Grenchen

Grenchenberg unter Flutlicht: Der nächtliche Ski-Spass startet im Januar

Auf dem Hausberg wird die Lichtanlage fürs Nachtskifahren installiert. «Die Atmosphäre ist ganz anders, man erlebt den Berg anders», schwärmt Christoph Rauber, Verwaltungsratspräsident der Skilift Grenchenberg AG.

Autofahrt. In Grenchen unten schien noch die Sonne. Elf Grad. Warm für Mitte November. Waren die Wollmütze und die Wolljacke übertrieben? Die Antwort folgt nach rund einer Viertelstunde kurviger Autofahrt auf schmalen Wegen: Nein, definitiv nicht! Streckenabschnitt um Streckenabschnitt sinkt die Temperatur. Jetzt ist es nur noch zwei Grad – nicht warm, sondern richtig kalt. Hier oben auf 1300 Meter über Meer ist der Wind eisig. Der Atem darum schwer. Ab ins geheizte Restaurant Untergrenchenberg.

Mittagszeit Im Esssaal sitzen Wanderer beisammen und geniessen das Mittagsmenü. Die Karte verrät: Blutwurst, Leberwurst, Gnagi ... Metzgete also. Als Beilage Gschwellti, Kartoffelstock oder Pommes frites. Es riecht gut, die Ambiance ist heimelig. Am langen Tisch in der rechten Ecke sitzen die starken Mannen. Heute sind sie zu fünft, waren aber auch schon zu acht. Sie warten auf ihr verdientes Mittagessen. Angusbeef, die Spezialität des Hauses, und Pommes frites.

Nachmittag Es ist Samstag. Die Männer am Tisch tragen Arbeitskleider. Nicht zum ersten Mal! Bereits seit einiger Zeit rackern sie sich Samstag für Samstag bei eisigen Temperaturen ab. Und das sogar ehrenamtlich. Warum? Ganz einfach: Um Scheinwerfer zu installieren und so den Schneebegeisterten in der Region ein ganz spezielles Erlebnis zu bieten: Nachtskifahren auf dem Grenchenberg.

In der Zeit vom 1. Januar bis zum 26. Februar wird der Skilift nämlich jeden Mittwoch von 19 bis 21.30 Uhr geöffnet sein. Damit die Nachtaktiven aber nicht im Dunkeln über die Piste flitzen müssen, bleibt noch einiges zu tun. Auch wenn das Team rund um Christoph Rauber, Verwaltungsratspräsident der Skilift Grenchenberg AG, in den letzten Wochen schon mächtig Gas gegeben hat.

Zwischenstand Was wurde denn bis anhin gemacht, Herr Rauber? «Die Röhre für die Kabel ist bereits im Boden vergraben und führt von der Bergstation runter in die Talstation. Die fünf Freileitungsmasten für die Beleuchtung stehen senkrecht betoniert am Hang. Jetzt steht die ganze Lampeninstallation an. Als Letztes dann wird das Hauptkabel von der Bergstation bis hinunter in die Talstation gezogen. Und noch Abschlussarbeiten. Kabel zusammenschliessen, Sicherungen rein, Ende November ausprobieren – wenns denn klappt und das Wetter mitmacht.»

Finanzierung Schon seit einigen Jahren denken die Verantwortlichen des Skilifts Grenchenberg übers Nachtskifahren nach. Vor zwei Jahren wurde schliesslich das Dossier erstellt und die ersten Abklärungen beim Kanton getroffen. Im Frühling 2012 ist die Baubewilligung eingereicht und im darauffolgenden August mit Auflagen (Gewässerschutz) bewilligt worden. Dann sammelten Rauber und Co. Geld, denn die Finanzierung sollte alleine durch Spenden erfolgen.

Und das funktionierte: Private wie Firmen beteiligten sich. Wichtig war für die Verantwortlichen, nicht mit dem Bau zu beginnen, bevor mindestens 80 Prozent der Kosten von rund 40 000 Franken gedeckt wurden. «Darum brauchten wir auch diese Zeit vom Erhalt der Baubewilligung bis zu diesem Sommer, bis wir schliesslich beginnen konnten», erklärt Rauber.

Lampeninstallation Fertig mit Zahlen und Fakten. Zeit für ein wenig Action: Einer der Arbeiter baumelt an einem hölzernen Freileitungsmast auf 14 Meter Höhe. Er installiert die 400-Watt-Scheinwerfer, die ihm ein anderer Helfer mit einem Seilzug nach oben reicht. An jeden Mast zwei Scheinwerfer. Drei sind schon fertig, die Kabel hängen herunter, parat für die Anschlüsse. Man habe abgeklärt, ob man LED-Leuchten nehmen könne, so Rauber, schliesslich sei Grenchen ja eine Energiestadt. «Nur streuen diese leider noch nicht so weit», sagt er und reibt sich die Hände warm.

Es ist immer noch eisig. Das Fotografieren ohne Handschuhe fällt schwer. Die Bilder, durchs Zittern, hoffentlich nicht verschwommen. Der Skilift ist am Nordhang, dort, wo kaum Sonne hinkommt, der grosse Vorteil am Grenchenberg, so bleibt der Schnee liegen. Doch ausgerechnet heute wechselt ständig das Licht. Mal hell, mal dunkel. Einzelne Sonnenstrahlen drücken durch und scheinen hinunter zur Talstation. Ein schönes Bild, aber ungünstig fürs Foto.

Nachtskifahren «Wir wollten unser Angebot erweitern, um noch mehr und auch andere Leute anzusprechen», erklärt Christoph Rauber. Das macht Sinn, aber was ist eigentlich so toll am Nachtskifahren? «Die Atmosphäre ist ganz anders, man erlebt den Berg anders», kommt Rauber ins Schwärmen. Er ist überzeugt, dass das Vorhaben gelingen wird. Schliesslich klappe es auch bei den Nachbarn auf dem Balmberg. Ausserdem beginne man diese Saison ja extra «nur» mit einem Tag in der Woche und dies auch erst ab Januar, obwohl die Wintersaison offiziell schon am 14. Dezember anfängt.

«Im Dezember sind so oder so alle noch im Stress, da macht es keinen Sinn. Und nur mittwochs, wir wollen ja nicht gleich übertreiben, die Idee ist aber schon, das Angebot in den nächsten Jahren auszubauen.»

Saisonbeginn Am 14. Dezember öffnet der Skilift. Wenns denn Schnee hat. Wie viel der weissen Pracht braucht es eigentlich fürs Vergnügen? «Mindestens 20 bis 30 Zentimeter, dann können wir die Piste präparieren», erklärt Rauber. Und sonst? Schneemaschinen? «Nein, das wird nie passieren. Wir haben uns immer gesagt, wir sind hier am Jura, entweder haben wir Schnee oder wenn nicht, dann gehen wir halt ins Berner Oberland.»

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