Industrie

Grenchner Etampa verlagert Teil der Produktion ins Ausland

Der Grenchner Standort der Etampa.

Der Grenchner Standort der Etampa.

Die Etampa AG errichtet in Tschechien in der Nähe von Brünn (Brno) einen zweiten Produktionsstandort. Die zu diesem Zweck neu gegründete Firma Etampa-Metra ist ein Joint Venture mit dem tschechischen Unternehmen Metra Blansko.

Die Grenchner Etampa AG errichtet in Tschechien in der Nähe von Brünn (Brno) einen zweiten Produktionsstandort. Die zu diesem Zweck neu gegründete Firma Etampa-Metra ist ein Joint Venture mit dem tschechischen Unternehmen Metra Blansko. Es würden einzelne Produktionsstellen ins Ausland verlagert, Grenchen bleibe aber «Denkschmiede und Technologiezentrum». Dies teilte Etampa am Dienstag mit.

Die für Grenchen zwiespältige Nachricht wird in der Pressemitteilung positiv dargestellt. «Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit und darauf, miteinander neue Märkte zu erschliessen», lässt sich Inhaber und Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Haefeli zitieren. «Die Weichen stehen auf Wachstum. Wir freuen uns sehr, dass wir in Metra Blansko ein traditionsbewusstes und gleichzeitig innovatives Unternehmen gefunden haben, mit dem wir die Etampa-Metra als Joint Venture gründen konnten und das sehr gut zu uns passt.»

«Komplementär» zu Grenchen

Etampa hält an Etampa-Metra eine Mehrheitsbeteiligung von 60 Prozent. Metra Blansko wurde 1911 gegründet; der ins Joint Venture eingebrachte Teil des Unternehmens sei in der Blechbearbeitung aktiv, fertige hochwertige Blechgehäuse (beispielsweise für Ticketautomaten oder Maschinen-Verschalungen) und sei darüber hinaus auf die Weiterverarbeitung und Oberflächenbehandlung spezialisiert. «Damit verhält sich die Unternehmenstätigkeit von Etampa-Metra komplementär zur schweizerischen Muttergesellschaft», wie es heisst. In Grenchen werden vor allem Stanz- und Feinschneidprodukte entwickelt und produziert. Das neu gegründete Unternehmen beschäftigt derzeit 78 Mitarbeiter und werde seine Tätigkeit «mit sofortiger Wirkung aufnehmen».

Auch Etampa-Geschäftsführer Daniel Brügger will auf Anfrage nicht von einer schlechten Entwicklung sprechen, obwohl in Grenchen im Endeffekt Arbeitsplätze verloren gehen. Denn Teile der Produktion werden von Grenchen nach Tschechien verlagert. «Ich möchte ausdrücklich betonen, dass es sich wirklich nur um einzelne Stellen handelt», so Brügger. Er gehe von sechs bis sieben Arbeitsplätzen aus. Heute beschäftigt Etampa rund 85 Personen.

Konkretes folgt erst

Erst vor eineinhalb Jahren hatte Etampa eine Feintool-Feinschneidpresse der neusten Generation installiert. Welche Produktionsmittel nach Tschechien verlagert werden, darüber könne man zurzeit noch nichts sagen, auch nicht darüber, welche Arbeitsplätze in Grenchen verschwinden. «Wir stehen mit dem Start des Joint Ventures am Punkt null. Dessen konkrete Ausgestaltung wird in den nächsten Wochen festgelegt.» Es sei aber erklärtes Ziel, zu wachsen, betont auch Brügger, der den Betrieb seit September 2014 leitet.

Auslastung gut, Marge nicht so...

«Die Auslastung ist gut, die Marge nicht so», bringt es Brügger auf den Punkt. Man habe bereits vor knapp zwei Jahren damit begonnen, die Standortfrage für ein zweites Standbein intern zu diskutieren; dabei wurden auch andere Länder in Osteuropa geprüft. Im Frühjahr 2014 seien dann über Treuhänder erste Sondierungsgespräche geführt worden.

SNB «beschleunigt»

Er betont, dass die Aufwertung des Frankens die Entwicklung nicht ausgelöst, aber die Freigabe des Wechselkurses im Januar dieses Jahres «die unternehmerische Entscheidung Richtung Tschechien deutlich beschleunigt» habe. «Durch die Aufwertung unserer Währung ist uns im internationalen Umfeld leider ein Wettbewerbsnachteil entstanden, und hier war und ist es unsere unternehmerische Pflicht, richtige Entscheidungen zu treffen.» Es gehe um die langfristige Sicherung der Firmenzukunft.
Ein weiterer Grund für den Schritt sei die Nähe zu Grosskunden (z. B. in der Automobilindustrie), welche selbst in Tschechien und Umgebung fertigen und diesen Schritt begrüssen oder sogar ausdrücklich wünschen. So entfallen zum einen lange Transportwege, zum anderen könne der direkte Austausch deutlich intensiviert werden.

«Denkschmiede» Grenchen

Geplant sei in diesem Zusammenhang auch ein «intensiver Austausch von Fachpersonal» zwischen Etampa und Etampa-Metra an beiden Standorten, um eine sorgfältige Ausbildung der Mitarbeiter zu gewährleisten. «Denkschmiede und Technologie-Zentrum» des Unternehmens bleibe in jedem Fall der Standort Grenchen, führt Brügger weiter aus. Auch die Lehrlingsausbildung sei nicht tangiert.

Etampa-Metra werde den Vertrieb ihrer Stanzteile auch in Tschechien vorantreiben; der Vertrieb der hochwertigen Blechgehäuse werde darüber hinaus auch in der Schweiz forciert: «Allein in der Schweiz hat man bisher mit den Blechgehäusen 30 Prozent des Firmenumsatzes getätigt. Diesen Anteil wollen wir nun vergrössern», erläutert Verwaltungsrats-Präsident Haefeli in der Medienmitteilung.

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