Grenchen
Grenchen wird ab morgen zur Kantonshauptstadt

Die Session findet ab morgen im Parktheater statt, weil der Kantonsratssaal in Solothurn umgebaut wird. Das Parktheater eigne sich dafür, aber optimal sei anders, meint der Ratssekretär zur Thematik.

Oliver Menge
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«Vor genau zehn Jahren fand die Session des Parlaments auch schon ausserhalb Solothurns statt, wir waren damals in Olten», erzählt Ratssekretär Fritz Brechbühl, aber so weit er sich zurückerinnern könne, sei man das erste Mal seit langer Zeit in Grenchen.

Die Stadt habe sich als Austragungsort beworben, sobald bekannt wurde, dass die Sommersession nicht in Solothurn stattfinden kann. «Wir sind mit den Stadtbehörden bereits letztes Jahr zusammengekommen, um mögliche Lokalitäten zu besprechen.

Denn es geht ja nicht nur um die Sitzungen des Kantonsrats: Auch in der Peripherie müssen wir Räume und die Infrastruktur für Fraktionssitzungen, Ratssitzungen und Arbeitsräume zur Verfügung haben.» Auch müssten die Parlamentarier irgendwo ihren Pausenkaffee und ihr Mittagessen geniessen können.

Das Parktheater eigne sich dafür, aber optimal sei anders, meint der Ratssekretär. «Man kann die Fraktionen ja nicht in nebeneinanderliegenden Räumen unterbringen, die nur durch ein dünnes Wändchen voneinander getrennt sind. Denn sonst ‹hört der Feind mit›», sagt Brechbühl schmunzelnd.

Folglich werden ab morgen Dienstag auch andere Lokalitäten, wie das benachbarte Kirchenzentrum und Räume im Schulhaus Zentrum für Fraktionssitzungen bezogen und eingerichtet.

Grosser Saal wird umgestaltet

Die Sitzungen des Kantonsrats finden im Theatersaal des Parktheaters statt. Dieser wird zu diesem Zweck umgestaltet: Auf der Bühne sitzt das Präsidium mit Stimmenzählern, Staatsschreiber und Ratssekretär.

Auf der Vorbühne nimmt die Regierung Platz und im Saal werden Tische aufgestellt, an denen der Kantonsrat, jeweils 13 Parlamentarier nebeneinander, Platz für sich und ihre Unterlagen finden.

«Wir haben die Tischordnung so entworfen, dass eine Sitzung abgehalten werden kann, denn es wird ja keine Vorstellung geboten, hoffen wir wenigstens», sagt Brechbühl und lacht. Das Foyer hinter dem Saal wird nicht benutzt, die seitliche Empore ist im vorderen Teil für die Medien und im hinteren Teil fürs Publikum reserviert.

Im Gegensatz zum Kantonsratssaal in Solothurn werden nur die Plätze des Präsidenten und der Regierung mit Mikrofonen ausgerüstet. Für die Parlamentarier gibt es ein Rednerpult, sie müssen sich also von ihrem Platz erheben, wenn sie etwas sagen wollen, so wie das bei anderen Parlamenten und im Bundeshaus auch üblich ist.

Für das Ratssekretariat werden eine Anzahl Arbeitsplätze, Grosskopierer und der Zugang zum kantonalen Netz der Verwaltung eingerichtet.

Die Sitzungen fangen mit Rücksicht auf die Zugverbindungen um 8.45 an, eine Viertelstunde später als üblich. Die Stadt Grenchen organisiert einen Shuttle-Betrieb vom Bahnhof Süd zum Parktheater.

Für Parlamentarier, welche mit dem Auto anreisen, stellt die Stadt Grenchen spezielle Parkkarten aus, die das «wilde» Parkieren auch ausserhalb markierter Parkfelder ermöglicht. Auch wird rund ums Parktheater ein Teil der Parkplätze fürs Kantonsparlament reserviert.

Robert Kaiser, Bühnenmeister des Parktheaters, hat vor und während der Session alle Hände voll zu tun: Zusammen mit seinen vier Bühnenarbeitern hat er in den letzten Tagen die von Solothurn verlangte Sitzordnung umgesetzt und die Pulte der «Höhergestellten» gedeckt, damit auch etwas Diskretion unter den Tischen gewährleistet ist. Pikant: Am Wochenende muss er alles für eine andere Veranstaltung im Parktheater zurückbauen und eine Woche später wieder aufbauen.

Heute wird Fritz Brechbühl zusammen mit Kaiser und einigen Mitarbeiterinnen der Parlamentsdienste nochmals alles auf Herz und Nieren prüfen, damit ab morgen eine reibungslose Session des Kantonsparlaments beginnen kann.

Stadtpräsident Boris Banga wird das Parlament kurz begrüssen, auch sonst wird die Stadt ein Rahmenprogramm bieten (siehe Kasten). Denn schliesslich wird Grenchen während vier Tagen zu so etwas wie der Kantonshauptstadt.