Made im Kanton Solothurn
Grenchner Eterna AG verbreitert Uhrenpalette und sucht neue Märkte

Mit Gründungsjahr 1856 gilt die Eterna als eine der ältesten Uhrmanufakturen in der Schweiz. Entsprechend ist die Grenchner Marke weltweit bekannt. Trotz mehrerer Besitzerwechsel soll dies auch künftig so bleiben, versichert CEO Patrick Kury.

Franz Schaible
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Eterna-CEO Patrick Kury präsentiert die Manufaktur in Grenchen.

Eterna-CEO Patrick Kury präsentiert die Manufaktur in Grenchen.

Hanspeter Bärtschi

So wischt er Bedenken vom Tisch, dass mit der 2011 erfolgten Übernahme durch die China Haidian Holdings Eterna zur chinesischen Marke mutieren wird. «Das höchste Gut der Eterna ist Made in Switzerland.» Die Produktion werde deshalb sicher nicht nach China verlagert. Gerade im asiatischen Raum zähle das Swissmade-Label enorm viel. «Mit einer Auslagerung der Produktion aus der Schweiz würden wir uns unser eigenes Grab schaufeln», zeigt sich Kury überzeugt.

Neue Strategie soll Erfolg bringen

Gewechselt hat hingegen mit dem Einstieg der Chinesen die strategische Ausrichtung, wie Kury weiter erläutert. «Und das war dringend nötig.» Eterna habe nämlich seit Anfang der 90er-Jahre bis vor kurzem auf dem globalen Markt an Terrain verloren. Die vollständige Ausrichtung auf eine Manufaktur, also eine Uhrenfirma, welche die eigenen Uhrwerke herstellt, und damit auf das oberste Preissegment, habe sich als nur langfristig realisierbar erwiesen.

Girard/Schild: Arzt und Lehrer legen Fundament für Eterna

Nur wenige Solothurner Firmen können wie die Eterna in Grenchen auf eine 156-jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken. 1956 gründen der Arzt Josef Girard und der Lehrer Urs Schild die Rohwerkfabrik Dr. Girard&Schild. Nur einige Jahre später verkauft der Mediziner für 35000 Franken seine Anteile an Schild, um wieder als Arzt arbeiten zu können. In den 1870er-Jahren wird in einem Neubau die erste komplett selbst gefertigte Uhr hergestellt. Damit mutiert das Ebaucheswerk zur Manufaktur. Urs Schild, inzwischen auch Nationalrat, stirbt 1886, ein Jahr später erscheint erstmals der Name Eterna auf dem Zifferblatt einer Taschenuhr. Zwischen 1899 und 1932 führt der Maschinenbauingenieur Theodor Schild das Unternehmen. In diesem Jahr kommt es zur grossen Zäsur. Das Unternehmen wird in zwei Aktiengesellschaften, der Eta AG für die Fabrikation der Rohwerke (gehört heute zur Swatch-Gruppe) und die Eterna AG für die Fertigung der Präzisionsuhren, aufgeteilt. Bis in die 80er-Jahre macht Eterna Furore mit vielen Innovationen und setzt teilweise technische Standards. 1980 etwa bricht Eterna mit der Linie «Museum» den absoluten Flachheitsrekord aller Kategorien: Die analoge Quarz-Armbanduhr misst samt Gehäuse nur 0,98 Millimeter. 1995 übernimmt der Designer Ferdinand Alexander Porsche mit seiner F.A.P. Beteiligungs-GmbH die traditionsreiche Uhrenfirma. Drei Jahre später kommt die erste Porsche-Design-Kollektion auf den Markt. In den 2000er-Jahren besinnt sich Eterna ihrer Manufaktur-Vergangenheit und forciert den Bau eigener Uhrwerke. Das kostet viel Geld und löst die Suche nach einem Partner aus. Diese führt 2011 zur Übernahme durch die chinesische China Haidian Holdings. An der Manufaktur wird festgehalten, gleichzeitig setzt Eterna aber in Grenchen auch auf mechanische Uhren mit zugekauften Uhrwerken und ebenso auf Quarzuhren.(FS)

Neu pflege Eterna drei Produktsegmente. Mechanische Uhren mit eigenem Uhrwerk, mechanische Uhren mit eingekauftem Uhrwerk und Quarzuhren, verrät der 40-jährige Kury. Damit kann Eterna verschiedene Kundengruppen ansprechen. Die Uhren aus der Manufaktur kosten laut Firmenangaben zwischen 5000 bis über 200000 Franken, wobei der Grossteil für 5000 bis 12000 Franken über den Ladentisch geht. Die Preise für Uhren mit eingekauftem Uhrwerk liegen zwischen 1700 und 10000 Franken, die Mehrheit zwischen 1700 und 6000 Franken. Deutlich günstiger sind die Eterna-Quarzuhren zu haben.

Und die Diversifikation lohne sich, sagt Kury. «Im laufenden Jahr werden wir die Produktion gegenüber dem Vorjahr verdreifachen können und die Traditionsmarke wird wieder profitabel.» Er rechnet mit insgesamt rund 30000 verkauften Uhren. Die Absatzanteile lägen bei 10 Prozent im teuersten (Manufaktur), 60 Prozent im mittleren und 30 Prozent im unteren Preissegment. Bei den Umsatzzahlen gibt sich der Eterna-Chef zugeknöpft und nennt nur die Anteile von 15, 70 und 15 Prozent. Nach Branchenschätzungen wird die Grenchner Uhrenfirma rund 35 bis 40 Millionen Franken umsetzen. Der Aufschwung zeigt sich auch im Personalbestand. Anfang 2012 waren es 63 Angestellte in Grenchen, aktuell sind es 70 und Ende Jahr sollen es gegen 80 sein.

Nebst der Ausrichtung auf die drei erwähnten Segmente führt Kury zwei weitere Punkte für die positive Entwicklung an. «Wir haben das Design modernisiert, sind aber dem seit über 150 Jahren geltenden klassischen Erscheinungsbild treu geblieben.» Ausserdem investiere Eterna verstärkt in den Aufbau neuer Märkte, vor allem im Raum Asien. In der Vergangenheit sei Europa der Hauptmarkt gewesen. Deshalb habe Eterna vom momentanen Hoch in der Uhrenkonjunktur nicht profitieren können, was sich nun aber ändere.

Investitionen in eigene Uhrwerke

Viel investiert wird in die Weiterentwicklung der eigenen Uhrwerke, dem Herzen jeder Uhr. Zu den momentan sieben gebauten Modellen sollen weitere hinzukommen. «Sie sind modular aufgebaut und können für bis zu 80 verschiedene Anzeigen und Funktionen eingesetzt werden», sagt Kury und zeigt die Kostbarkeiten.

Spätestens jetzt ist die Begeisterung Kurys für das Handwerk spürbar, wenn er die Funktionen und die Neuheiten im Präzisionsstück erklärt und sichtbar macht. Der gelernte Uhrmacher mit Meisterprüfung und einem Handelsdiplom weiss, wovon er spricht. Seit 2005 bis zur Ernennung zum CEO im vergangenen Herbst war er Technischer Direktor der Eterna und damit direkt an den Neuentwicklungen beteiligt.

Vorerst werden die Uhrwerke nur für den Eigenbedarf eingesetzt, will doch Eterna die Produktion der Manufaktur-Uhren im kommenden Jahr verdreifachen. «Ein Verkauf der Uhrwerke an Dritte, ausgewählte Partner, ist längerfristig denkbar. Dank dem erwähnten modularen System wäre dies problemlos möglich.»