Electrifly-in
Grenchen war vergangenes Wochenende das Zentrum für Elektrofliegerei

Das «Electrifly-in» auf dem Regionalflughafen zeigte auf, dass in der Luftfahrt innovative und neue Technologien eine Zukunft haben könnten. Nicht nur topmoderne Flugzeuge mit Elektroantrieb, sondern auch Projekte und Studien in dem Bereich wurden vorgestellt.

Oliver Menge
Merken
Drucken
Teilen
 Ausstellung diverser Elektroflugzeuge und Präsentation verschiedener Projekte im Zusammenhang mit zukünftigen Technologien im Bereich Mobilität in der Luftfahrt oder Energiegewinnung.
39 Bilder
 Pipistrel Velis E. der AlpinAirPlanes GmbH, das erste voll zertifizierte Elektroflugzeug der Welt. Die Maschine im Bild hat ausserdem auf einem Flug von den Alpen zur Insel Norderney an der Nordküste Deutschlands vor Kurzem mehrere Weltrekorde aufgestellt.
 Pipistrel Velis E. der AlpinAirPlanes GmbH, das erste voll zertifizierte Elektroflugzeug der Welt. Die Maschine im Bild hat ausserdem auf einem Flug von den Alpen zur Insel Norderney an der Nordküste Deutschlands vor Kurzem mehrere Weltrekorde aufgestellt.
 Botschafterin Dominique Gisin unterhält sich mit einem Gast.
 Eros Nanolight Trike, Leichtflugzeuge aus Deutschland, die wie früher die Deltasegler mit Gewichtsverlagerung gesteuert werden.
 Botschafterin Dominique Gisin in der Pipistrel Velis E., die sie später noch selber fliegen wird.
 Fototermin mit Botschafterin Dominique Gisin, Olympiasiegerin und selber Pilotin vor der Pipistrel Velis, der Rekordmaschine zusammen mit Sandra Dubach, Präsidentin des Electrifly-in und Marc Corbataux, der die Pipistrel Velis E. in der Schweiz einführt und an diverse Flugschulen vermittelt.
 Der Magnetwandler des Trike.
 Botschafterin Dominique Gisin, Olympiasiegerin und selber Pilotin im Gespräch mit einem der anwesenden Fachleute aus der Branche.
 Das Team des Smartflyers, der in Grenchen hergestellt wird zusammen mit den beiden Industrial Design Studenten Timo Lanz und Nathanael Blaine (2. u.3.v.l.:)
 Tobias Salbaum von Atlas Aero, einer Firma, die einen Hybrid-Zweisitzer entwickelt, der auch kurze Strecken auf der Strasse fahren kann.
 Der "Archäopterix" von Ruppert Composite GmbH, ein elektrobetriebener Selbststarter, der nur wenige Meter Startpiste benötigt und mit Muskelkraft in die Luft gebracht werden kann.
 Der Sunseeker Duo von Solar Flight Europe, ein selbststartender, extrem langsam fliegender Elektro-Segelflieger aus Italienmit 22 Metern Spannweite, dessen gesamte Oberseite mit 1510 Solarzellen bestückt ist, mit deren Strom die Batterien geladen werden. Gibt es schon seit 2013.
 Morell Westermann, Pilot, Zukunftsforscher und Ingenieur, der im Symposium von seinem Rekordflug mit der Pipistrel Velis E. von den Alpen zur Nordsee berichtet.
 Eine Pipstrel Velis E. wird geladen. Ihre Batterien reichen für 50 Minuten Flug.
 Der "Archäopterix" von Ruppert Composite GmbH, ein elektrobetriebener Selbststarter mit 88 kg Gewicht, der nur wenige Meter Startpiste benötigt und mit Muskelkraft in die Luft gebracht werden kann.
 Vorne in der Spitze verfügt das Flugzeug über eine Selbstrettungseinrichtung mit Fallschirm, die im Notfall ausgelöst werden kann.
 Pipistrel Velis E. der AlpinAirPlanes GmbH, das erste voll zertifizierte Elektroflugzeug der Welt.
Electrifly-in Switzerland in Grenchen
 Vorne die Antares, mit der Klaus Ohlmann die E-Trophy gewonnen hat, dahinter eine Pipistrel Velis E.
 Er hat den besten Platz ...
 Die Pipistrel im gefühlt 10. Landeanflug.
 Die Pipistrel im gefühlt 10. Landeanflug.
 Die Pipistrel im gefühlt 10. Landeanflug.
 Die Antares vor der DC3 von Hugo Mathys
 Jetzt landet die Pipistrel doch noch.
 Der Sunseeker Duo von Solar Flight Europe, ein selbststartender, extrem langsam fliegender Elektro-Segelflieger aus Italien mit 22 Metern Spannweite, dessen gesamte Oberseite mit 1510 Solarzellen bestückt ist, mit deren Strom die Batterien geladen werden. Gibt es schon seit 2013.
 Der Sunseeker Duo von Solar Flight Europe, ein selbststartender, extrem langsam fliegender Elektro-Segelflieger aus Italien mit 22 Metern Spannweite, dessen gesamte Oberseite mit 1510 Solarzellen bestückt ist, mit deren Strom die Batterien geladen werden. Gibt es schon seit 2013.
 Der Gewinner der eTrophy, Klaus Ohlmann, der von Frankreich her den längsten Anflug auf Grenchen hatte: 357,6 Kilometer mit seiner Antares von Lange Aviation. Ohlmann gehört zu den schillernsten Segelflugpiloten: Er hat über 60 Weltrekorde aufgestellt, überflog den Mount Everest in einem Segelflugzeug, stellte in Südamerika Langstreckenrekorde auf.
 Der Gewinner der eTrophy, Klaus Ohlmann, der von Frankreich her den längsten Anflug auf Grenchen hatte: 357,6 Kilometer mit seiner Antares von Lange Aviation. Ohlmann gehört zu den schillernsten Segelflugpiloten: Er hat über 60 Weltrekorde aufgestellt, überflog den Mount Everest in einem Segelflugzeug, stellte in Südamerika Langstreckenrekorde auf.
 Übersicht
 e-Talk mit diversen Fachleuten, Politikern und Piloten sowie Dominique Gisin als Botschafterin, links NR Thomas Hurter
 e-Talk mit diversen Fachleuten, Politikern und Piloten sowie Dominique Gisin als Botschafterin.
 Schirmherr Bertrand Piccard im Gespräch mit Botschafterin Dominique Gisin
 Schirmherr Bertrand Piccard der sich ans Publikum wendet.
 Der Gewinner der eTrophy, Klaus Ohlmann, der von Frankreich her den längsten Anflug auf Grenchen hatte: 357,6 Kilometer mit seiner Antares von Lange Aviation. Ohlmann gehört zu den schillernsten Segelflugpiloten: Er hat über 60 Weltrekorde aufgestellt, überflog den Mount Everest in einem Segelflugzeug, stellte in Südamerika Langstreckenrekorde auf.
 Preisverleihung der E-Trophy

Ausstellung diverser Elektroflugzeuge und Präsentation verschiedener Projekte im Zusammenhang mit zukünftigen Technologien im Bereich Mobilität in der Luftfahrt oder Energiegewinnung.

Oliver Menge

Unter dem neuen Label wurde der Anlass bereits zum vierten Mal in Grenchen durchgeführt – dieses Mal unter besten, meteorologischen Voraussetzungen. Das Publikum, grösstenteils bestehend aus Fachleuten, Aviatikspezialisten und -liebhabern, kam in den Genuss eines Mix aus Fachvorträgen zu bestimmten technologischen Entwicklungen im Bereich der elektrifizierten Fliegerei und dem Live-Erlebnis der Elektroflugzeuge, die nach Grenchen geflogen wurden sowie Entwicklungsprojekten, die in einer Ausstellung näher vorgestellt wurden.

Das erste zertifizierte Elektroflugzeug gleich dreifach

Star unter den ausgestellten Flugzeugen war sicherlich der Pipistrel Velis Elektro, ein in den letzten fünf Jahren von der slowenischen Firma Pipistrel Ajdovscina d.o.o. entwickelter Zweisitzer, der von der Schweizer Firma AlpinAirPlanes GmbH in die Schweiz gebracht wurde und hier in Flugschulen eingesetzt werden soll. Marc Corpataux, der den Flieger in der Schweiz lanciert, will 12 Flugschulen mit dem Elektroflugzeug ausstatten, zwei werden im Rahmen des Electrifly-in an die ersten zwei Flugschulen ausgeliefert.

Die Pipistrel Velis E. ist das erste von der EASA voll zertifizierte Elektroflugzeug. Ein Team um den deutschen Zukunftsforscher, Ingenieur und Pilot Morell Westermann hat in diesem Sommer mit einer Maschine dieses Typs einen Rekordflug vom St. Galler Flugplatz Schänis zur Insel Norderney an der Nordseeküste gemeistert und dabei etliche Weltrekorde aufgestellt. Westermann berichtete auch in einem äusserst unterhaltsamen Vortrag über diesen Flug, den er und sein Pilot in etlichen Etappen absolvierten. Während das Bodenteam mit den Ladegeräten zu den jeweiligen Zwischenstopps auf kleinen Flughäfen fuhr, flogen sie die Etappen in der Pipistrel.

Fast überall wurden rauschende Partys gefeiert, ganz im Zeichen der Elektromobilität, die laut Westermann die einzig mögliche Zukunft sein muss. Das Rekordflugzeug war übrigens ebenfalls nach Grenchen gebracht worden und konnte aus nächster Nähe betrachtet werden. Ein amüsantes Detail am Rand: Westermann erzählte, dass trotz enormer Medienpräsenz rund zwei Drittel der Fernsehteams ihre Landung schlicht verpassten, weil niemand sie hatte kommen hören.

Auch die Landung in Norderney war aussergewöhnlich, weil auf einem Flugfeld, auf dem normalerweise fünf Flugbewegungen pro Tag geschehen, über 50 Flugzeuge mit Medienleuten angereist waren, die Feuerwehr anrückte und die bemitleidenswerte Dame im Tower nicht darüber informiert worden war. «Als die Medien unmittelbar nach unserer Landung die Landebahn stürmten, um uns zu interviewen – unser Propeller lief noch – hat sie wohl ganz aufgegeben», erzählte Westermann lachend.

Ultraleise und langsame Flug-Demonstrationen

Ein Fly-in wäre keins, wenn nicht auch Flugzeuge in der Luft zu sehen wären. Da der Flugplatz an diesem schönen Tag Hochbetrieb hatte, mit Freizeitfliegern und Fallschirmspringern en masse, waren die Demonstrationen der Elektroflieger am Himmel auf ein kleines Zeitfenster begrenzt. Was jedem auffallen musste: Alle Flugzeuge mit Elektroantrieb sind extrem leise – ein grosser Vorteil , nebst dem der niedrigeren Umweltbelastung. Das Publikum kam in den Genuss etlicher Runden, welche die Elektroflieger über dem Flugplatz drehten, manche so langsam, dass man beinahe das Gefühl hatte, sie würden an Ort und Stelle schweben.

Aber wie geht es in der Entwicklung innovativer Antriebe weiter? Lassen sich die neuen Konzepte irgendwann auch in der kommerziellen Luftfahrt verwenden? Insbesondere jetzt, wo die Wirtschaft und damit auch die Luftfahrtindustrie unter der Krise zu leiden hat? Diese und weitere Fragen wurden am ersten E-Talk erörtert, einer Podiumsdiskussion mit Dominique Gisin, ehemalige Skirennfahrerin, Olympiasiegerin, selber Pilotin und kurz vor ihrem Abschluss in Astrophysik, die als Botschafterin des Electrifly-in fungierte.

Nationalrat Thomas Hurter, selber Militär- und Linienpilot bei der Swiss mahnte, gerade in der aktuellen, für die Luftfahrt schwierigen politischen Diskussion, die verschiedenen Ansätze in der zukünftigen Mobilität, sowohl am Boden wie in der Luft nicht gegeneinander auszuspielen. Die Luftfahrt werde momentan in eine Ecke gedrängt, als Klimakiller Nummer Eins bezeichnet. «Was ist jetzt in der Coronakrise geschehen? Die Fluggesellschaften haben die Anschaffung moderner, umweltfreundlicherer Maschinen gestoppt und fliegen mit den alten Maschinen weiter. Mit anderen Worten: der aktuelle Gegenwind, den die Luftfahrt politisch erfährt, klemmt die Innovation ab.»

Theo Rindlisbacher vom Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL zeigte auch auf, dass die Schweiz nicht alleine steht. Innovative Elektroantriebe, die hier entwickelt werden, verursachen bei uns zwar keine Emissionen, denn die «Umweltsünden» bei der Herstellung von Batterien geschehen im Ausland. Das dürfe nicht vergessen werden. Er rechne mit der Weiterentwicklung von hybriden Lösungen und der nachhaltigen Entwicklung von nicht-fossilen Treibstoffen.

Dominique Gisin schliesslich setzte ihre Hoffnung in die Jugend, von der sie hoffte, dass sie sich mehr für Technik interessiere und vielleicht eines Tages das Batterieproblem lösen könne.

E-Trophy für den mehrfachen Rekordhalter

Die diesjährige E-Trophy, die Auszeichnung für den längsten Flug nach Grenchen mit Elektroantrieb ging an Klaus Ohlmann. Der aussergewöhnliche Pilot hat selber bereits über 60 Weltrekorde aufgestellt, ist in einem Segelflugzeug über den Mount Everest geflogen, hat in den Anden Streckenweltrekorde aufgestellt und vieles mehr. In seiner Antares flog er 357,6 Kilometer von Frankreich nach Grenchen und gewann somit die Trophy.

Ehrengast an der Preisverleihung war Bertrand Piccard, den man niemandem mehr vorzustellen braucht nach seiner Weltumrundung in der Solar Impulse und der nun als Schirmherr des Electrifly-In Switzerland in Grenchen auftrat.