Giuseppe Mazzini, der italienische Freiheitskämpfer des Risorgimento, bekam 1836–1837 als politischer Flüchtling Asyl in Grenchen. Dieser Umstand sorgt bis heute für regelmässige Kontakte mit Italien, insbesondere mit Mazzinis Geburtsstadt Genua, wo dieser auch begraben ist. Genua hat zu Ehren von Mazzinis Asylgebern sogar eine Strasse beim dortigen Mazzini-Denkmal nach Grenchen benannt.

Anlässlich von Gedenkfeierlichkeiten, welche am vergangenen Wochenende in Genua zu Ehren Mazzinis stattfanden, lud Genuas Sindaco (Bürgermeister) Marco Bucci den Grenchner Stadtpräsidenten François Scheidegger und Vertreter der hiesigen Mazzini-Stiftung mit Präsidentin Ruth Zurschmiede zu Feierlichkeiten in die norditalienische Hafenstadt ein. «Wir haben diese Einladung gerne angenommen und dabei zwei interessante und intensive Tage erlebt», resümiert Scheidegger.

Mit dem Feuerwehrauto

Mit einem Mannschaftsfahrzeug der Grenchner Feuerwehr gings am Samstag früh um 7 Uhr los. Am Steuer chauffiert von Gemeinderat und Garagist Ivo von Büren, traf man nach einer problemlosen Fahrt ohne Stau um 13 Uhr am Ziel ein. «Ab 17 Uhr folgte ein dichtes Programm mit Besuchen, Grussadressen, (Podiums-)Diskussionen und Führungen durch historische Gebäude.»

Auftakt machte eine Führung durch den prachtvollen Palazzo Ducale (Herzogspalast), wo unter anderem auch der G-8-Gipfel stattfand, gefolgt vom offiziellen Empfang mit Diner der Associazione Mazziniana Italiana (Mazzini-Vereinigung, die in Italien zahlreiche lokale Sektionen hat) im Palazzo Rosso an der Via Garibaldi.

Italianità für Grenchen

Immer wieder war auch Scheidegger aufgefordert, Grussadressen an die Anwesenden zur richten, welche von Salvatore Faga als Vertreter der Italienervereine Grenchens übersetzt wurden. Der Grenchner Stadtpräsident unterstrich dabei nicht nur die Bande, die Mazzini vor rund 180 Jahren knüpfte, sondern auch die starke italiensche Präsenz in Grenchen durch den Bau des Grenchenbergtunnels, welcher ohne die italienischen Bauarbeiter nicht möglich gewesen wäre. «Und auch in den 60er und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts haben viele Menschen aus Italien Arbeit in unseren Uhrenfabriken gefunden. Viele sind geblieben und tragen mit ihrer Italianità viel zur Lebendigkeit Grenchens bei.»

Feierliche Kranzniederlegung

Am Sonntag war eine feierliche Kranzniederlegung beim Grab von Mazzini und eine Führung durch den Friedhof von Staglieno angesagt. Stadtschreiberin Luzia Meister erinnert sich dabei speziell an eine Begegnung mit einem betagten Mann, «der stolz von der Öffnung von Mazzinis Grab erzählt hat, welcher er anlässlich der Ausrufung der neuen Italienischen Republik nach dem 2. Weltkrieg beigewohnt hat».

Überhaupt, so Meister weiter, seien die Feiern von einer eindrücklichen Portion Pomp, mit Uniformen, Blasmusik und kunstvoll gestalteten historischen Fahnen und Standarten begleitet worden. Der Text der italienischen Nationalhymne lehne sich übrigens stark an Mazzinis Gedanken an, der nebst Menschenrechten auch «Menschenpflichten» formuliert und propagiert habe.

Herzlicher Empfang

Am Nachmittag wurde auch noch das Geburtshaus von Mazzini besucht, welches heute ein Museum ist. Vor der Rückfahrt am Montagmorgen stand schliesslich eine Unterredung der beiden Stadtpräsidenten auf dem Programm. «Es wurden Geschenke ausgetauscht und die freundschaftliche Verbundenheit zwischen Grenchen und Genua bekräftigt», erzählt Scheidegger. Man sei sehr herzlich empfangen worden und sei in allen Belangen Gast gewesen – auch finanziell. «Wir mussten nur unsere Anreise selber organisieren.»