Grenchen hat trotz entsprechenden Befürchtungen keinen Grund zum Klagen, was die Kantonsratswahlen anbelangt. Am vergangenen Wahlwochenende sind gleich zwei Grenchner (zusätzlich) in den Kantonsrat gewählt worden und sorgen damit dafür, dass die krasse Untervertretung der Uhrenstadt im Kantonsrat jetzt zumindest etwas gelindert wird. Neu ins Gremium geschafft haben es SP-Präsident Remo Bill und SVP-Präsident Richard Aschberger.

Grenchen stellt somit folgende Kantonsräte: Angela Kummer (bisher) und Remo Bill (neu, beide SP), Hubert Bläsi (FDP, bisher), Peter Brotschi (CVP bisher), Richard Aschberger (SVP, neu) und Nicole Hirt (GLP, bisher).

Positiv für die Region Grenchen ist zudem die Wahl der Bettlacher Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut (FDP), die indirekt in die Fussstapfen des zurückgetretenen Leonz Walker (SVP) tritt. Auch Matthias Stricker (SP Bettlach) ist wiedergewählt worden.

Stapi sorgt sich um Beteiligung

Trotz Aufruf des Stadtpräsidenten ist die Stimmbeteiligung in Grenchen fast auf einen historischen Tiefpunkt abgesackt. Nur bei den Kantonsratswahlen 2009 lag sie mit 25,4 Prozent noch tiefer.  Mit jetzt 26,7 Prozent liegt sie aber um 14,4 Prozent tiefer als in der Kantonshauptstadt und 8,7 Prozent unter dem Kantonsdurchschnitt. Stadtpräsident François Scheidegger zeigt sich zwar erfreut, dass die Grenchner Delegation im Rathaus grösser geworden ist. «Die tiefe Stimmbeteiligung macht mir aber Sorgen», meint er.

So oder so freuen sich die beiden Neugewählten, wie sie auf Anfrage betonen. «Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich Ivo von Büren gleich überflügle», meint der frischgewählte SVP Parteipräsident Richard Aschberger. Eine erste Analyse habe gezeigt, dass er auch viele Stimmen von ausserhalb Grenchens erhalten habe. Auch habe die SVP in Grenchen zulegen können. Jetzt sei Grenchen im Kantonsrat «endlich anständig vertreten», meint Aschberger angesichts der gewachsenen Grenchner Delegation.

Dazu gehört SP-Präsident Remo Bill, der ebenfalls neu in den Kantonrat gewählt wurde. Er freue sich, jetzt Teil der Grenchner Delegation zu sein und werde sich für die Region Jurasüdfuss einsetzen, meint Bill. Den Wahlerfolg führt er unter anderem auch auf eine Telefonaktion zurück, welche zu guten Gesprächen mit der Bevölkerung geführt habe. «Das Resultat unserer Kandidaten macht mich auch zuversichtlich für die Gemeinderatswahl», erklärt Bill.

Vertreter der Polparteien

Wenn ein SVP- und ein SP-Mitglied gewählt werden, heben sich diese dann in ihrer Politik gegenseitig auf? Sowohl Aschberger als auch Bill betonen, dass dies nicht der Fall sein werde, jedenfalls nicht beim Lobbying für Grenchen. Gemeinsam werde man sich für die Anliegen der Stadt einsetzen.

Aschberger regt an, dass sich die Grenchner Kantonsräte zu einer Koordinationssitzung treffen sollen.