Zivilstandsamt
Grenchens Zivilstandsregister wurden nach Solothurn gezügelt

Gestern und heute sind die Grenchner Zivilstandsregister an den Patriotenweg nach Solothurn gezügelt worden. Denn das Zivilstandsamt Grenchen wird mit jenem in Solothurn zusammengelegt.

Oliver Menge
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Debora Wälchli und Cornelia Bader verpacken die alten Bände in Kisten
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Die alten Register
Jeder Eintrag in ein Register hat einen eigenen Beleg
Die Belege zu den Registereinträgen und das restliche Büromaterial wird heute gezügelt
Res Marti und Ulrich Oppliger von der Firma Hammersafe verladen die Kisten
Zivilstandsamt Grenchen
Die Tresore passen genau in den Lift
Millimeterarbeit
Mit vereinten Kräften
Im Parterre müssen die schweren Tresore wieder aus dem Lift gezogen werden
Registerbände aus den Jahren 1929 bis 2004
Die beiden Beamtinnen und die Leiter aus Grenchen beobachten den Verlad
Mit einem Hebekran werden die Tresore verladen
Peter Naef und Simon Schlup sorgen dafür, dass nichts weg kommt
Eine beachtliche Anzahl von rund 220 Bänden
Die Verzeichnisse über Geburten, Todesfälle und EEheschliessungen aus den Jahren 1929 - 2004
In luftiger Höhe
Die Register werden in Solothurn einen neuen Platz finden

Debora Wälchli und Cornelia Bader verpacken die alten Bände in Kisten

Oliver Menge

Eines vorweg: Heiraten wird man auch künftig noch können in Grenchen, allerdings an einem neuen Ort und nicht mehr so häufig wie bisher.

Aber das Zivilstandsamt Grenchen im dritten Stock des Hôtel de Ville gibt es nicht mehr. Gestern und heute werden die Zivilstandsregister, die Tresore und das Mobiliar des Zivilstandsamts Grenchen aus dem dritten Stock im Stadthaus nach Solothurn an den Patriotenweg geschafft.

Konkret heisst das: 26 Kisten mit rund 220 Bänden, in denen Eheschliessungen, Geburten und Todesfälle zwischen 1929 und 2004 registriert sind, wurden gestern in einen Lieferwagen verladen und nach Solothurn gebracht. Drei grosse Tresore wurden mit dem Lift ins Erdgeschoss gefahren und mit einem Hebekran auf einen Lastwagen gehievt. Eine Millimeterarbeit, ausgeführt durch die beiden Profis Ulrich Oppliger und Res Marti von der Firma «Hammersafe» aus Burgdorf, welche auch die Tresore geliefert hatte.

Heute nun ist das Büromobiliar der beiden Beamtinnen Cornelia Bader, Leiterin des Standesamts Grenchen, und der Standesbeamtin Debora Wälchli an der Reihe. Dazu kommen rund 26 Kartons mit den Belegen zu den Zivilstandsregistern, denn jeder Eintrag in einem Register hat seinen eigenen Beleg.

Peter Naef, Leiter Zivilstandswesen beim Kanton, und Simon Schlup, Zivilstandsinspektor, überwachten gestern den Umzug und achteten vor dem Hotel de Ville darauf, dass keines der alten Register abhandenkam. Denn schliesslich handelt es sich bei den Bänden um wertvolle und nicht zu ersetzende Dokumente. «Ab 1876 gab es eine kantonale Regelung, wie die Zivilstandsregister zu führen sind. Erst 1929 wurde das eidgenössische Familienregister eingeführt, mit den entsprechenden Regelungen. Die Akten vor 1929 aus Grenchen wurden bereits 2001 im Rahmen einer ersten Reorganisation nach Solothurn gebracht», so Naef.

Beschluss der Regierung

Mit dem Umzug wird ein Beschluss des Regierungsrates umgesetzt, den dieser vor rund einem Jahr gefällt hatte. Dass dieser Entscheid in Grenchen nicht gerade auf Gegenliebe stiess, dafür hat Naef Verständnis. Aber der Kanton muss sparen, und durch die Massnahme werden zwei Vollzeitstellen eingespart. «Zwei Mitarbeiter, welche das Pensionsalter erreichen, werden nicht mehr ersetzt», erklärt Naef.

Grenchen ist nicht das einzige Zivilstandsamt, das umziehen muss: Morgen und übermorgen werden die Akten des Zivilstandsamts Bucheggberg / Wasseramt vom Zürichhaus in Solothurn an den Patriotenweg gebracht. «Wir haben das Zivilstandsamt Solothurn um- und ausgebaut», erklärt Naef. «Die Tresore und Akten kommen ins Untergeschoss. In Solothurn wird es künftig zwei Trauzimmer geben: eines am alten Ort und ein weiteres im Erdgeschoss des Gebäudes am Aareufer.»

Die beiden Beamtinnen aus Grenchen werden neu in Solothurn arbeiten. «Der Arbeitsweg wird für mich künftig etwas länger, für meine Kollegin etwas kürzer», sagt Cornelia Bader.

Der Umzug gestern ging schneller vonstatten als ursprünglich geplant. Denn eigentlich wollte man die Tresore erst am Nachmittag nach Solothurn bringen. Aber man hatte bereits gute Vorarbeit geleistet und die Beteiligten arbeiteten sehr speditiv.

Trauungen im Bürgerhaus?

Das Trauzimmer im dritten Stock will man noch eine gewisse Zeit lang so belassen, wie es ist. Denn – wie eingangs erwähnt – man wird sich auch künftig in Grenchen trauen lassen können. Allerdings ist geplant, das Trauzimmer ins Bürgerhaus zu verlegen, wie Stadtschreiberin Luzia Meister erklärt: «Das Bürgerhaus wurde in den oberen Stockwerken ja komplett umgebaut. Nun werden im Erdgeschoss noch die Büros von Bürgergemeindeverwalter Renato Müller und Revierförster Patrick Mosimann sowie der Eingangsbereich renoviert.»

Der historische Bürgergemeindesaal im Erdgeschoss werde bei diesen Arbeiten zwar selber nicht angetastet, er soll aber später auch als Trauzimmer fungieren. «Zu 99,9% ist sicher, dass nach der Umbauzeit von rund drei Monaten einmal im Monat an einem Freitag am neuen Ort in Grenchen Trauungen durchgeführt werden», sagt Meister. Die Standesbeamtinnen aus Solothurn werden dann also quasi als Stör-Standesbeamtinnen wieder in Grenchen tätig sein.

Die Büros des ehemaligen Zivilstandsamtes im Hôtel de Ville bleiben übrigens nicht leer: Das Amt für Informatik der Stadtverwaltung Grenchen wird dort in diesen Tagen einziehen.