261 Tage ist der neue Stadtpräsident François Scheidegger nun schon im Amt. Grund für seine Partei, ihm einmal auf den Zahn zu fühlen und ihn auch auf seine Wahlversprechungen anzusprechen. Diese Aufgabe übernahm GT-Redaktor Oliver Menge – eine Verpflichtung, welche dieser nicht ohne gebührenden Unterhaltungseffekt für das Publikum an der Parteiversammlung im «Sunnepark» wahrnahm.

So erfuhr man, dass der ehemalige Internet- und Smartphone-Muffel Scheidegger inzwischen erfolgreich sein erstes Selfie gemacht hat, und zwar am Inseli-Fest anlässlich des Jubiläums 125 Jahre Grenchner Tagblatt. «Einzig mit dem Verschicken hatte ich noch etwas Mühe», räumte der Stapi ein. Natürlich gibts von ihm nur Züchtiges zu sehen. Unter die Rubrik Humoristisches fiel auch die Frage nach dem Verbleib der Flughafen- bzw. Badi-«Bänkli». Antwort: noch offen ...

Er freue sich, dass sich das politische Klima in der Stadt markant verbessert habe. «Wir können im Gemeinderat wieder konstruktiv diskutieren.» Die Zeiten des politischen Hickhacks seien vorbei. Zu den schönen Erlebnissen zählt er auch die Einweihung des renovierten Eichholz-Schulhauses. «Ein Schulhaus eröffnen ist wohl die schönste Aufgabe überhaupt für einen Stadtpräsidenten.»

Als unerfreulichstes Erlebnis bezeichnete er hingegen die Schliessung der Veranlagungsbehörde durch den Kanton. Dass sich jener nun auch noch aus dem Projekt eines gemeinsamen Verwaltungsgebäude verabschiedet habe, passe in dieses Bild: «Solidarität einfordern, aber selber das Gegenteil tun.» Was übrigens auch seine Erfahrung mit dem Kanton bei der Vorlage zur Sanierung der kantonalen Pensionskasse sei. Scheidegger hatte denn zuvor auch einen flammenden Appell zur Abstimmung vom 28. September gehalten. «Der Kanton soll die Kasse allein ausfinanzieren. Zahlen muss es ohnehin der Steuerzahler.» Hier noch 110 Gemeinden einzubeziehen, verkompliziere die Sache unnötig und bringe manche Gemeinden gar in Existenznöte. Kantonsrat Alexander Kohli hatte zu Beginn über die Eckwerte der Vorlage orientiert.

Dass seine Wahlkampf-Ankündigung, wieder für ein Warenhaus in der Stadt zu sorgen, nicht so einfach umzusetzen ist, musste Scheidegger aber auch zugeben. Gegen Fundamentaltrends im Detailhandel dürfte es auch für ihn schwierig sein anzukämpfen. Die Stadt könne sich vor allem für Rahmenbedingungen einsetzen und natürlich regelmässig das Gespräch mit potenziellen Investoren suchen. Zudem habe er den Präsidenten des Gewerbeverbands in den Wirtschaftsrat der Stadt berufen, erklärte Scheidegger.

«Selzach profitiert am meisten»

Weitere Gesprächsthemen waren die Pistenverlängerung und allenfalls schwierige Kompensationen in den Bauzonen. Die Rede sei von 5 ha Industriezone, welche Grenchen aufgrund des neuen Raumplanungsgesetzes auszonen müsste. Der Stapi unterstrich aber seine positive Haltung zur Pistenverlängerung. «Es ist für mich unverständlich, dass gerade Selzach, das von einem neuen Regime am meisten profitieren würde, sich so vehement wehrt.»

Wie gedenkt Scheidegger mit der Vorstossflut der SP-Fraktion umzugehen, fragte Hubert Bläsi. – «Diese nervt vor allem das Personal in der Stadtverwaltung. Wir werden gelegentlich auch die Kosten dieses Leerlaufs einmal deklarieren.» Vorstösse seien okay, solange sie konstruktiv seien. «Wenn aber die Partei, die als Einzige nichts für den Erhalt der Porsche-Uhren getan hat, mir Untätigkeit vorwirft, wird es unfair.» Es seien ausnahmslos bürgerliche Politiker gewesen, welche hinter den Kulissen aktiv gewesen seien.