So wischt er Bedenken vom Tisch, dass mit der 2011 erfolgten Übernahme durch die China Haidian Holdings Eterna zur chinesischen Marke mutieren wird. «Das höchste Gut der Eterna ist Made in Switzerland.» Die Produktion werde deshalb sicher nicht nach China verlagert. Gerade im asiatischen Raum zähle das Swissmade-Label enorm viel. «Mit einer Auslagerung der Produktion aus der Schweiz würden wir uns unser eigenes Grab schaufeln», zeigt sich Kury überzeugt.

Neue Strategie soll Erfolg bringen

Gewechselt hat hingegen mit dem Einstieg der Chinesen die strategische Ausrichtung, wie Kury weiter erläutert. «Und das war dringend nötig.» Eterna habe nämlich seit Anfang der 90er-Jahre bis vor kurzem auf dem globalen Markt an Terrain verloren. Die vollständige Ausrichtung auf eine Manufaktur, also eine Uhrenfirma, welche die eigenen Uhrwerke herstellt, und damit auf das oberste Preissegment, habe sich als nur langfristig realisierbar erwiesen.

Neu pflege Eterna drei Produktsegmente. Mechanische Uhren mit eigenem Uhrwerk, mechanische Uhren mit eingekauftem Uhrwerk und Quarzuhren, verrät der 40-jährige Kury. Damit kann Eterna verschiedene Kundengruppen ansprechen. Die Uhren aus der Manufaktur kosten laut Firmenangaben zwischen 5000 bis über 200000 Franken, wobei der Grossteil für 5000 bis 12000 Franken über den Ladentisch geht. Die Preise für Uhren mit eingekauftem Uhrwerk liegen zwischen 1700 und 10000 Franken, die Mehrheit zwischen 1700 und 6000 Franken. Deutlich günstiger sind die Eterna-Quarzuhren zu haben.

Und die Diversifikation lohne sich, sagt Kury. «Im laufenden Jahr werden wir die Produktion gegenüber dem Vorjahr verdreifachen können und die Traditionsmarke wird wieder profitabel.» Er rechnet mit insgesamt rund 30000 verkauften Uhren. Die Absatzanteile lägen bei 10 Prozent im teuersten (Manufaktur), 60 Prozent im mittleren und 30 Prozent im unteren Preissegment. Bei den Umsatzzahlen gibt sich der Eterna-Chef zugeknöpft und nennt nur die Anteile von 15, 70 und 15 Prozent. Nach Branchenschätzungen wird die Grenchner Uhrenfirma rund 35 bis 40 Millionen Franken umsetzen. Der Aufschwung zeigt sich auch im Personalbestand. Anfang 2012 waren es 63 Angestellte in Grenchen, aktuell sind es 70 und Ende Jahr sollen es gegen 80 sein.

Nebst der Ausrichtung auf die drei erwähnten Segmente führt Kury zwei weitere Punkte für die positive Entwicklung an. «Wir haben das Design modernisiert, sind aber dem seit über 150 Jahren geltenden klassischen Erscheinungsbild treu geblieben.» Ausserdem investiere Eterna verstärkt in den Aufbau neuer Märkte, vor allem im Raum Asien. In der Vergangenheit sei Europa der Hauptmarkt gewesen. Deshalb habe Eterna vom momentanen Hoch in der Uhrenkonjunktur nicht profitieren können, was sich nun aber ändere.

Investitionen in eigene Uhrwerke

Viel investiert wird in die Weiterentwicklung der eigenen Uhrwerke, dem Herzen jeder Uhr. Zu den momentan sieben gebauten Modellen sollen weitere hinzukommen. «Sie sind modular aufgebaut und können für bis zu 80 verschiedene Anzeigen und Funktionen eingesetzt werden», sagt Kury und zeigt die Kostbarkeiten.

Spätestens jetzt ist die Begeisterung Kurys für das Handwerk spürbar, wenn er die Funktionen und die Neuheiten im Präzisionsstück erklärt und sichtbar macht. Der gelernte Uhrmacher mit Meisterprüfung und einem Handelsdiplom weiss, wovon er spricht. Seit 2005 bis zur Ernennung zum CEO im vergangenen Herbst war er Technischer Direktor der Eterna und damit direkt an den Neuentwicklungen beteiligt.

Vorerst werden die Uhrwerke nur für den Eigenbedarf eingesetzt, will doch Eterna die Produktion der Manufaktur-Uhren im kommenden Jahr verdreifachen. «Ein Verkauf der Uhrwerke an Dritte, ausgewählte Partner, ist längerfristig denkbar. Dank dem erwähnten modularen System wäre dies problemlos möglich.»