Umfrage

Grenchens vielfältige Theater-Landschaft plant bereits die «Zeit danach»

Ein Bild aus der Zeit vor dem «Lockdown»: Premiere der Schopfbühne mit «Du bisch nur zweimal jung».

Ein Bild aus der Zeit vor dem «Lockdown»: Premiere der Schopfbühne mit «Du bisch nur zweimal jung».

Grenchen verfügt bekanntlich über eine blühende Theater-Landschaft. Verschiedene Veranstalter und Produzenten sorgen dafür, dass Liebhaber dieses Genres jeweils bestens unterhalten werden. Die Coronakrise hat auch hier ihre Auswirkungen. Trotzdem wird bereits die nächste Saison geplant.

Wie eine Umfrage dieser Zeitung ergibt, sind die Verantwortlichen aber guten Mutes, bemühen sich mit viel Improvisationstalent ausgefallene Vorstellungen nachzuholen – und planen bereits die nächste Saison. Die Existenzfrage der Vereine und Vereinigungen scheint sich erfreulicherweise momentan nicht zu stellen.

Nur fünf von 24 geplanten Vorstellungen

Gerade Mal fünf der angesagten 24 Vorstellungen konnte die Schopfbühne mit ihrer gelungenen Produktion «Du bisch nur zweimal jung» Anfang März noch auf die Bühne bringen. Danach war Schluss. Co-Präsident Robert Koch nimmt es pragmatisch: «Wir sind dankbar, dass wir wenigstens ein paar Mal spielen konnten. Wir werden nun versuchen, die rest­lichen Vorstellungen je nach Entwicklung im Früh- oder im Spätsommer abzuhalten.» Der Hochsommer kommt wegen der klimatischen Bedingungen nicht in Frage. Sollte es nach den Sommerferien werden, sehen sich die Akteure mit der kniffligen Aufgabe konfrontiert, ein «altes» Stück noch zu spielen, während ein neues bereits geprobt wird. Und auch wenn wider Erwarten diese Saison nicht zu Ende geführt werden könnte, bedeutet dies noch lange nicht, dass sich die Schopfbühne in einer existenziellen Krise befindet. «Wir haben zum Glück im Laufe der Jahre Rückstellungen getätigt, sodass wir über ein genügendes finanzielles Polster verfügen», versichert Robert Koch.

Ihr wird es nie langweilig: Iris Minder schreibt

Iris Minder «Theater Jawohl» konnte die vorgesehenen Vorstellungen Ende Februar Anfang März im Gänggi von «Ein Koffer voller Erinnerungen-70er-Jahre» durchführen. «Das freut uns natürlich. Noch wichtiger ist aber die Tatsache, dass unsere Mitspielenden, die beinahe alle einer Risikogruppe angehören, gesund geblieben sind», erklärt die engagierte Theaterfrau. Einzig die beiden geplanten auswärtigen Engagements mussten auf später verschoben werden. Auf der Kippe dürfte das Szenenspiel «Schwinde, schwinde mit dem Mond», welches Anfang Juni im Schloss Landshut uraufgeführt werden sollte, stehen.

Immerhin hat der Kanton angekündigt, dass er die bereits gesprochenen Beträge auch für Projekte, die nicht zur Auf­führung gelangen können, aus­zahlen wird. Iris Minder wird es auch so nicht langweilig werden. Sie ist fleissig am Schreiben. Im November wird im Gänggi eine neue Produktion vorgestellt. Eine aktualisierte Fassung des Klassikers «Mo-mo» wird es zu bestaunen geben. Und auch das Freilichtspiel 2021 beschäftigt die Autorin und Regisseurin bereits. Es wird ein Stationenspiel geben. In historisch-witzigen Sequenzen geht man der Frage nach, wie die Zeitmessung nach Grenchen gekommen ist. Der Zeitraum des Spektakels reicht von der Steinzeit bis zur Moderne.

Immerhin zwei Drittel des Saison-Programmes konnte im Parktheater bestritten werden, ehe auch hier das Virus den Abbruch provozierte. Die vier noch ausstehenden Vorführungen sollen laut Corinne Maier vom für das Programm verantwortlichen «Verein Cosmos» im Herbst oder nächsten Frühling nachgeholt werden. Man suche momentan mit den betroffenen Künstlern nach Lösungen. Parallel dazu hat man bereits die neue Saison aufgegleist. Sie soll, so es die Umstände erlauben, im Oktober beginnen. «Die momentane Situation macht eine Planung etwas schwierig und die auch finanziellen Folgen sind nur schwer abschätzbar», erklärt Corinne Maier. Sie ist aber guten Mutes, dass man die Krise praktisch unbeschadet überstehen wird.

Kleintheater verpflichtet bekannte Namen

Improvisieren hiess und heisst es auch beim Kleintheater. Die letzte Vorstellung (Theater Fleisch und Pappe) konnte nicht stattfinden. Sie soll nachgeholt werden, auf Grund der diversen Verpflichtungen der Künstler aber wohl erst im Herbst des nächsten Jahres. Erschwert wurde wegen des Ausfalles der Künstlerbörse, bei welcher man normalerweise einen schönen Teil des neuen Programms bestimmt, die Planung der Saison 20/21. Die Leute um Präsidentin Marisa Thöni verfügen glücklicherweise über ein gutes Beziehungsnetz, sodass der Grossteil des Spielplanes bereits steht. «Wir konnten bereits einige bekannte Namen verpflichten. So wird Toni Vescoli auftreten, dazu Michel Gammenthaler und Christoph Simon. Am Grenchner Fest wird zudem das Clownduo Tarkabarka für Unterhaltung sorgen», schaut Marisa Thöni auf einige Höhepunkte voraus.

Über mangelnde Arbeit kann sich auch Alex Truffer, der Geschäftsleiter der Gesamtschule für Theater Grenchen (GTG), nicht beklagen. Die GTG ist die Adresse für Aus- und Weiterbildung des Amateur Theaters und damit so etwas wie das Kompetenzzentrum auf diesem Gebiet. «Unsere Strategie lautet im Moment, die anstehenden Kurse sukzessive zu verschieben. Betroffen sind bis dato neun Veranstaltungen, die neu ab September und teilweise auch im neuen Jahr stattfinden sollen», erklärt Alex Truffer. Um finanzielle Unterstützung habe man noch nicht nachgefragt. «Das macht im Moment auch keinen Sinn. Sollte aber die Krise im Herbst noch nicht bewältigt sein, wird sich die Frage neu stellen.»

Alle Befragten betonten, dass bereits gekaufte Tickets ihre Gültigkeit behalten, und dass in speziellen Fällen auch über Rückvergütungen diskutiert werden könne.

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