Leidenschaft
Grenchner Architekt fliegt auf Flugzeug- und Automodelle

Der Grenchner Architekt Mathias Mühlemann machte aus einer Leidenschaft ein Geschäft. Der 46-Jährige verkauft Nachbauten von Flugzeugen, Autos, Zügen und Segelschiffen.

Andreas Toggweiler
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Der Grenchner Architekt Mathias Mühlemann und seine Begeisterung für die Modellwelt
17 Bilder
Von der Queen Mary, ganz oben, bis zum modernen Containerschiff
Spitfire der Royal Air Force
Segelschiffe, hinten links die HMS Victory
Schnelle Klipper, Teefrachter, Schulschiffe
Schwimmfähige Modellboote
Modell der Discovery
Die Titanic, allerdings unter falscher Flagge
Elektro-Güterlokomotive der Deutschen Bahn
Sogar das Wellblech der Tante Ju ist nachgebildet
Die Modelle sind detailliert aus Holz und Metall gefertigt
Diese Modellautos waren einst motorisiert
Automobilmodelle
Deckaufbauten
Aluminiummodell einer Ford Tri Motor
Von der Queen Mary, ganz oben, bis zum modernen Containerschiff
Das erste Modellschiff von Mühlemann bekam einen Ehreplart in der Ausstellung

Der Grenchner Architekt Mathias Mühlemann und seine Begeisterung für die Modellwelt

Hanspeter Bärtschi

Das Architekturbüro Mühlemann + Partner an der Kastelsstrasse war bisher bekannt für Industrie-Architektur gehobenen Standards. Gebäude wie die Stryker-Fabrik in Selzach, Puma in Oensingen oder der Hauptsitz von Peugeot Schweiz in Moosseedorf sowie weitere Industriebauten in der Schweiz und im Ausland stammen aus der Feder des Grenchner Architekturbüros.

Das dem Wohnhaus angegliederte Atelier sieht aber heute ganz anders aus als noch vor ein paar Monaten. Wo einst eine Handvoll Architekten ihre Pläne zeichneten, ist ein Showroom entstanden mit einigen Dutzend massstabgetreuen Museumsmodellen von historischen Verkehrsmitteln: Flugzeuge, Autos, Züge, Segelschiffe – quasi ein kleines Verkehrshaus hat sich angesammelt, hervorragend geeignet, Buben- und Männerherzen höherschlagen zu lassen.

Ein Modell eines historischen TEE-Zuges steht neben einem Ford-Tri-Motor-flugzeug, die «Tante Ju» aus blitzendem Aluminium scheint derweil auf Passagiere zu warten. Weiter erheischen minuziös nachgebaute Segelschiffe Aufmerksamkeit des Besuchers, aber auch Containerschiffe, Fischtrawler und ein Kriegsschiff. Nicht fehlen dürfen Modelle der Passagierdampfer «Queen Mary» und «Titanic». Kurz: Technikbegeisterte und Fans alter Zeiten können sich hier nicht sattsehen.

Alles begann mit Schiffsmodell

Ein Leuchten kommt auch in die Augen von Architekt Mathias Mühlemann, wenn er erzählt, wie und wieso er sich diese kleine Miniaturwelt aufgebaut hat. Alles habe damit angefangen, als er vor vielen Jahren ein Modell des Passagierdampfers «Empress of Ireland» entdeckt habe, über einen Meter lang und detailliert nachgebaut. «Und noch mehr habe ich gestaunt, dass man dieses Modell auch kaufen konnte.» Seither stand es in seinem Büro und zog die Bewunderung von Kollegen, Besucherinnen und Besuchern auf sich.

Der 46-jährige Architekt hat sich kürzlich entschlossen, beruflich etwas kürzerzutreten und dafür tiefer in diese Modellwelt einzutauchen. Sein sieben- bis zehnköpfiges Mitarbeiterteam arbeitet derweil schwergewichtig von zu Hause aus. Die Firma spezialisierte sich auf Planung und Baumanagement. «Home Office funktioniert in unserer Branche recht gut», meint Mühlemann. Den frei werdenden Platz konnte er jetzt für seine neue Modellgalerie einsetzen, die grösste ihrer Art in der Schweiz, wie er sagt.

Man kann sie alle kaufen

«Ich möchte meine Begeisterung mit all jenen teilen, die auch ein Flair für diese schönen Objekte haben», meint Mühlemann. Und vor allem, ihnen diese Modelle zugänglich machen. Denn man kann sie alle kaufen, zu überraschend günstigen Preisen. Wer beispielsweise einen (mit Ausnahme der Farbgestaltung) sehr originalgetreuen Nachbau aus Holz der «HMS Victory», Flaggschiff von Lord Nelson an der legendären Seeschlacht von Trafalgar, erwerben möchte, muss dafür nur 1350 Franken investieren. Peanuts, wenn man den Stundenaufwand für den Modellbau überschlägt.

Weil die Modelle viel zu teuer kämen, gebe es in Europa niemand mehr, der solche Nachbauten professionell herstelle. Mühlemanns Bezugsquellen befinden sich denn auch «in aller Welt», wie er sagt, ohne Länder zu nennen. Die Stundenlöhne müssen jedenfalls sehr tief sein. Kinderarbeit sei es aber keinesfalls, versichert er.

«Freiheit und Entschleunigung»

Mühlemann und seiner Partnerin Melanie Grunewald haben es die Schiffsmodelle am meisten angetan. Nicht zuletzt, weil sie auch Besitzer einer Motorjacht-Veteranin sind, mit der sie von Holland aus Reisen aufs Meer unternehmen. «Die See ist für mich ein Vorbild für Freiheit und Entschleunigung und die Schiffsmodelle sind ein Symbol dafür.» Eine grosse Rolle spiele aber auch die «funktionale Ästhetik» der Objekte, betont er.

Kundschaft für solche Museumsmodelle ortet Mühlemann vor allem bei Firmen, welche einen repräsentativen Blickfang für die Eingangshalle oder für das Sitzungszimmer suchen. Aber auch Privatpersonen, die sich etwas Exklusives in die Stube stellen oder ganz einfach Erinnerungen an alte Zeiten aufleben lassen wollen. Nebst den Modellen kann man nämlich auch Nachbauten von Einrichtungsgegenständen, z. B. Lampen oder historische Reisegepäck, erstehen. Wer noch ein originelles Weihnachtsgeschenk sucht, wird an der Kastelsstrasse bestimmt fündig (Termine auf Anmeldung).

Zigarrenraucher willkommen

Künftig will man die Räume von «authentic models&accesories» auch für Anlässe in besondrem Ambiente vermieten. In der gläsernen Garage seines 1954er-MG-Cabrios hat Zigarrenliebhaber Mühlemann zudem für die Besucher eine «Cigar Lounge» eingerichtet. «Das passt einfach gut zum Lebensgefühl, welches diese Museumsmodelle vermitteln», meint er.