SVP mit Sitz

Grenchner Bürgerrat wurde insgeheim um eine Partei reicher

Richard Aschberger vor dem Bürgerhaus Grenchen, wo er künftig als Ratsmitglied amtet.

Richard Aschberger vor dem Bürgerhaus Grenchen, wo er künftig als Ratsmitglied amtet.

Richard Aschberger wird neuer Bürgerrat in Grenchen – damit ist die SVP, anders als die SP, wieder Exekutivmitglied. Besonders interessiert ihn das Thema Einbürgerungen, weshalb er sich auch für die Einbürgerungskommission bewerben wird.

Dass der 12-köpfige Bürgerrat von Grenchen einmal mehr in stiller Wahl beordert wurde, täuscht. Tatsächlich hat in der Exekutive der Bürgergemeinde ein Mini-Rechtsrutsch stattgefunden: Mit Richard Aschberger holt sich seit längerem erstmals wieder ein Vertreter der SVP einen Sitz. Der 28-jährige Präsident der SVP Grenchen übernimmt das Mandat von Jürg Schild (CVP), der als Ersatzrat für Andreas Marti nach dessen Demission nachgerutscht war. Richard Aschberger freut sich sehr. «Die Arbeit in der Bürgergemeinde ist sehr spannend, und sie ermöglicht es mir und meiner Partei, alle behördlichen Bereiche in der Stadt abzudecken.» Besonderes Interesse hat der Secondo auch am Thema Einbürgerungen, weshalb er sich für die Einbürgerungskommission bewerben wird.

Die SVP war bisher lediglich in den Legislaturen 2001–2005 und 2005–2009 im Bürgerrat vertreten. Die 30 Jahre davor füllten stets nur die FDP, gefolgt von der CVP und einer Zeit lang auch der SP die Bänke im fast 100-jährigen Bürgerhaus Grenchens. Die Entwicklung der letzten 40 Jahre zeigt die Tabelle rechts. Die SP ist seit 2002 nicht mehr vertreten. Ruth Burkhart war die letzte Sozialdemokratin, die im Bürgerrat noch ein Amt besetzte.

Parteienvielfalt ist ein Vorteil

Bürgerratspräsident Franz Schilt heisst das neue Ratsmitglied Richard Aschberger willkommen. Man sei froh, über jede Grenchnerin und jeden Grenchner, der sich für die Bürgergemeinde engagieren wolle. Parteien spielten in der Bürgergemeinde weniger eine Rolle. «Wir arbeiten sachbezogen und nicht politisch.» Von Aschberger wisse er seit längerem, dass er sich für die Bürgergemeinde interessiert und sich engagiert. Erfreut ist Franz Schilt auch darüber, dass die Sitzübernahme der SVP einvernehmlich geschah, in Absprache mit FDP und CVP. Parteienvielfalt sei wichtig, auch wenn man heute ohne die SP arbeiten müsse.

Tatsache ist: Ratsmitglieder zu finden, ist schwieriger denn je. Besonders jüngere Frauen oder Männer zu rekrutieren, ist zur schier unmöglichen Aufgabe geworden. Aschberger ist der einzige Bürgerrat unter 40. Zwei Drittel des Bürgerrates sind über 50 oder 60 Jahre alt.

Das Image der Bürgergemeinde ist heute ein verstaubtes, sodass sich kaum mehr jemand für seinen Heimatort engagieren will. Immerhin 902 Bürgerinnen und Bürger hatte die Bürgergemeinde per Ende März 2012; 510 Frauen und 392 Männer. Die Aufgaben wären eigentlich vielfältig, die Besitztümer riesig: Die Gemeinde Grenchen erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 2600 Hektaren – fast die Hälfte davon, rund 1200 Hektaren, gehören der Bürgergemeinde. Das meiste davon ist Wald (über 900 ha), dann Weiden und Kulturland in der Witi, der Steinbruch Firsi sowie Baurechtsparzellen und Liegenschaften auf dem Stadtgebiet. Die drei Berghöfe Stierenberg, Untergrenchenberg und Obergrenchenberg gehören ebenfalls der Bürgergemeinde. Sie sind alle bewohnt und verpachtet.

Vielfältige, fordernde Aufgaben

Auch grosse Projekte werden begleitet oder ausgeführt, beispielsweise das Waldstrassensanierungsprojekt 2012–2016, bei dem zuletzt Unterhaltsarbeiten am Tuffgrubenweg und am Wasserlochweg umgesetzt wurden. Aber auch der Nahwärmeverbund Zentrum, den die Bürgergemeinde exklusiv mit Holzschnitzeln beliefert, oder der geplante Windpark der SWG, den die Bürgergemeinde seit jeher unterstützt, wie Franz Schilt betont.

Die Forstverwaltung und Patrik Mosimann betreuen, pflegen und bewirtschaften den Wald zwischen 500 und 1400 Metern über Meer und setzen sich dabei mit den Interessen verschiedenster Nutzergruppen auseinander. Auch bei Katastrophen ist der Forstbetrieb stark gefordert. So zum Beispiel, als im Dezember 2011 das Orkantief «Joachim» zu erheblichen Schäden im Bergwald und an der Bergstrasse und damit zu Sicherheitsrisiken führte. Langweilig wird es einem weder als Angestellter noch als Ratsmitglied. Aber vielleicht ist eben gerade das der Grund, warum sich viele Grenchner Bürgerinnen und Bürger vor einem Engagement scheuen.

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