Nein – bei diesem Wetter drinnen zu hocken, ist weiss Gott kaum zumutbar. Das scheinen sich auch die Einwohner von Grenchen und Bettlach zu sagen. Wenn schon nicht den ganzen Tag, verbringen viele von ihnen wenigstens die Mittagspause am Ufer der grünblau vorbeiziehenden Aare. Die Sonne brennt, nur ein paar Quellwolken mühen sich über die erste Jurakette. Welch Idyll, das selbst die Autos und Lastwagen nicht stören, die über die nahe Brücke donnern.

Es ist noch nicht lange her, da zog es weit mehr Wasserliebhaber an den Bettlerank, der mit dem Auto bequem zu erreichen war. Davon zeugte nicht zuletzt haufenweise Abfall. Nun aber versperrt ein Fahrverbot die Zufahrt zum Fluss, nur wer eine Bewilligung vorweisen kann, darf die Strasse passieren. Dass sich dieses Jahr weit weniger Volk am Rank aufhält, hat auch die Bauverwaltung bemerkt: «Die Verschmutzung hat sich stark verbessert», sagt Ursula Kehrli, technische Mitarbeiterin, fügt aber an, dass die Kehrichteimer trotzdem gefüllt seien. Nicht alle würden das Fahrverbot verstehen und sich daran halten. Die Polizei kontrolliert regelmässig und verteilt Strafzettel.

«Am Abend ist es total voll»

Auch an einem sonnigen Mittag diese Woche herrscht am Bettlerank die Einsamkeit vor. Dieses Bild ändert sich, fährt man die Aare einige hundert Meter hoch. Beim Fischerhaus Grenchen parken Autos, sitzen Menschen unter den farbigen Sonnenschirmen, eilt Bedienungspersonal nach drinnen und draussen. Hochbetrieb. Eine ungünstige Zeit, um unangemeldet vorbeizuschauen. «Am Abend ist es total voll», sagt Pächter Kurt Forster. Einen Tisch für vier oder sechs Personen ohne Reservierung? Keine Chance! Ob Samstag oder Dienstag spiele keine Rolle – solange das Wetter stimme.

«Hier gibt’s halt den besten Fisch», sagt Heidi Fäh im Vorbeigehen, in beiden Händen ein Teller mit Fischknusperli. Auch der Fisch im Korb mit Zitrone schmeckt vorzüglich. Aber eigentlich sei es zu heiss für warmes Essen, sagt Forster und wischt sich den Schweiss von der Stirn. Dennoch arbeitet er mit seinem Sohn in der Küche, die durchgehend von 11 bis 21 Uhr geöffnet hat. Vor allem aus dem Seeland zählt er viele Gäste, auch aus dem Wasseramt, Bucheggberg und Lebern. Oder vermehrt auch aus Bettlach. Weniger aus Grenchen selber.

Zwischenhalt mit Schlauchboot

Neben der Brücke parken Fahrräder und Autos von Garagisten, Handwerkern, Elektrowaren-Verkäufern. Sie alle legen eine kurze Rast ein, gehen schwimmen oder kühlen ihre Füsse im seichten Wasser ab. Hundeführer springen mit ihren Tieren durchs Wasser, werfen Stock oder Tennisball. Auf der anderen Flussseite wartet ein Geländewagen mit Anhänger, daneben ein grosses, schwarzes Schlauchboot.

Beat Oppliger steht am Grill, brät Fleisch für seine Kunden. Er bietet Boots- und Kanufahrten an. Die heutige Tour führt die acht Teilnehmer von Biel nach Solothurn. Während sie an einem Festtisch genüsslich das Grillgut verschlingen, kümmern sich Oppliger und sein Kollege um den Rest. Die Raststelle haben sie wegen der vorhandenen Toiletten gewählt, und wegen des Strassenanschlusses. Von Thun nach Bern, wo sie ebenfalls Touren anbieten, sei ein solcher Zwischenstopp weit schlechter möglich.

Um zwei Uhr leert sich das Flussufer langsam, die Schwäne erobern das seichte Gewässer zurück. 20 sollen es sein, zählt eine Velofahrerin. Dass die Schulferien zu Ende sind, ist eben doch spürbar. Umso mehr Platz bleibt den verbleibenden Badenden, wie den zwei Frauen, die auf Luftpolstern unter der Brücke hindurchtreiben. Gefolgt von ihren beiden Hunden, die mit Schwimmwesten paddelnd den Anschluss zu halten versuchen. Ob derlei obskurer Szenerie faucht der sich putzende Schwan. Er muss sich damit abfinden, dass er das Flussufer hier nicht mehr alleine für sich hat.