Die Start- und Landebahn ist 1000 Meter lang, was für die Freizeitfliegerei völlig ausreicht. Flugzeuge, die gewerblich Personen transportieren, dürfen aber wegen den weltweit gültigen Normen nur knapp zwei Drittel der Piste für Start und Landung nutzen. Die Piste auf dem Flughafen Grenchen ist deshalb nicht lang genug - 1450 Meter müsste sie sein.

Viele kommerzielle Flugzeuge werden daher nur mit beschränkter Nutzlast durchgeführt und müssen mit halb vollem Tank starten - um dann an einem anderen Flughafen zum Nachtanken zwischenzulanden. «Dies ist weder ökonomisch noch ökologisch», bemerkt Andreas Wegier, Leiter des Regionalflughafen Grenchen.

Angst vor Abbgang der Unternehmen

Immer mehr international tätige Unternehmen kehren dem viertgrössten Flughafen der Schweiz den Rücken und weichen auf andere Flugplätze, wie Bern-Belp, Genf oder Zürich aus. «Dahin fahren die Kunden oft mit dem Auto und verlieren wertvolle Zeit», so Wegier. Gleichzeitig muss auch das halbleere Flugzeug von Grenchen zum Ausweichflugplatz überflogen werden.

Um die Kundenbedürfnisse zu befriedigen und die Unternehmen wieder nach Grenchen zu lotsen, hat der Verwaltungsrat des Flughafens einen «Masterplan 2020» entwickelt und im Sommer 2009 vorgestellt. Die Piste wird um 450 Meter verlängert, womit die Start- und Landefläche auch für geschäftlichen Flugverkehr zugänglich gemacht wird - ohne die Nutzlast einzuschränken.

«Wir wollen die Geschäftsfliegerei nicht aus den Händen verlieren», erklärt Wegier das Ziel des «Masterplans».

Um Pistenverlängerung weibeln

Dies fordert ebenso die Wirtschaft: 27 Firmen sind bis heute dem Verein Pro Regionalflughafen Grenchen beigetreten. «Die Zahl nimmt stetig zu», informiert Jürg Möri von der Geschäftsstelle. So weibeln Breitling, Synthes und Trösch Glas mit anderen Wirtschaftsvertretern für die Pistenverlängerung.

«Der Flughafen Grenchen ist ein Impulsgeber für die wirtschaftliche Entwicklung der Region und ein wichtiger Standortvorteil für Unternehmen», meinen die Vereinsmitglieder.

Lebensqualität sinkt

Doch auch die Gegner machen sich bemerkbar, wenn auch teilweise anonym. So hat ein Bewohner aus Altreu unter «R.B.» den Blog «Nein zur Pistenverlängerung in Grenchen» ins Leben gerufen. Seit Anfang September 2009 wehrt sich R.B. vehement gegen den Fluglärm und die Zerstörung von Kulturland in der Witi. «Wir Betroffenen verlieren mit diesem Vorhaben ein gutes Stück Lebensqualität.» Die Flugzeuge würden dann in Altreu direkt über die Köpfe der Anwohner hinweg donnern, klagt er. «Das ist nicht nur ein Lärmproblem, sondern auch ein Sicherheitsproblem.»

Der Verein Pro Regionalflughafen Grenchen weist diese Vorwürfe zurück: «Diese Aussage ist nicht korrekt und wurde wohl nur gemacht, um möglichst viele Gegner zu mobilisieren», meint Jürg Möri.

Nicht nur R.B. steht dem Projekt kritisch gegenüber. Auch Selzach äussert seine Bedenken, will aber noch nicht offiziell Stellung beziehen. Vielmehr hat der Gemeinderat vor einem Jahr eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche sich mit dem Vorhaben auseinandersetzt. Den Fragekatalog an das Amt für Raumplanung und die Flughafendirektion bliebt bis heute unbeantwortet. Für Selzach stehe aber schon fest, dass der Weiler Altreu nicht überflogen werden dürfe, teilt Gemeindepräsident Viktor Stüdeli mit.