ort.

Der Schwesterbau der Eusebiuskirche steht im luzernischen Schüpfheim und wurde zwischen 1750 und 1815 erbaut.

Der Schwesterbau der Eusebiuskirche steht im luzernischen Schüpfheim und wurde zwischen 1750 und 1815 erbaut.

Peter Brotschi

Ob weltliche oder sakrale Bauten, der Alterungsprozess ist überall gleich. Auch die Kirche in Schüpfheim wurde zwischen 1977 und 1979 aussen und innen total restauriert, und in den Jahren 2009 und 2010 wurde der Altarbezirk erneuert. Sie ist den Aposteln Johannes und Paulus geweiht, während die Grenchner Kirche den Heiligen Eusebius, Bischof von Vercelli (um 283–371), zum Namenspatron hat.

Niklaus Purtschert schuf noch zahlreiche weitere Kirchenbauten, hauptsächlich in der Zentralschweiz. Auch die Kirchen von Ruswil LU, Reiden LU und Wohlen AG zeigen beispielsweise die gleiche Charakteristik der dreigliedrigen Hauptfassade mit den Nischen. Der Baumeister war als Grossrat des Kantons Luzern auch politisch tätig.