Die Stadtpolizei Grenchen macht vorwärts bei der Überprüfung der rund hundert Fussgängerstreifen in Grenchen. «Wir haben bereits vier Fussgängerstreifen aufgehoben, die teilweise den Anforderungen nicht genügen – ungenügende Warteräume oder unübersichtliche Platzierung – oder in einer der neuen 30er-Zonen liegen», erklärt Michael Herzog, Chef Verkehrssicherheit der Stadtpolizei Grenchen. Dies ist ein Teil des Massnahmenkatalogs, der laufend erweitert wird (wir berichteten). Der Fachgruppe gehören neben Herzog Verkehrsinstruktor Marco König und Tiefbauprojektleiter Sven Nobs von der Baudirektion an.

Ein anderer, wichtiger Teil des Prozesses findet gegenwärtig an der Hohlenstrasse beim Kastelsschulhaus statt: Der dortige Fussgängerstreifen dient als Versuchsobjekt. Man will verschiedene Massnahmen auf ihre Tauglichkeit prüfen. So wurden auf beiden Seiten des Streifens Schilder mit einer hochreflektierenden Folie montiert, auf dem Trottoir stehen beidseits kleine Leuchtpfosten, die nachts beleuchtet und tagsüber gut sichtbar sind. «Diese Massnahme ist sehr effektiv, ein Autofahrer sieht die Pfosten schon von weitem, auch bei schlechten Strassen- und Witterungsverhältnissen», sagt Herzog.

Beidseits des Fussgängerstreifens wurde mit grüner Farbe ein Streifen aufgemalt, eine weitere Massnahme, die man allerdings als wenig geeignet erachte, da die Streifen zu wenig sichtbar seien. 25 Meter vor dem Übergang wurden Rüttelstreifen auf die Strasse aufgebracht. «Die werden wir allerdings noch abändern. Im Moment liegen sie zu nahe beieinander und werden nicht oder zu wenig wahrgenommen.» Beim Autofahrer soll durch das Rütteln die Aufmerksamkeit geweckt werden.

Schweizweiter Erstversuch

Ein weiteres Element, das zur besseren Sichtbarkeit beitragen soll, sind LED-Bodenleuchten, die beidseits des Streifens im Strassenbelag einbaut werden. Das Produkt wird in Österreich bereits verwendet und man habe dort sehr gute Erfahrungen damit gemacht, sagt Herzog. In Grenchen wird schweizweit der erste Versuch dieser Art durchgeführt, erklärt Herzog. Die sechs robusten Bodenleuchten – drei auf jeder Seite – sind am Stromnetz angeschlossen und mit der Strassenlaterne gleichgeschaltet, sie werden tagsüber aber auch gespeist und leuchten so auch in der Dämmerung, wenn die Lampe bereits ausgeschaltet ist oder noch nicht brennt.

Da die Leuchten nur 3 Millimeter über den Boden reichen, sind sie schneepflugsicher. Der Hersteller gibt eine Betriebslebensdauer von 100000 Stunden an, was den verhältnismässig hohen Preis von rund 5000 Franken für sechs Leuchten mit Steuereinheit relativiere, meint Herzog. Ausserdem, falls man das Produkt in grösseren Mengen anschaffe, werde auch der Preis entsprechend sinken. Gestern wurden die Bodenleuchten eingebaut und heute Abend sollen sie, sofern alles klappt, zum ersten Mal in Betrieb genommen werden.

Bereits Laternen umgerüstet

Auch die Strassenlaterne beim Fussgängerstreifen wird in Zusammenarbeit mit der SWG mit einer neuartigen Lichtquelle auf LED-Basis versehen. An der Flughafenstrasse bei der Bocciahalle habe man bereits Laternen derart umgerüstet und bisher gute Erfahrungen gemacht. Das helle, weisse Licht beim Fussgängerstreifen hebe sich deutlich vom gelben Licht der anderen Strassenlaternen ab, sagt Herzog.

Eltern, Lehrer und Bevölkerung werden in den nächsten Monaten befragt, wie sie die verschiedenen Massnahmen beim «Versuchsstreifen» wahrnehmen. Aus diesen Resultaten wolle man eine erste Bilanz ziehen und das weitere Vorgehen planen.

«Nicht alle Massnahmen machen an allen Fussgängerstreifen Sinn», sagt Herzog. Man müsse das situativ entscheiden. Denn alle Gefahren könne man nie ausschliessen. Zum Beispiel machten Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto in die Schule brächten, oft Probleme, sagt der Experte. «Da wird neben dem Fussgängerstreifen auf beiden Seiten parkiert, und beim Wenden fahren die Eltern dann zum Teil rückwärts über den Fussgängerstreifen.»